Herakles

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Herakles (Begriffsklärung) aufgeführt.
Detail der Statue des Herakles von 1856 in der Orangerie Schwerin

Herakles oder Herkules (griechisch Ἡρακλῆς, sinngemäß „der sich an Hera Ruhm erwarb“; lateinisch Hercules) ist ein für seine Stärke berühmter griechischer Heros, dem göttliche Ehren zukamen und der in den Olymp aufgenommen wurde. Er war Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Gymnasia (Sportstätten) und Paläste. Er war ein Schützling der Athene (Schutzgöttin von Athen).

Seine Attribute sind das Fell des Nemëischen Löwen, Keule, Bogen und Köcher.

Um Herakles ranken sich diverse Sagen. Demnach war er der Sohn des Zeus und der Alkmene, Zwillingsbruder des Iphikles, erster Gatte der Megara, zweiter Gatte der Omphale, Gatte der Deianeira und der Auge und nach seinem Tode Gatte der Göttin Hebe, außerdem Geliebter der Iole und des Abderos und Vater zahlreicher Kinder. Herakles war Vetter und Freund des Oionos, Urgroßvater des Hippotes und des Deiphontes und Vorfahre des Polyphontes. Sein Ziehvater ist Amphitryon. Über die Genealogie seiner Mutter gehört er zum Geschlecht der Perseiden.

Leben des Herakles

Geburt

Herakles mit einer Schlange, Werk aus dem 2. Jahrhundert in den Kapitolinischen Museen in Rom
Jacopo Tintoretto: Die Entstehung der Milchstraße, um 1575

Zeus verliebte sich einst in die schöne Alkmene. Ihr Gemahl Amphitryon war aus Mykene geflohen, da er seinen Onkel und Schwiegervater Elektryon erschlagen hatte. Daraufhin kam Zeus zu Alkmene in Gestalt ihres Ehemannes und zeugte mit ihr Herakles. Als Amphitryon von seiner Reise zurückkehrte, kam der Betrug zutage. Er verzieh seiner unwissenden Frau und zeugte mit ihr Iphikles, Herakles’ Zwillingsbruder. Alkmene gebar also zwei Söhne – Herakles, Spross eines Gottes und einer Sterblichen, und Iphikles, Nachkomme zweier Sterblicher. So wurde Herakles in Theben geboren.[1] Hera, die Gemahlin des Zeus, wurde aus Eifersucht zur lebenslangen Verfolgerin des Herakles. Als die Geburt von Herakles und seinem Zwillings-Halbbruder Iphikles bevorstand, verkündete Zeus, dass das erstgeborene Kind aus dem Hause des Perseus der Herr über Mykene werden solle. Darum hatte Hera ihn gebeten, um ihn überlisten zu können. Sie verzögerte die Wehen von Alkmene, so dass zuerst Eurystheus, Sohn des Sthenelus, eines Onkels Amphitryons, zur Welt kam und erst dann Herakles, der somit diesem untertan war.

Alkmene setzte den Säugling aus Angst vor Heras Rache aus. Seine Halbschwester Athene, die später als Schutzgöttin eine wichtige Rolle spielte, nahm ihn und brachte ihn zu Hera. Diese erkannte Herakles nicht und säugte ihn aus Mitleid. Dabei sog Herakles jedoch so stark, dass er Hera Schmerzen zufügte und diese ihn von sich stieß. Die Milch spritzte über den Himmel und bildete dort die Milchstraße. Doch mit der göttlichen Milch erhielt Herakles übernatürliche Kräfte. Athene brachte das Kind zu seiner Mutter zurück und Herakles wuchs fortan bei seinen Eltern auf. Er war gerade acht Monate alt, als Hera zwei riesige Schlangen in das Gemach der Kinder schickte. Iphikles weinte vor Angst, doch da ergriff sein Bruder die beiden Schlangen und erwürgte sie. Der Seher Teiresias, den der erstaunte Amphitryon kommen ließ, prophezeite dem Kind eine ungewöhnliche Zukunft. Zahlreiche Ungetüme werde er besiegen.

