Amphibrachys

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Amphibrachys (griechisch ἀμφίβραχυς „beidseits kurz“) bezeichnet in der antiken Verslehre einen einfachen, dreigliedrigen Versfuß, bei dem zwei Kürzen eine Länge umschließen nach dem Schema ◡—◡. Als eigenständiger Versfuß ist der Amphibrachys nicht belegt, da ein amphbrachyscher Vers auch daktylisch oder anapästisch interpretiert werden kann. Beispiel:

◡—◡ | ◡—◡ | ◡—◡ (amphybrachisch)
◡ | —◡◡ | —◡◡ | —◡ (katalektisch daktylisch mit Auftakt)
◡— | ◡◡— | ◡◡— | ◡ (hyperkatalektisch akephal anapästisch)

Im Deutschen ist der Amphbrachys als Wortfuß zwar häufig (z. B. „entstanden“, „gelaufen“ etc.) , im Gedicht realisiert sieht man ihn aber nur dort, wo eine bewusste, antikisierende Nachbildung vorliegt, etwa in Goethes Parzenlied[1]:

Es fü̱rchte die Gö̱tter
Das Me̱nschengeschle̱cht!
Sie ha̱lten die He̱rrschaft
In e̱wigen Hä̱nden,
Und kö̱nnen sie bra̱uchen,
Wie's i̱hnen gefä̱llt.

Hier die Anfangsstrophe mit amphibrachyschem ersten, dritten und fünften Vers (◡—◡ | ◡—◡).

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 10.
  • Günther Schweikle, Dieter Burdorf (Hg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 19.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Goethe: Iphigenie auf Tauris IV,5 (online)