Angst über der Stadt

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Filmdaten
Deutscher Titel Angst über der Stadt
Originaltitel Peur sur la ville
Produktionsland Frankreich, Italien
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1975
Länge 120 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Henri Verneuil
Drehbuch Jean Laborde
Francis Veber
Henri Verneuil
Musik Ennio Morricone
Kamera Jean Penzer
Schnitt Pierre Gillette
Henri Lanoë
Besetzung

Angst über der Stadt (Originaltitel: Peur sur la ville) ist ein französisch-italienischer Action-Krimi aus dem Jahr 1975. Unter der Regie von Henri Verneuil spielt Jean-Paul Belmondo einen Pariser Polizeikommissar auf der Jagd nach einem Serienmörder und zugleich in einem zweiten Fall nach einem Bankräuber. Verneuil und Belmondo kümmerten sich gemeinsam um die Finanzierung und Produktion. Wie üblich führte Belmondo alle Stunts selber aus. Ein Werbebudget von 1.5 Millionen Francs verschaffte dem Film Präsenz in den Medien und auf Plakaten.[1] Der Film war ein Kassenerfolg, allein in Paris erreichte er 835.000 Kinobesucher.[2]

Handlung[Bearbeiten]

Kommissar Le Tellier musste gerade einen Karriereknick verkraften: Bei einer wilden Verfolgungsjagd nach einem Bankraub hat der Gangster Marcucci einen Passanten erschossen; dies erfährt der Zuschauer in einer Rückblende. Zwar hat sich rasch herausgestellt, dass die Kugel nicht aus Le Telliers Waffe stammte, dennoch leidet er unter der zeitweiligen Schande und vor allem dem Entkommen des Täters.

Während Le Tellier – nicht zuletzt von Rachegelüsten getrieben – weiterhin nach Marcucci sucht, wird ihm ein anderer Fall übertragen: Minos nennt sich der Mann, der nacheinander verschiedene Frauen umbringt, deren Lebenswandel nicht seiner sittlichen Vorstellung entspricht. Damit – so erklärt Minos in seinen Briefen an die Presse und die Polizei – wolle er den „sexuellen Schlamm“ ausmerzen. Sein selbstgewählter Spitzname ist eine Anspielung auf Dantes Göttliche Komödie. In jedem seiner Briefe fügt er auch ein Teil seines Fotos, das ihn zeigt, hinzu.

Während Le Tellier in den Ermittlungen wegen Minos nur langsam weiterkommt, taucht Marcucci wieder in der Stadt auf. Eine unerwartete Gelegenheit für Le Tellier: Er bricht die Auto-Verfolgungsjagd nach Minos ab und verfolgt Marcucci durch die Pariser U-Bahn. Dabei kommt der Gangster ums Leben und Le Tellier wird von der Presse vorgeworfen, zugunsten seiner Rachegelüste den Frauenmörder laufengelassen zu haben.

Minos kann weitere Morde begehen, obwohl die Polizei, ohne es zu wissen, ganz in seiner Nähe ist. Nach einer erfolglosen Verfolgungsjagd über die Dächer von Paris wird er schließlich durch sein Glasauge identifiziert. Als Minos in einem Hochhaus Geiseln nimmt, seilt Le Tellier sich vom Hubschrauber ab, springt durchs geschlossene Fenster in die Wohnung und überwältigt den Mörder.

Kritik[Bearbeiten]

In Frankreich[Bearbeiten]

Die gesamte Presse habe Verneuils Fähigkeit, einen Polizeithriller zu inszenieren, gerühmt, stellte Positif fest. Sicherlich zeige er bei Verfolgungsjagden und Schießereien Sattelfestigkeit und ein unbestreitbares Gespür für Rhythmus. Es fehlten jedoch die sozialen Hintergründe, die Figuren seien äußerst schematisch, das Bild der Polizei zu schmeichelhaft. Dem auf unoriginelle Weise durch Rache motivierten Kommissar leihe Belmondo sein Gesicht und stereotype Ausdrucksweisen als Markenzeichen.[3] In ihrem Buch über den Schauspieler nannten Guérif und Levy Klein Angst über der Stadt einen Film, der sein Publikum vor allem vergnügen wolle. „Belmondo beweist seine körperliche Form und gibt der Rolle des Superpolizisten […] seinen Spott und seine Nonchalance. Das Publikum lacht bei seinen Witzen, während der Gauner Blut läßt. All das ist nicht recht ernst, da es ja nur eine Unterhaltung ist! Was uns angeht, so bedauern wir zutiefst und ehrlich, daß der Schauspieler – vielleicht aus Liebe zu sportlicher Ertüchtigung – sich in ein solches Werk verirrt hat.“[4]

In Deutschland[Bearbeiten]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fand den Film simpel, nicht originell, patriarchalisch und lästerte über die zwei Handlungsstränge beziehungsweise Gegner.[5] Die Zeit konnte sich über Belmondos „brillante“ Akrobatik nicht erfreuen, weil der Film „ein zynisches Plädoyer für den totalen Polizeistaat“ sei, das die Brutalität des Polizisten heldenhaft verkläre. Zur Zeichnung des Bösewichts als abartigen Unmenschen bediene sich Verneuil Mitteln, die aus dem faschistischen Kino stammten. Da heilige der „Zweck die ungesetzlichsten Mittel, da wird ideologisch der Boden bereitet für rechtsradikale Putschisten.“[6] Auf „nicht mehr als kassensichere Unterhaltung“ habe es die Produktion abgesehen, meinte der film-dienst. Er fand die Kriminalfilm-Elemente nicht originell. Der Polizist und der Verbrecher erhielten Profil, andere Figuren nicht. Dem 42-jährigen Belmondo bleibe „noch immer ein jungenhafter Zug, der als bloß ungebärdig und als sympathische Frechheit verniedlicht, was genau besehen nichts mehr anderes ist als jene Umfunktionierung der Verbrechensbekämpfung zum eigengesetzlichen Kräftemessen“. Dank seines physischen Wagemuts sei er ein idealer Darsteller. „Dafür verzeiht man ihm eben manches, was man sonst der Polizei […] dick ankreiden würde.“[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. François Guérif / Stéphane Levy Klein: Jean-Paul Belmondo. Seine Filme – sein Leben. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-86032-2, S. 66–67 und S. 125. (Französische Originalausgabe 1976)
  2. Guérif / Levy Klein 1981, S. 121
  3. Frédéric Vitoux: Peur sur la ville. In: Positif, Juli 1975, S. 106–107
  4. Guérif / Levy Klein 1981, S. 224
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 1975, S. 41: Angst über der Stadt
  6. Die Zeit, 12. September 1975: Filmtips
  7. film-dienst Nr. 15/1975, gezeichnet von „ejW“