Apostolische Pönitentiarie

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Basisdaten
Name: Apostolische Pönitentiarie
(lat. Sacra Paenitentiaria)
Bußgerichtshof
zuständig für Absolutionen, Dispense, Gnadenerweise
Sitz: Palazzo della Cancelleria
Piazza della Cancelleria, 1
00186 Roma
Großpönitentiar: Mauro Kardinal Piacenza
(seit 2013)
Regens: Krzysztof Józef Nykiel
(seit 26. Juni 2012)

Die Apostolische Pönitentiarie (lat.: Sacra Paenitentiaria) zählt zu den drei obersten Gerichtshöfen der katholischen Kirche neben der Rota Romana und der Apostolischen Signatur. Sie ist jedoch kein Kirchengericht, sondern ein kurialer Gnadenhof für den sakramentalen wie nichtsakramentalen Gewissensbereich, und damit praktisch eine päpstliche Verwaltungsbehörde.

Das Aufgabengebiet der Apostolischen Pönitentiarie umfasst die Gewährung von Gnadenerweisen, das Ablasswesen (soweit es nicht in die Kompetenz der Glaubenskongregation fällt), Absolutionen, Dispensen, Nachlass von Strafen, Umwandlung von Verpflichtungen und Ähnliches.

Die Apostolische Pönitentiarie ist, wie alle kurialen Behörden, dem Papst unterstellt. An der Spitze der Apostolischen Pönitentiarie steht der Kardinalgroßpönitentiar. Dieser wird unterstützt von einem Regens und fünf anderen Prälaten mit beratender Funktion.

Derzeitiger Großpönitentiar ist Mauro Kardinal Piacenza.

In der 2012 erschienenen Schrift von Carlos Encina Commentz Wann und wie man sich an die Apostolische Pönitentiarie wendet erfährt man mehr über die Arbeit der Apostolischen Pönitentiarie, die selbst in der Kirche nur wenig bekannt ist. Der Hauptgrund dafür liegt im Wesen ihrer Tätigkeit selbst, die aus Fällen des forum internum besteht und daher mit dem Sakrament der Versöhnung zusammenhängt. Die Kompetenzen der Apostolischen Pönitentiarie betreffen ausschließlich das Forum internum, d. h. die innere Beziehung zwischen Gott und dem Gläubigen. Sie gewährt Lossprechungen, Dispensen, Gnaden, Heilungen (Sanationes) und Umwandlungen.

Die Zuständigkeiten nach Bereichen geordnet:

1. Lossprechung (Absolution) von kirchenrechtlichen Straftaten, die dem Gericht der Apostolischen Pöintentiarie vorbehalten sind:

  • Verunehrung der eucharistischen Gestalten (vgl. can. 1367 CIC)
  • Direkte Verletzung des Beichtgeheimnisses (vgl. can. 1388 § 1 CIC)
  • Lossprechung eines Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste der Zehn Gebote (vgl. can. 1378 CIC)
  • Anwendung physischer Gewalt gegen die Person des Papstes (vgl. can. 1370 § 1 CIC)
  • Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag (vgl. can. 1382 CIC)

Diese Straftaten werden mit der Exkommunikation (latae sententae) bestraft, d. h. allein dadurch, dass die betreffende Straftat begangen wurde, tritt die Exkommunikation ein.

2. Dispens von Weihehindernissen, den sog. Irrgeularitäten: Irregularitäten sind kirchenrechtliche Verbote von dauerhafter Natur, die vom Empfang der heiligen Weihen ausschließt oder die Ausübung empfangener Weihen unerlaubt macht. Dispensiert wird ggf. von Irregularitäten, die nicht öffentlich bekannt sind.

Einige der Weihehindernisse, die der Apostolischen Pönitentiarie vorbehalten sind:
  • Vorsätzliche Tötung eines Menschen oder die positive Mitwirkung dabei.
  • Vollendete Abtreibung oder die positive Mitwirkung dabei.

3. Heilungen in der Wurzel (sanatio in radice) von ungültig geschlossenen Ehen. Heilungen dieser Art liegen in der Kompetenz der Diözesanbischöfe. Aus gerechtem Grund kann auch die Apostolischen Pönitentiarie angegangen werden.

4. Umwandlung von Messverpflichtungen (Messstipendien): Die Apostolischen Pönitentiarie kann die Reduktion von Messverpflichtungen einzelner Priester (nicht aber von Institutionen) reduzieren. Wenn also ein Priester nicht in der Lage ist, die Zahl der Messen zu feiern, für die er Intentionen angenommen hat, kann er durch seinen Beichtvater bei der Apostolischen Pönitentiarie um eine zahlenmäßige Reduktion der Messverpflichtungen bitten.

5. Gewährung von Ablässen: Die Apostolischen Pönitentiarie ist seitens der Römischen Kurie zuständig für die Gewährung von Ablässen (Indulgentia).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]