Chiasso

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Chiasso
Wappen von Chiasso
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Mendrisiow
Kreis: Kreis Balerna
BFS-Nr.: 5250i1f3f4
Postleitzahl: 6830
UN/LOCODE: CH CHI
Koordinaten: 723804 / 7715445.8347199.031944230Koordinaten: 45° 50′ 5″ N, 9° 1′ 55″ O; CH1903: 723804 / 77154
Höhe: 230 m ü. M.
Fläche: 5.3 km²
Einwohner: 7933 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 1497 Einw. pro km²
Website: www.chiasso.ch
Karte
Luganersee Comer See Italien Bezirk Lugano Balerna Castel San Pietro TI Chiasso Morbio Inferiore Breggia TI Vacallo Coldrerio Mendrisio Riva San Vitale Novazzano StabioKarte von Chiasso
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Chiasso [kjasːo] (lombardisch Ciass, deutsch veraltet Pias) ist eine politische Gemeinde im Kreis Balerna im Bezirk Mendrisio des Kantons Tessin in der Schweiz.

Am 25. November 2007 scheiterte eine Fusionsvorlage in den Gemeinden Chiasso, Morbio Inferiore und Vacallo.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde im Sottoceneri hat rund 7'800 Einwohner und liegt an der Poebene im Mendrisiotto südlich von Mendrisio zwischen dem Luganersee und dem Comer See an der Grenze zu Italien.

Der Ort Pedrinate, eine früher selbstständige Gemeinde, die seit 1976 zu Chiasso gehört, bildet mit dem Grenzstein 75B den südlichsten Punkt der Schweiz. Damit ist Chiasso auch die südlichste Schweizer Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

1140 wurde Chiasso als Claso erwähnt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts (1874) wurde Chiasso, ursprünglich ein Vorort des italienischen Nachbarn Como, dank der Eisenbahn mit seinem Grenzbahnhof und Rangierbahnhof zu einer wichtigen Grenzstadt. Durch die Eisenbahn erlebte Chiasso einen wirtschaftlichen Aufschwung und die Bevölkerung nahm rapide zu.

Da heute die Lebensqualität in Chiasso nicht hoch ist und Grenzbahnhöfe an Bedeutung verloren, wanderten viele Einwohner in die Nachbargemeinden Richtung Norden, wo Arbeitsplätze im tertiären Sektor vorhanden sind. So verzeichnete Chiasso seit 1970 (damals 8'868 Einwohner) einen Bevölkerungsrückgang (heute 7'700 Einwohner). Aus einem seit August 1994 bestehenden Forschungszentrum für sogenannte Grätzel-Zellen entwickelte sich ab 1999 ein kommerzieller Hersteller für monokristalline Solarzellen und Solarmodule. Die Nähe zum sonnenreichen Italien beschert dem Ort heute wieder eine solide Exportperspektive.

Im September 1976 löste sich nach langem Regenwetter oberhalb des Gaswerks ein Erdrutsch, welcher einen der drei Propangas-Behälter beschädigte (es gab zwar auf der gegenüberliegenden Seite eine Brandschutzwand, an einen Erdrutsch war aber bei den Sicherungsmassnahmen nicht gedacht worden). Nach einer gewissen Zeit löste ein durchfahrendes Motorrad durch kleine Motor-Funken eine Explosion der ausgeströmten Gaswolke aus. Die beiden anderen Behälter wurden danach durch die Feuerwehr gekühlt, ca. 2000 Personen in der Umgebung evakuiert. Trotz Kühlung leckte auch der zweite Behälter auf Dauer, wobei ein zweiter Gaswolken-Brand entstand. Zwei Ammoniak-Behälter im Keller der nahegelegenen Frisco-Fabrik blieben unversehrt.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1970 9326
1980 8583
1990 8212
2000 7720
2009 7763
2010 7737
2011 7776
2012 7933

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Baldassare Fontana (1661–1733), Bildhauer und Stuckateur
  • Mario Martinoni, Oberst (Schweizer Armee)
  • Joseph McDivitt, Oberst (US Army)
  • Egidio Bernasconi (* 16. März 1919 in Monza), Maler[3]
  • Serge Brignoni (* 12. Oktober 1903 in Chiasso; † 6. Januar 2002 in Zollikofen), Kunstmaler, Bildhauer, Zeichner[4]
  • Sergio Casartelli (* 4. Oktober 1907 in Lugano; † 29. Oktober 1971), Kunstmaler, Grafiker[5]
  • Erico Cavadini (* 28. Juli 1910 in Chiasso; † 14. Dezember 1947), Kunstmaler[6]
  • Aldo Crivelli (* 18. Juni 1907 in Chiasso; † 12. Juli 1981 in Muralto), Kunstmaler, Archäologe, Schriffsteller, Dozent[7]
  • Sergio Emery (* 4. März 1928 Chiasso; † 5. Juli 2003 in Gentilino), Kunstmaler, Zeichner, Stecher, Lytograf, Mosaikarbeiter[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

2005 wurde das m.a.x.-Museo eröffnet. Es wurde von Aoi Kono, der Witwe des Grafikers Max Huber, in Auftrag gegeben und nach den Plänen der Architekten Pia Durisch+Aldo Nolli realisiert.

Das 1935 vom Architekten Americo Marazzi erbaute Cinema Teatro wurde total renoviert und 2001 wieder eröffnet (Filmvorführungen, Theater, Musik, Tanz).

Festivals[Bearbeiten]

In Chiasso werden verschiedene Festivals veranstaltet. Seit 1989 Chiassodanza (Tanzfestival), seit 1991 Festate (Festival der Weltmusik) und seit 1997 Festival di cultura e musica jazz (Jazzfestival).

Verkehr[Bearbeiten]

Zoll von Chiasso nach Italien
  • Da Chiasso unmittelbar an der Grenze zu Italien liegt, ist der Transit- und Zollverkehr von großer Bedeutung. Hier geht die Schweizer Autobahn A2 (Basel-Luzern-Gotthard-Lugano-Chiasso) in die italienische A9 Autostrada dei Laghi Richtung Mailand über, das in weniger als 45 Minuten erreicht werden kann.
  • Bahnhof Chiasso

Literatur[Bearbeiten]

  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 464–469.
  • Giuseppe L. Beeler: In grigioverde agli ordini del Col Martinoni. In: Rivista Militare. Nummer 2. April 2010, S. 3–5.
  • Alessandro Zanoli: Chiasso, scene dalla guerra. In: Azione. settimanale della Cooperativa Migros Ticinese, 19. April 2010, S. 5.
  • Chiara Gerosa: Quando il col Martinoni salvò Chiasso dalla guerra. In: Giornale del Popolo 24. April 2010, S. 6.
  • Vigilio Massarotti: Una vita in grigioverde. Dal caduceo alle spighe. Edizioni Pedrazzini, Locarno 2009.
  • Simona Martinoli: "Italia e Svizzera" di Margherita Osswald-Toppi: un monumento all’amicizia fra due Paesi. In: Archivio Storico Ticinese. Nummer 147, Casagrande, Bellinzona 2010.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chiasso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Archivio Storico Ticinese, numero 146, 2010.
  3. Egidio Bernasconi auf www.sikart.ch
  4. Serge Brignoni auf www.sikart.ch
  5. Sergio Casartelli auf www.sikart.ch
  6. Erico Cavadini auf www.sikart.ch
  7. Aldo Crivelli auf www.sikart.ch
  8. Sergio Emery auf www.sikart.ch
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 464–469.