Anselm L. Strauss

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Anselm Leonard Strauss (* 18. Dezember 1916 in New York City; † 5. September 1996 in San Francisco) war ein US-amerikanischer Soziologe.

Strauss, dessen Großeltern aus Deutschland in die USA ausgewandert waren, wuchs in Mount Vernon auf. Er studierte an der Universität von Virginia und erhielt seinen Ph.D. von der University of Chicago, wo ihn Herbert Blumer symbolischen Interaktionismus gelehrt hatte.

Strauss veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Medizinsoziologie. Zusammen mit Barney Glaser entwickelte er in den 1960er Jahren den Ansatz der Grounded Theory.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten]

Strauss, ein Schüler von Herbert Blumer an der Chicagoer Schule und Mitarbeiter von Everett C. Hughes, veröffentlichte bereits früh Arbeiten zur Sozialpsychologie in der Tradition von George Herbert Mead. In den 1960er Jahren wurde er mit seinen empirischen Krankenhausstudien zu Tod und Sterben international als Medizinsoziologe bekannt und entwickelte zugleich gemeinsam mit B. Glaser den Forschungsstil der Grounded Theory in der interpretativen Sozialforschung.

Strauss’ wichtigster Beitrag zur Entwicklung der interaktionistischen Sozialtheorie besteht in der Überwindung der auf Blumer zurückgehenden sozialpsychologischen Verengung des Interaktionismus. Indem er auf im Symbolischen Interaktionismus nur unzureichend rezipierte Elemente pragmatistischer Sozialphilosophie und Epistemologie (Charles S. Peirce, John Dewey, William James, George Herbert Mead) zurückgreift, kommt er zu einer stärkeren Betonung von Perspektivität und Prozesshaftigkeit von Sozialität und bezieht dabei auch die Materialität von Körper und Umwelt explizit mit ein. Unter dem Einfluss der arbeits- und organisationssoziologischen Perspektive Hughes’ öffnete Strauss den Interaktionismus zudem stärker für strukturelle Aspekte von Gesellschaftlichkeit. Seine sukzessive auf der Basis einer Vielzahl empirischer Studien entwickelte und erst 1993 zusammenhängend ausformulierte interaktionistische Handlungstheorie basiert auf dem Grundgedanken der Hervorbringung gesellschaftlicher Strukturen in fortgesetzten Aushandlungsprozessen (negotiated order, processual ordering) zwischen Akteuren als Repräsentanten sozialer Welten (Theorie sozialer Welten). Dieser Ansatz erweist sich als besonders anschlussfähig für die Wissenschafts- und Technikforschung, die Organisationssoziologie sowie die Medizin-, Gesundheits- und Sozialarbeitsforschung.

Lebenslauf[Bearbeiten]

  • 1939 BS (Biologie) Univ. of Virginia
  • 1942 MA (Soziologie)
  • 1945 PhD University of Chicago
  • 1946 Ass. Prof. Dep. of Sociology Indiana Univ.
  • 1952 Ass. Prof. Dep. of Soc. Univ. of Chicago
  • 1958 Director of Research am Michael Reese Hospital Chicago
  • 1960 Prof. Dep. of Social and Behavioral Sciences, Univ. of Calif. San Francisco
  • 1987 Prof. emerit. ebd.; zahlr. Gastprofessuren, u. a. Konstanz, Cambridge (Engl.), Paris, Frankfurt a. M., Tokio.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Social Psychology (m. Alfred Lindesmith), 1956 (dt.: Symbolische Bedingungen der Sozialisation, 1974)
  • Mirrors and masks, 1959 (dt.: Spiegel und Masken, 1968)
  • Awareness of Dying (m. Barney Glaser), 1965
  • The Discovery of Grounded Theory (m. Barney Glaser), 1967 (dt.: Grounded Theory. Strategien qualitativer Forschung, 1998)
  • Time for Dying (m. Barney Glaser), 1968
  • Negotiations: Varieties, Processes, Contexts, and Social Order, 1978
  • The Social Organization of Medical Work (m. Anderen), 1985
  • Qualitative Analysis for Social Scientists, 1987 (dt.: Grundlagen qualitativer Sozialforschung: Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung, 1991)
  • Basics of Qualitative Research: Grounded Theory Procedures and Techniques (m. Juliet Corbin), 1990 (dt.: Grounded Theory. Grundlagen Qualitativer Sozialforschung, 1996)
  • Continual Permutations of Action, 1993

Literatur[Bearbeiten]

  • Heiner Legewie/Barbara Schervier-Legewie, Person, Wissenschaft und Geschlechterverhältnis. Anselm Strauss im Gespräch, J. f. Psychologie 3. (1995)
  • J. Strübing, Anselm Strauss, Konstanz (ersch. 2006).
  • Legewie, Heiner & Schervier-Legewie, Barbara (September 2004). "Forschung ist harte Arbeit, es ist immer ein Stück Leiden damit verbunden. Deshalb muss es auf der anderen Seite Spaß machen". Anselm Strauss interviewed by Heiner Legewie and Barbara Schervier-Legewie. Forum: Qualitative Social Research On-line Journal, Volume 5 (No. 3), Art. 22. Interview as MP3 audio (english) / deutsche Übersetzung des Interviews

Weblinks[Bearbeiten]