Anatoli Eduardowitsch Serdjukow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Anatoli Serdjukow (2007)

Anatoli Eduardowitsch Serdjukow (russisch Анатолий Эдуардович Сердюков; * 8. Januar 1962 in Cholmski in der Region Krasnodar) ist ein russischer Politiker. Im Februar 2007 wurde er Verteidigungsminister der Russischen Föderation. Im November 2012 wurde Serdjukow vom russischen Präsidenten Putin entlassen. Sein Nachfolger wurde der bisherige Moskauer Gebietsgouverneur Sergei Schoigu.[1]

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

Nach Beendigung seines Studiums an der Leningrader Hochschule für Sowjetischen Handel arbeitete er 1985 zunächst bei einem örtlichen Möbelhandel, wechselte dann 1993 als stellvertretender Direktor zur St. Petersburger Aktiengesellschaft „Mebel-Market“, wo er sich vornehmlich um die Marktforschung kümmerte und schließlich zum Generaldirektor aufstieg. Im Jahr 2000 wechselte Serdjukow in den Staatsdienst und nahm eine Stelle bei der Steuerinspektion an. Von Juni bis November 2001 war er Vizechef der Petersburger Abteilung des Ministeriums für Steuern und Abgaben und damit Stellvertreter des späteren russischen Ministerpräsidenten Wiktor Subkow. Als letzterer im November 2001 Moskau zur Föderalen Behörde für Finanzkontrolle wechselte, wurde Serdjukow dessen Nachfolger auf dem Posten des Vorsitzenden der Petersburger Abteilung des Ministeriums für Steuern und Abgaben.

Im März 2004 wechselte er nach Moskau, wo er die kommissarische Leitung des Föderalen Ministeriums für Steuern und Abgaben übernahm. Dieses wurde bald darauf in eine dem Finanzministerium unterstehende Behörde namens Föderaler Dienst für Steuern umgewandelt, zu deren Leiter im Juli 2004 Serdjukow ernannt wurde.

Im Februar 2007 wurde Serdjukow schließlich als Nachfolger von Sergei Iwanow zum Verteidigungsminister ernannt.[2] Seit März 2007 ist Serdjukow außerdem Aufsichtsratsvorsitzender des Chemieunternehmens Chimprom, das sich mehrheitlich im Staatsbesitz befindet.[3] Gleiches gilt für die Staatskorporation Rostechnologii im Rüstungssektor.

Am 18. September 2007 reichte Serdjukow seinen Rücktritt ein. Als Begründung wurde die Unvereinbarkeit des Ministerpostens mit dem engen verwandtschaftlichen Verhältnis zum kurz zuvor ernannten Regierungschef Wiktor Subkow angegeben. Subkow ist Serdjukows Schwiegervater.[4] Das Rücktrittsgesuch wurde von Präsident Wladimir Putin abgelehnt, wodurch Serdjukow weiterhin als Verteidigungsminister amtierte.[5]

Zur Entlassung Serdjukows am 6. November 2012 erklärte Putin, das Verteidigungsministerium habe es unter Serdjukow versäumt, Militärangehörige ausreichend mit Wohnungen zu versorgen. Ein neuer Ressortchef solle die dynamische Entwicklung der russischen Streitkräfte fortsetzen. Die Russischen Streitkräfte befinden sich in der größten Reform ihrer Geschichte.[6] Serdjukows Entlassung habe zudem im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre um ein seinem Ministerium unterstelltes Unternehmen gestanden, dem Veruntreuung in Höhe von 78 Mio. Euro vorgeworfen wird. Mit der Entlassung werde der Weg für eine Untersuchung freigemacht, so Putins Pressesprecher.[7] Serdjukow selbst war bereits zuvor aufgrund seiner Armee-Reformpläne in die Kritik von Militärs geraten.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anatoliy Eduardovich Serdyukov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Putin entlässt Verteidigungsminister Serdjukow. Ermittler untersuchen Korruptionsvorwürfe. Die Welt, 6. November 2012, abgerufen am 6. November 2012.
  2. Frank Nienhuysen: Russland - Putin macht Iwanow zum starken Mann, Süddeutsche Zeitung, 15. Februar 2007
  3. Lebenslauf Serdjukows in der Internetbibliothek Sergei Pribylowskis (russisch)
  4. Verteidigungsminister Serdjukow tritt zurück, Spiegel Online, 18. September 2007
  5. newsru.com: Путин на один день прилетел из Сочи и объявил состав нового правительства, 24. September 2007 (russisch)
  6. Verteidigung - Russland: Putin entlässt Verteidigungsminister. n-tv.de, 6. November 2012, abgerufen am 14. März 2013.
  7. Putin entlässt Verteidigungsminister Serdjukow. Personalien. Die Welt, 6. November 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  8. Putin entlässt seinen Verteidigungsminister. Anatoli Serdjukow. Handelsblatt, 6. November 2012, abgerufen am 9. November 2012.