Die Arbeiten (ἔργα / πόνοι)

Statue der altiranischen Gottheit Verethragna als Herakles, Bistun bei Kermānschāh, Iran

Herakles wurde in den Künsten des Wagenlenkens, Bogenschießens, Fechtens, im Faustkampf und Ringen unterrichtet. Auch wurde ihm der Gesang und das Spielen auf der Leier beigebracht. Er war zwar sehr gelehrig, doch lebenslang bis zum Wahnsinn jähzornig. So erschlug er seinen Musiklehrer Linos mit der Leier, als dieser ihn zu Unrecht tadelte. Sein Pflegevater König Amphitryon schickte ihn daraufhin, wohl aus Furcht vor seiner ungebändigten Kraft, auf den Kithairon zu seinen Rinderherden. Hier wuchs er unter den Hirten zu einem Jüngling heran.

In diese Zeit verlegt der Sophist Prodikos[2] die sinnreiche Fabel von „Herakles am Scheideweg“. Der junge Herakles begegnet an einer Weggabel zwei Frauen. Die eine trägt kostbare Gewänder und verspricht ihm ein Leben voll Genuss und Reichtum. Die andere, schlicht gekleidet, warnt ihn dagegen: „Von dem Guten und wahrhaft Schönen geben die Götter den Menschen nichts ohne Mühe und Fleiß.“ Im Streitgespräch debattieren die beiden Frauen, die die Glückseligkeit (Εὐδαιμονία eudaimonia) und die Tugend (ἀρετή Arete) darstellen, die Vorzüge und Nachteile der zwei Lebenswege. Herakles entscheidet sich schließlich, der Tugend zu folgen.

Aus jener Zeit des Hirtenlebens berichtet Apollodor noch folgendes Abenteuer:

Herkules und der Nemëische Löwe, Vase von 500–475 v. Chr., Louvre
Auf dem Kithäron, an welchem die Herden des Amphitryon und des Thespios weideten, hauste ein Löwe, den Herakles zu bekämpfen unternahm. Thespios gab dem jungen Helden hierfür 50 Tage hindurch jede Nacht je eine seiner 50 Töchter zur Umarmung, von denen darauf 50 Söhne geboren wurden. Nach langem Kampf erlegte sodann Herakles den Löwen und trug seitdem dessen Haut statt seines gewöhnlichen Gewandes, hinzu kam später noch die einem Ölbaum bei Nemea entnommene Keule. Sein römischer Beiname Claviger lässt sich aus dieser Episode ableiten.

Bei seiner Rückkehr nach Theben begegnete Herakles den Gesandten des orchomenischen Königs Erginos, welche einen den Thebanern abgerungenen Tribut von 100 Ochsen holen wollten. Herakles schnitt ihnen Nasen und Ohren ab, schickte sie gefesselt nach Hause und zwang in dem darauffolgenden Krieg die Orchomenier, den empfangenen Tribut doppelt zurückzuerstatten. Es kam zur Schlacht zwischen den Minyern und den Thebanern, die Herakles mit außerordentlichen Taten für Theben gewann. Schnell verbreitete sich der Ruhm seiner Taten. Kreon, der König von Theben, gab ihm zum Lohn seine Tochter Megara zur Frau, mit der er drei Söhne zeugte.

Dann rief Eurystheus, der zuerst Geborene, ihn in seine Dienste, doch Herakles verweigerte die Dienstbarkeit. Da überzog die rachsüchtige Hera ihn mit Wahnsinn. Darin verfangen erschlug Herakles seine Frau Megara und seine mit ihr gezeugten drei Kinder. (Hiermit ist der Kult des phönikischen Sonnengottes, der mit Kinderopfern versöhnt wird, hinreichend bezeichnet.)

Als der Anfall von ihm gewichen war und er seine schreckliche Tat vor Augen sah, ergriff ihn tiefe Bekümmernis. Schließlich fragte er das Orakel von Delphi um Rat. Da antwortete die Pythia: „Entsühnung für deine schreckliche Mordtat erlangst du nur, wenn du dich zwölf Jahre in den Dienst des Eurystheus stellst und die von ihm geforderten Taten erfüllst.“ In jenem Orakel soll er das erste Mal Herakles genannt worden sein, als der Held, welcher durch die Verfolgungen der Hera Ruhm erlange, während er bisher nach Amphitryons Vater Alkaios Alkaeos oder der Alkide geheißen hatte. Herakles tat, wie ihn das Orakel geheißen hatte. Bewaffnet mit einer Keule, die er selbst geschnitzt hatte, einem von Hermes geschenkten Schwert sowie Pfeil und Bogen, die er von Apollon erhalten hatte, ging er nach Argos zu König Eurystheus. Dieser gab ihm insgesamt zwölf Aufgaben, die Arbeiten des Herakles, die er allesamt bewältigte.

