Ate (Mythologie)

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Ate (griechisch Ἄτη „Verblendung“) verkörpert in der griechischen Mythologie die Verblendung. Nach Hesiod[1] ist Ate eine Tochter von Eris, der Göttin der Zwietracht und Enkelin der Nyx, dort zusammen mit ihrer Schwester Dysnomia („Ungesetzlichkeit“) genannt.

Bei Homer ist sie die Tochter des Zeus. Sie stürzt Menschen und Götter in ihr Verderben, indem sie ihre Opfer betört und verblendet und dadurch zu unüberlegten, leidenschaftlichen Handlungen verführt. An einer Stelle beklagt Agamemnon, dass er sich verleiten ließ, Achilleus zu beleidigen. Es sei aber Ate gewesen, die ihn so handeln ließ, das aber sei nicht unehrenhaft, da selbst Zeus einmal zum Opfer der Ate geworden sei, als er vor seiner Gattin Hera mit dem zukünftigen Schicksal des Herakles prahlte, der an jenem Tag von seiner Geliebten Alkmene geboren werden sollte: das Kind solle einst Beherrscher aller Griechen im Umkreis werden, so beschwor er, von Ate verleitet, mit einem mächtigen Eid. Hera aber verzögerte Herakles' Geburt, wodurch Eurystheus statt Herakles geboren und Herakles dadurch dessen Untertan wurde. Zeus war darauf voller Zorn und Gram über das Schicksal des Sohnes und verbannte Ate für immer aus dem Olymp.[2]

Diese Verblendung rührt aber nicht von ungefähr, sondern ist die Folge (menschlicher) Schuld, insofern ähnelt Ate in ihrer tragischen Rolle (z. B. bei Aeschylos) der Nemesis. An einer anderen Stelle der Ilias wird Ate den Litai gegenübergestellt. Die Litai verkörpern die Abbitte und die Gebete des reuigen Sünders und auch sie sind Töchter des Zeus. Zwar kann fromme Buße auch den Sinn der Götter ändern, aber während Ate leichtfüßig über die Köpfe der Menschen voranspringt, folgen die Litai nur langsam und zögernd den Spuren der Sünde.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig von Sybel: Ate 1. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 668 f. (Digitalisat).
  • W. Havers: Zur Semiasologie von griech. ἄτη. In: Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung Nr. 43 (1910), S. 225ff.
  • William Frank Wyatt: Homeric „ate“. In: American Journal of Philology 103 (1982), S. 247-276
  • Hanna M. Roisman: Hesiod's „ate“. In: Hermes 111 (1983), S. 491-496
  • Sofia Souli: Griechische Mythologie. Verlag Michalis Toubis S.A., Athen 1995, ISBN 9607504275, S. 60

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hesiod Theogonie 230ff.
  2. Homer Ilias 19, 85-138.
  3. Homer Ilias 9, 498-512.