Anschlag von Bologna 1980

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44.50583333333311.3425Koordinaten: 44° 30′ 21″ N, 11° 20′ 33″ O

Zerstörter Hauptbahnhof von Bologna
Retter tragen nach der Explosion einen Verletzten.
Der als Mahnmal beibehaltene Riss in der Bahnhofswand
Ort der Explosion als Gedenkstätte

Der Anschlag von Bologna (italienisch Strage di Bologna) war ein Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof der italienischen Stadt Bologna am Morgen des 2. August 1980. Bei dem Anschlag starben 85 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Die neo-faschistische, terroristische Organisation Ordine Nuovo wurde beschuldigt, den Anschlag verübt zu haben. Zwei Agenten des italienischen Geheimdienstes SISMI und der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, wurden wegen Behinderung der Ermittlungsarbeiten verurteilt.

Hergang[Bearbeiten]

Eine in einem abgestellten Koffer versteckte Zeitbombe detonierte um 10:25 Uhr in einem gut besuchten Wartesaal. Der Sprengsatz bestand aus TNT und T4. Die Explosion zerstörte den westlichen Flügel des Empfangsgebäudes und beschädigte einen Zug, der zwischen Ancona und Chiasso unterwegs war und auf Gleis 1 hielt. Die Explosion war kilometerweit zu hören. Das Dach des Wartesaals brach über den wartenden Fahrgästen zusammen, was die Zahl der Todesopfer massiv erhöhte.

An jenem Samstag im Sommer hielten sich viele Touristen im Bahnhof auf. Die Stadt war auf eine solch massive Katastrophe nicht vorbereitet. Es standen nicht genügend Krankenwagen zur Verfügung, so dass Busse und Taxis zum Transport der Verletzten in die Krankenhäuser eingesetzt werden mussten.

Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Francesco Cossiga und die Polizei gingen zunächst von einem Unfall aus, konnten aber recht bald einen Ableger der Ordine Nuovo, die Nuclei Armati Rivoluzionari (NAR), für den Anschlag verantwortlich zeichnen. In einer Sondersitzung des Senats unterstützte Cossiga die Theorie, der Anschlag sei von Neofaschisten verübt worden. Es wurde mehrmals versucht, die Aufklärung zu behindern und die Umstände des Attentats zu verschleiern.

Aufklärung[Bearbeiten]

Auf das Attentat folgten ein langes, verworrenes und umstrittenes Gerichtsverfahren und politische Diskussionen. Die Hinterbliebenen der Opfer gründeten eine Organisation (Associazione tra i familiari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980), um die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Am 23. November 1995 gab der Corte Suprema di Cassazione das endgültige Urteil bekannt:

Ob der Anschlag allerdings tatsächlich von Fioravanti und Mambro ausgeführt wurde, ist umstritten. Wie ermittelt wurde, hielten sich am Tag des Anschlags die Mitglieder der Terror-Gruppe Carlos, Christa Margot Fröhlich und Thomas Kram, für einen Tag in Bologna auf.

Aufarbeitung[Bearbeiten]

Der 2. August wurde als Gedenktag an die Opfer ausgerufen. Die Stadtverwaltung von Bologna und die Associazione tra i famigliari delle vittime della strage alla stazione di Bologna del 2 agosto 1980 veranstalten jährlich einen internationalen Komponistenwettbewerb, der mit einem Konzert auf dem Hauptplatz der Stadt, der Piazza Maggiore, endet.

Die beschädigten Gebäudeteile wurden wiederaufgebaut, der Fußboden und ein tiefer Riss in der Wand wurden jedoch als Mahnmal an den Anschlag unverändert beibehalten. Außerdem bleibt die Bahnhofsuhr auf 10:25 Uhr, der genauen Uhrzeit der Explosion, stehen.

Nach der Verhaftung von Rodolfo Almirón, einem ehemaligen Mitglied der Alianza Anticomunista Argentina, im Jahr 2006 gab der spanische Anwalt José Angel Pérez Nievas bekannt, dass es „wahrscheinlich [ist], dass Almirón – zusammen mit Stefano Delle Chiaie und Augusto Canchi – am Attentat auf den Bahnhof von Bologna 1980 beteiligt war“.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anschlag von Bologna 1980 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDenuncian que Almirón también participó en la ultraderecha española. Argentinische Nachrichtenagentur Télam, 6. Januar 2007, archiviert vom Original am 27. September 2007, abgerufen am 13. November 2009 (spanisch).