Die „zwölf Arbeiten“ des Herakles
Bild Nr. Tat Anmerkungen
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 01.jpg 1. Erlegung des Nemëischen Löwen Er schnürte ihm die Kehle zu, bis der Löwe erstickte. Dessen Fell trug er von nun an – es machte ihn nahezu unverwundbar.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 02.jpg 2. Tötung der neunköpfigen Hydra (Lernäischen Schlange) Er brannte jeden der enthaupteten Hälse aus, sodass keine neuen Köpfe mehr nachwachsen konnten. Den Rumpf der Hydra spaltete er in zwei Teile; in ihr Gift tauchte er seine Pfeile, die seitdem unheilbare, tödliche Wunden schlugen.
Herakles Ceryneian Hind Louvre F 234bis.jpg 3. Einfangen der Kerynitischen Hirschkuh Er jagte sie ein ganzes Jahr lang, bis er sie endlich einfing – entweder mit einem Netz, das er über die schlafende Hindin warf, oder indem er ihre beiden Vorderläufe mit einem Pfeil durchschoss und sie somit fesselte.
Berlin-tiergarten luetzowplatz herkules 20050506 p1030068.jpg 4. Einfangen des Erymanthischen Ebers Er trieb ihn aus dem Wald in ein Schneefeld hinein. Der Eber ermüdete rasch.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 05.jpg 5. Ausmisten der Rinderställe des Augias Da dies eine entehrende Arbeit war, musste Herakles hier einen besonderen Weg wählen, nämlich zwei nahegelegene Flüsse (Alpheios und Peneios) durch den Stall leiten.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 06.jpg 6. Vertreibung der Stymphalischen Vögel Er bekam von Athene zwei große metallene Klappern. Mit deren Hilfe konnte er die Vögel aufscheuchen und einzeln mit seinen vergifteten Pfeilen töten.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 07.jpg 7. Einfangen des Kretischen Stiers Herakles bändigte den Stier und brachte ihn zu Eurystheus, zeigte ihn ihm und ließ den Stier sogleich frei.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 08.jpg 8. Zähmung der menschenfressenden Rosse des Diomedes Er warf ihnen zuerst Diomedes selbst zum Fraß vor. Nachdem sie ihren Gebieter aufgefressen hatten, konnte Herakles sie gezähmt in Richtung Meer führen.
Herakles Amazons Louvre F218.jpg 9. Herbeischaffung des Wehrgehänges der Amazonenkönigin Hippolyte Hippolyte übergab ihm den Gürtel freiwillig. Aufgrund einer Intrige durch Hera kam es schließlich doch zum Kampf, Herakles tötete Hippolyte und kehrte nach Griechenland zurück.
Heracles Geryon Louvre F55.jpg 10. Raub der Rinderherde des Riesen Geryon Geryon forderte Herakles zum Kampf heraus. Herakles tötete ihn mit einem Giftpfeil. Hera, die zur Unterstützung des Geryon gekommen war, wurde von Herakles ebenfalls verwundet und in die Flucht geschlagen.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 11.jpg 11. Pflücken der goldenen Äpfel der Hesperiden Dafür musste er bis zu den Säulen des Herakles auf Gibraltar. Durch eine List bewog er Atlas, den Vater der Hesperiden, ihm die Äpfel zu pflücken.
Mosaico Trabajos Hércules (M.A.N. Madrid) 12.jpg 12. Heraufbringen des Wachhundes der Unterwelt, Kerberos, an die Oberwelt Hades erlaubt Herakles, den Höllenhund zeitweise aus der Hölle zu entfernen. Herakles ringt ihn ohne Waffen nieder und bringt ihn zu Eurystheus.

