Appendektomie

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Eine laufende Appendektomie
Eine entzündete Appendix

Die Appendektomie ist die operative Entfernung der Appendix vermiformis, des Wurmfortsatzes am Blinddarm. „Blinddarmentzündung“ und „Blinddarmentfernung“ sind verbreitete, aber falsche Bezeichnungen; denn sie betreffen den Anfang des Colons.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Appendektomie gelang Claudius Amyand, dem Chirurgen von Georg II. in London eher zufällig bei einem elfjährigen Jungen.[1] Sie erfolgte 1735 am St. George’s Hospital in London. 1961 appendektomierte Leonid Rogosow sich selbst.

Indikation[Bearbeiten]

Der klinische Verdacht auf akute Appendizitis ist die häufigste und dringlichste Indikation zur Appendektomie. Rezidivierende, untypische rechtsseitige Unterbauchbeschwerden führen nach Ausschluss einer anderen Erkrankung (Salpingitis, Zystitis etc.) ebenfalls zu einer Appendektomie-Indikation. Tumoröse Veränderungen (Appendix-Karzinoid) sind oft symptomfrei und fallen bei Laparotomien oder Laparoskopien aus anderen Gründen auf. Sie stellen dann ebenfalls eine Indikation zur Appendektomie dar. Die prophylaktische Appendektomie z. B. vor längeren Aufenthalten in medizinisch unterversorgten Gebieten wird kontrovers diskutiert, aber dennoch gelegentlich ausgeführt.

Operationsprinzip[Bearbeiten]

Die Blutversorgung der Appendix vermiformis über das sogenannte Mesoappendix (früher Mesenteriolum) wird durch Unterbindung oder Elektrokoagulation unterbrochen und durchtrennt. Die Appendix wird dann an der Basis, das heißt am Übergang von der Appendix zum Blinddarm (Caecum) unterbunden und abgesetzt. Die Unterbindung erfolgt beim konventionellen Verfahren mittels resorbierbarem Faden, beim laparoskopischen Vorgehen wird dieser als sogenannte „Röder-Schlinge“ eingesetzt, alternativ kommt hier auch die Anwendung eines Staplers in Frage. Der Stumpf kann durch eine sogenannte Tabaksbeutelnaht in das Caecum eingestülpt oder nach Desinfektion belassen werden. Bei hochgradig entzündlichen Befunden wird eine Zieldrainage eingebracht.

Zugangswege[Bearbeiten]

Der Zugang erfolgt über Laparotomie oder Laparoskopie. Man spricht daher von konventioneller und laparoskopischer Appendektomie. Letztere wurde am 13. September 1980 weltweit erstmals an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durch den Gynäkologen Kurt Semm durchgeführt.[2][3] Noch 1981 forderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie nach einem Vortrag über die laparoskopische Appendektomie in einem Brief an den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kurt Semm die Approbation zu entziehen. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung über die laparoskopische Appendektomie im American Journal of Obstetrics and Gynecology wurde mit der Begründung, die Technik sei unethisch, abgelehnt.[4]

Konventioneller Zugang[Bearbeiten]

Typisch:

  • Wechselschnitt nach McBurney: Kurzer Schrägschnitt am rechten Unterbauch, Eröffnen der Faszie, die Fasern der Bauchmuskulatur (M. rectus abdominis, M. obliquus externus abdominis, M. obliquus internus abdominis) werden in ihrem Verlauf auseinandergedrängt, Darstellen und Eröffnen des Bauchfells. Wurde im Volksmund auch „Bikinischnitt“ genannt.
  • Pararectalschnitt: wie oben, allerdings wird an der seitlichen Begrenzung des M. rectus abdominis eingegangen.
  • Transrectalschnitt: Längsschnitt am rechten Unterbauch, Längsspaltung des M. rectus abdominis. Dieser Schnitt wird bei adipösen Patienten oder höchst akuten / unklaren Befunden bevorzugt, da er sich nach Belieben verlängern lässt.

Atypisch:

  • Unterbauch-Mittelschnitt (mediale Laparotomie): Bei unklarer Diagnose oder großer Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Verwachsungen.

