Ananym

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Das Ananym (gr. ana gemäß + onyma Name) ist eine besondere Form des Pseudonyms bzw. des Anagramms, bei der die Buchstaben eines Namens in a) beliebiger Reihenfolge umgestellt oder b) in genau umgekehrter Reihenfolge geschrieben werden und so einen neuen Namen bilden. Beispiele für (a) sind der Schriftsteller Hans C. Mayer, der sich Jean Améry nannte, und der Lyriker Paul Celan, der ursprünglich Ancel hieß. Ein Beispiel für (b) ist der Autor Kurt Wilhelm Marek, der unter dem Namen C. W. Ceram bekannt wurde.

Literarische Ananyme[Bearbeiten]

In der Literatur haben Ananyme oft die Aufgabe, den Namensträger zu charakterisieren, dienen also der Interpretation. Beispiele: Im Roman Timm Thaler von James Krüss heißt der böse Gegenspieler Baron Lefuet, ein Ananym für Teufel. In einem Band der „Harry Potter“-Reihe wird der Name Tom Vorlost Riddle enträtselt zu ist Lord Voldemort.

Verwendet ein Schriftsteller für eine seiner Figuren einen der wenigen Vornamen, die sowohl von vorn wie von hinten gelesen gleich (oder sehr ähnlich) klingen (Aga, Anna, Anina, Ad(d)a, Hanna(h), Bob, Ede, Otto), so bedient er sich im Grunde eines palindromischen Ananyms, was unter Umständen, d.h. wenn andere Analyse-Aspekte, wie Kontext, Etymologie etc., dem nicht widersprechen, auf die Selbstidentität des Namenträgers hinweisen kann: Ganz gleich, aus welcher Perspektive man diese Figur (bzw. ihren Namen) betrachtet, sie bleibt sich gleich: entweder sie verändert sich nicht, oder sie ist sich treu, oder sie lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen oder sie handelt besonders stur, hartnäckig usw. Beispiele: Hanna in Max Frischs Roman Homo Faber oder Hanna in Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser.

Der palindromische Gleichklang eines so gewählten Namens kann aber auch einfach nur auf einen langweiligen Charakter, auf einen typischen Durchschnittsmenschen o.ä. verweisen, wie der redensartlich gewordene Otto Normalverbraucher aus Stemmles Film Berliner Ballade. Allerdings kann dasselbe Phänomen auch das genaue Gegenteil zum Ausdruck bringen und beispielsweise auf jemanden von besonderer „Verrücktheit“ hindeuten, auf jemanden, der die Dinge auf den Kopf stellt und/oder anderen den Kopf verdreht. Bekanntestes Beispiel: Anna Blume in Kurt Schwitters' berühmtem dadaistischen Gedicht. Ist man „von hinten wie von vorne“ (Kurt Schwitters), so kann dies, ähnlich wie das Symbol des Kreises, also letztlich sogar auf eine außergewöhnliche Perfektion hinweisen, siehe wiederum Anna Blume.

Weitere bekannte Beispiele[Bearbeiten]

  • Alucard ist ein Ananym des Namens Dracula.
  • Theodor Seuss Geisel verwendete auch den Namen Theo LeSieg.
  • Erich Maria Remarque, geboren als Erich Paul Remark, wurde von Nationalsozialisten unterstellt, er heiße eigentlich Kramer und verleugne dies. Das Gerücht sollte seine Glaubwürdigkeit untergraben.
  • Michel Leiris schuf in dem surrealistischen autobiographischen Roman die Figur des Damoclès Siriel.
  • Das Chemieunternehmen AllessaChemie steht in der Tradition der Cassella.
  • Im Film Blueprint heißt Iris’ geklonte Tochter Siri.
  • Der Protagonist der Bastard-Assistant-from-Hell-Reihe Leisch ist das Ananym zum Autor Florian Schiel.
  • Der deutsche Musiker Frank Möller wählte Knarf Rellöm, das Ananym seines Namens, als Künstlername.
  • Die Schauspielerin und Fotomodell Giulia Siegel verwendete früher das Pseudonym Giulia Legeis.
  • Der Rapper Caput benannte sich nach dem Rap-Musiker Tupac Shakur.
  • Der belgische Comiczeichner Georges Prosper Remi vertauschte seine Initialen G. R. und nannte sich Hergé, nach der französischen Aussprache der Buchstaben.
  • Im Roman Im Rausch der Stille von Albert Sánchez Piñol heißt das abtrünnige Meerweibchen Aneris und verweist damit auf die antike Sirena. Der Name ihres Volkes Citauca weist auf ihre Herkunft hin: Acuatic.
  • Der Dichter und Philosoph Salomo Friedlaender schrieb seine Satiren unter dem Namen Mynona. Er veröffentlichte auch das angebliche Ananym für Remarque.
  • Die peruanische Sängerin Zoila Augusta Emperatriz Chavarri del Castillo trat unter dem Namen Yma Sumac auf. Bei ihrem Aufenthalt in USA wurde kolportiert, sie sei in Brooklyn als Amy Camus geboren.
  • Die Metalband Suidakra ist nach dem Ananym des Sängers und Mitbegründers Arkadius Antonik benannt.
  • Walter Moers verwendet in seinen Büchern Die Stadt der Träumenden Bücher und Das Labyrinth der Träumenden Bücher vielfach Ananyme berühmter Schriftsteller und Musiker als Namen fiktiver Künstler. So wird aus Johann Wolfgang von Goethe Ohjann Golgo van Fontheweg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ananym. In: Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele. Überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11958-8, S. 32.