Der in sich abgeschlossene Kreis der Darstellungen der zwölf Arbeiten ist beeinflusst durch den Kultus des phönikischen Melkart, der die feindlichen Zeichen des Tierkreises zu überwinden hat. Das Motiv der zu bewältigenden Aufgaben findet sich als ältestes bekanntes dichterisches Werk bei Peisandros von Kameiros (um 650 v. Chr.). In verschiedenen Überlieferungen und Aufzeichnungen des Herakles-Mythos ist die Zusammensetzung und Reihenfolge teilweise unterschiedlich angegeben.

Eine weitere Erzählung stellt dar, wie Herakles als Buße für seinen Jähzorn der lydischen Königin Omphale drei Jahre als Sklave diente. In diese Zeit der Knechtschaft verlegt Apollodor die Teilnahme des Herakles am Argonautenzug gemeinsam mit seinem Freund Hylas, ebenfalls die Sage um die Jagd des Kalydonischen Ebers sowie die Bestrafung des Syleus, Lytierses und der Kerkopen.

Herakles’ Kampf gegen Troja

Herakles musste gegen zahlreiche Kontrahenten bestehen, welche sich ihm bei seinen Reisen zu den zwölf aufgetragenen Missionen des Eurystheus in den Weg stellten. Diese Auseinandersetzungen standen nicht in direkter Verbindung mit den Aufgaben des Eurystheus; dennoch musste Herakles diese meistern, um seine Reise fortsetzen zu können. So kam es, dass der Heros gegen Kentauren und den Staat der Amazonen zu kämpfen hatte und sogar Jason beim Zug der Argonauten unterstützte. Als er von seiner Reise zum goldenen Vlies zurückkehrte, kam ihm zu Ohren, dass Laomedon, der König Trojas, seine unsterblichen Pferde demjenigen versprach, der seine Tochter Hesione retten würde. Ein Jahr zuvor bestrafte Zeus die Götter Poseidon und Apollon wegen einer Dreistigkeit. So kam es, dass der Gott über die Meere und der Gott der Musik ein ganzes Jahr lang Laomedon dienen mussten. Poseidon errichtete die als unüberwindbar geltenden Mauern Trojas, und Apollon hütete die beachtlichen Herden des Königs. Nachdem das Jahr der Buße vorbei war, verlangten die beiden Götter ihren Lohn von Laomedon, der ihnen aber die Entlohnung verweigerte. Apollon und Poseidon schworen Rache an Troja und Laomedon. Der Gott der Musik brachte die Pest über die Bewohner der Stadt, und Poseidon entsandte ein Meeresmonster, das sie terrorisierte. In ihrer Verzweiflung wandten sich die Bewohner an das Orakel von Delphi, das ihnen prophezeite, dass nur die Opferung der Hesione die Flüche der Götter aufheben könnten. Herakles gelang es aber, die Hesione zu retten, indem er das Meerungeheuer erschlug. Der König brach auch das Versprechen an Herakles, ihm die Pferde des Zeus zu überreichen. Herakles zog stillschweigend von dannen, doch insgeheim wusste er, dass sein Tag der Rache schon bald kommen würde. Als Herakles von seinem Sieg über die Amazonen aus Themiskyra zurückkehrte, wohin ihn eine der Aufgaben des Eurystheus befohlen hatte, war der Tag der Vergeltung gekommen. Mit seinen Gefährten drang Herakles gewaltsam in Troja ein, töte König Laomedon und löschte seine ganze Familie – bis auf die Tochter Hesione und den jüngsten Sohn Priamos – aus. Priamos nahm Jahre später seines Vaters Thron ein.

Herakles’ Ende

Nessos-Amphora (ca. 620–610 v. Chr.): Herakles kämpft mit dem Kentauren Nessos. Aus einem Grab in der Piräus-Straße, Athen. Nationales Archäologiemuseum, Athen

Herakles heiratete seine zweite Frau, die Königstochter Deïaneira. Eines Tages mussten beide einen Fluss überqueren, der Hochwasser führte. Der Kentaur Nessos erbot sich, die junge Frau trockenen Fußes auf seinem Rücken hinüberzutragen, galoppierte aber dann mit ihr davon. Herakles schoss ihm einen seiner tödlichen Pfeile nach. Als der getroffene Nessos im Sterben lag, gab er der Frau einen tückischen Rat: „Fange ein wenig von meinem Blut auf und bewahre es. Wenn du fürchtest, die Liebe des Herakles zu verlieren, tränke damit sein Gewand, und er wird nie wieder eine andere Frau als dich ansehen.“ Sein Blut aber war durch den Todespfeil vergiftet.