Laparoskopischer Zugang[Bearbeiten]

Der Zugang für die Optik wird üblicherweise knapp unterhalb des Nabels mit einem ca. 10 mm langen Hautschnitt angelegt. Zwei Arbeitszugänge (5 mm und 10 mm) werden am Unterbauch an der oberen Grenze der Schambehaarung angelegt.

Risiken und Komplikationen[Bearbeiten]

Adhaesionen nach Appendektomie

Typische Komplikationen und damit Risiken der Appendektomie sind: Insuffizienz des Appendix-Stumpfes (also das Nichthalten der Naht) mit nachfolgendem Abszess oder gar eitriger Bauchfellentzündung (Peritonitis); Wundinfektion (vor allem bei Perforation der Appendix durch intraoperative Verschleppung von Erregern in die Bauchdecken), Verwachsungen, gelegentlich mit der Folge eines Darmverschlusses (Ileus), (Nach-)Blutung, Verletzung von Darm, Harnleiter oder anderen Nachbarorganen, Narbenbruch.

Vergleich konventionelles/laparoskopisches Verfahren[Bearbeiten]

Vorteile des laparoskopischen Verfahrens[Bearbeiten]

  • Kosmetisch mäßig überlegen
  • Möglichkeit der Diagnostik des gesamten Abdomens, vor allem Absicherung der Differentialdiagnose Salpingitis, Ovarialzyste
  • Geringere Rate an Wundheilungsstörungen
  • Schnellere Rekonvaleszenz
  • Selteneres Auftreten von Narbenhernien (Narbenbrüchen)

Vorteile des konventionellen Verfahrens[Bearbeiten]

  • Geringerer apparativer Bedarf
  • Einfachere Möglichkeit der Eingriffserweiterung

Die Kosten der beiden Verfahren unterscheiden sich – bei Einsatz der Röder-Schlinge (laparoskopisch) – nur marginal; das laparoskopische Instrumentarium ist in jeder Klinik im deutschsprachigen Raum vorhanden.

Teure Appendektomie[Bearbeiten]

1959 überführte die Bundesmarine die Landungsboote der LSM-1/LSM(R)-Klasse, die die United States Navy Deutschland für den Aufbau der Marine überlassen hatte. Im Nordatlantik auf Höhe der Azoren erkrankte ein Obergefreiter an Appendicitis. Auf dem Führungsschiff, dem Landungsboot NATTER, war ein Oberstabsarzt F. eingeschifft. Er hatte keinen Doktortitel und hieß mit Vornamen Dieter; deshalb unterschrieb er stets mit „Dr. F.“. Vor seiner Zeit als Sanitätsoffizier war er bei der Berliner Gesundheitsbehörde für die Untersuchung der Prostituierten zuständig gewesen. Als die Symptome akut wurden, bot er sich an, den Obergefreiten zu operieren. Da der Seegang inzwischen zugenommen hatte und Stampfen bei der Operation zu vermeiden war, ging das gesamte Geschwader auf einen Kurs vor die See. Der Arzt holte sich den Sanitätsobermaaten und einen Sanitätsgefreiten als Unterstützung an Bord. Nach einer halben Stunde erschien F. (schweißnass) auf der Brücke und erklärte, dass er sich eine solche Operation nicht zutraue. Daraufhin wurde aus Portugal ein Chirurg angefordert. Mit einem Wasserflugzeug landete er neben der NATTER. Bei der Wasserung brachen die Stützschwimmer des Flugzeugs. Mit dem Piloten an Bord gebracht, operierte der Arzt den Obergefreiten. Da das Wasserflugzeug als Wrack in der See trieb und ein Schifffahrtshindernis darstellte, wurde es mit den Bordgeschützen versenkt. Die Rechnung an die Deutsche Botschaft in Lissabon für das Flugzeug soll sich auf 3 Mio. Deutsche Mark belaufen haben.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Appendektomie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Appendektomie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag Claudius Amyand in The Twickenham Museum
  2. Kurt Semm : Endoscopic appendectomy. Endoscopy 15 (1983), 59-64, PMID 6221925
  3. Technical surgical steps of endoscopic appendectomy. Langenbecks Arch Chir 376 (1991), 121-6, PMID 1829131
  4. Liselotte Mettler: Obituary: Kurt Karl Stephan Semm, 1927–2003. ISGE News 10 (2003)
  5. Kapitän zur See a. D. Dieter Stockfisch, Marineforum.
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