Amphibrachys

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Amphibrachys (griechisch ἀμφίβραχυς „beidseits kurz“; Plural Amphibrachys) bezeichnet in der antiken Verslehre einen einfachen, dreigliedrigen Versfuß, bei dem zwei Kürzen eine Länge umschließen nach dem Schema ◡—◡. Als eigenständiger Versfuß ist der Amphibrachys nicht belegt, da ein amphbrachyscher Vers auch daktylisch oder anapästisch interpretiert werden kann. Beispiel:

◡—◡ | ◡—◡ | ◡—◡ (amphybrachisch)
◡ | —◡◡ | —◡◡ | —◡ (katalektisch daktylisch mit Auftakt)
◡— | ◡◡— | ◡◡— | ◡ (hyperkatalektisch akephal anapästisch)

Im Deutschen ist der Amphibrachys als Wortfuß zwar häufig (z. B. „entstanden“, „gelaufen“ etc.), im Gedicht realisiert sieht man ihn aber nur dort, wo eine bewusste, antikisierende Nachbildung vorliegt, etwa in Goethes Parzenlied[1]:

Es fü̱rchte die Gö̱tter
Das Me̱nschengeschle̱cht!
Sie ha̱lten die He̱rrschaft
In e̱wigen Hä̱nden,
Und kö̱nnen sie bra̱uchen,
Wie's i̱hnen gefä̱llt.

Hier die Anfangsstrophe mit amphibrachyschem ersten, dritten und fünften Vers (◡—◡ | ◡—◡).

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. 2. Aufl. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-47902-8, S. 10.
  • Günther Schweikle, Dieter Burdorf (Hg.): Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-01612-6, S. 19.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Goethe: Iphigenie auf Tauris IV,5 (online)