Licio Gelli

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Licio Gelli (* 21. April 1919 in Pistoia, Italien) ist der Gründer der 1982 aufgelösten, äußerst einflussreichen italienischen Freimaurerloge Propaganda Due und war dort Meister vom Stuhl, bis er und die Propaganda Due 1976 aus der Freimaurerei ausgeschlossen wurden. Gelli war außerdem Mitglied des Malteserordens und des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Leben[Bearbeiten]

Während des Faschismus meldete sich Licio Gelli als Freiwilliger für die Schwarzhemden – eine Miliz, die von Mussolini nach Spanien geschickt wurde, um an der Seite Francos im Bürgerkrieg zu kämpfen. Später wurde Gelli Verbindungsoffizier der „Schwarzhemden“-Leitung zu Nazi-Deutschland mit Kontakten zu Hermann Göring.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Gelli vermutlich für die CIA. Diese These konnte aber bislang nicht bewiesen werden. Seine guten Kontakte zu den Amerikanern wurden allerdings dadurch deutlich, dass er als einziger Italiener den Festivitäten aus Anlass der Amtseinführungen der US-Präsidenten Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan beiwohnen durfte.

Gladio-Affäre[Bearbeiten]

Gellis mutmaßliche geheimdienstlichen Aktivitäten brachten ihm den Vorwurf ein, eine einflussreiche Rolle im Gladio-Projekt gespielt zu haben. Hierbei handelte es sich um eine Art zivile Geheimarmee, aufgebaut von der CIA und der NATO. Sie sollte im Falle einer kommunistischen Regierungsteilnahme in Italien oder anderen europäischen Ländern zu Guerillamethoden greifen. Die Affäre um die von Gladio verfolgte Strategie der Spannung wurde in Italien durch eine Reihe von Untersuchungskommissionen und Prozessen aufgearbeitet.

Flucht und Auslieferung[Bearbeiten]

Einer drohenden Verhaftung entzog sich Gelli durch die rechtzeitige Flucht nach Südamerika. Im Jahr 1981 entdeckte man bei einer Hausdurchsuchung seiner Villa in Arezzo eine Liste mit den Namen zahlreicher Militäroffiziere, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens, darunter namhafte Oberbürgermeister Italiens, die sich in der Geheimloge Propaganda Due engagierten. Darunter waren die Namen von über 900 Regierungsbeamten, Industriellen (u. a. der spätere Ministerpräsident Silvio Berlusconi), Journalisten und führenden Bankiers (wie Michele Sindona und Roberto Calvi) sowie das Oberhaupt des ehemaligen Königshauses Viktor Emanuel von Savoyen. Die Entdeckung der Liste führte zu einem nationalen Skandal, weil zahlreiche Ämter der italienischen Republik mit Gefolgsleuten Gellis besetzt waren.

Später wurde Gelli nach Italien ausgeliefert und wegen terroristischer Bombenanschläge vor Gericht gestellt, er wurde aber freigesprochen. Einige Jahre nach dem P2-Skandal wurde der Verdacht gegen Gelli geäußert, er sei in die mutmaßliche Ermordung des Mailänder Bankiers Roberto Calvi (auch bekannt als „Bankier Gottes“) verwickelt, der wegen des Zusammenbruchs seiner Banco Ambrosiano in Untersuchungshaft gesessen hatte und später dann erhängt an der Londoner Blackfriars Bridge gefunden worden war.

In den letzten Jahren widmete sich Gelli, der an einer Herzschwäche leidet, vermehrt der Schriftstellerei. Er lebte zuletzt in Arezzo, am 10. Oktober 2013 wurde seine dortige Villa von den Finanzbehörden aufgrund eines Steuerbetrugs beschlagnahmt.

Film[Bearbeiten]

  • Licio Gelli war offensichtlich Vorbild der Figur des Don Licio Lucchesi im Film Der Pate – Teil III von 1990.
  • Im Dezember 2007 unterzeichnete Licio Gelli einen Vertrag über die Rechte an seiner Biographie mit dem New Yorker Produzenten Gabor Harrach. Der Spielfilm mit dem Arbeitstitel „Conspirator“ ist in Vorbereitung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Blondiau, Heribert/Gümpel, Udo: Der Vatikan heiligt die Mittel: Mord am Bankier Gottes. Patmos, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-72417-1.
  • D’Alema, Giuseppe: Der aufhaltsame Aufstieg der Loge P2. Edition X, Reinheim 1984, ISBN 3-921-77405-5.
  • Silj, Allesandro: Verbrechen, Politik, Demokratie in Italien. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-11911-7.
  • Stille, Alexander: Die Richter: Der Tod, die Mafia und die italienische Republik. C.H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42303-5.
  • Yallop, David: Im Namen Gottes?: Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. Droemer Knaur, München 1984, ISBN 3-426-26160-X.
  • Yallop, David: The Power and the Glory: Inside the Dark Heart of John Paul II’s Vatican. Constable, London 2008, ISBN 1-845-29446-7.