Jahre später wandte sich Herakles der erbeuteten schönen Iole zu. Da ließ ihm die eifersüchtige Deïaneira das von ihr blutgetränkte Untergewand (das als „Nessoshemd“ oder „Lichashemd“ zur stehenden Redensart geworden ist) durch den Diener Lichas überbringen, der nicht ahnte, dass er seinem Herrn durch diesen Dienst schaden würde. Nachdem Herakles es übergeworfen hatte, befielen den Helden entsetzliche Schmerzen. Er versuchte, das Hemd abzulegen, doch es hatte sich fest mit seiner Haut verbunden, sodass er zugleich sein Fleisch mit abriss. Deïaneira tötete sich aus Verzweiflung. Um seinen unerträglichen Qualen ein Ende zu bereiten, schichtete Herakles auf dem Berg Oite einen Scheiterhaufen und ließ sich durch Philoktetes darauf lebend verbrennen. Der Berg Oite war durch das Orakel von Delphi einst für das Ende des Herakles verkündet worden. Zudem traf die Prophezeiung ein, dass er durch jemanden sterben sollte, der selbst nicht mehr am Leben war. Doch wurde er aus den Flammen zum Olymp entrückt, dort erlangte er die Unsterblichkeit. Seine Qualen endlich begütigten Hera, und Herakles wurde mit ihrer Tochter Hebe, der Göttin der Jugend, vermählt.

Römische Mythologie und Kult

Herkulestempel in Rom

Sein Kult verbreitete sich um das Mittelmeer. Die Römer verehrten Herakles unter dem lateinischen Namen Hercules (der aus dem etruskischen Hercle und dem griechischen Namen per Synkope entstanden ist), wie die Griechen als Gott. Dieser unterscheidet sich jedoch in einer Reihe von Mythen zu seinem annektierten Pendant. An seinem Tempel auf dem Forum Boarium gelobten ihm Geschäftsleute bei Antritt ihrer Reisen einen Zehntel ihres Gewinnes.

Herakles in der antiken Literatur

Quellen für den Heraklesmythos finden sich in griechischer und lateinischer Literatur in großer Zahl. So unterschiedlich wie die jeweiligen Literaturgattungen ist auch die Funktionalisierung der Figur des Herakles (admirative, sympathetische, ironische oder sogar negative Identifikation). [3]

Griechische Quellen sind in der Reihenfolge ihres Entstehens unter anderem Homer: Ilias und Odyssee, Hesiod, die keinem Verfasser zuzuordnende Apsis. Pindar, Bakchylides, Sophokles: Die Frauen von Trachis, Euripides: Herakles, Aristophanes: Vögel, Theokrit: Idyll 13 und 24, Apollonios von Rhodos: Argonautica I, Kallimachos: Hekale, Aitia und Artemis-Hymnos.

Lateinische Quellen sind unter anderem Vergil: Aeneis VIII, Properz: Elegien IV.9, Ovid: Metamorphosen IX, Seneca: Hercules furens und Hercules Oetaeus sowie Silius Italicus: Punica.

Gleichsetzungen

Herakles als buddhistische Schutzgottheit Vajrapani neben Buddha, Gandhara (heute Pakistan) 2. Jh., Britisches Museum.

In hellenistischen Zusammenhang wurde Herakles manchmal mit dem babylonischen Nergal gleichgesetzt. Der Kult des Nergal-Herakles ist aus Hatra und Palmyra belegt. In Hatra scheint dem Herakles-Nergal der Hund als Symboltier zugeordnet gewesen zu sein.[4] Wie in früherer Zeit war er auch Beschützer der Stadttore.[5] In Kilikien findet sich eine Gleichsetzung mit dem Gott Runzas. Die ältesten Darstellungen der buddhistischen Schutzgottheit Vajrapani aus Gandhara (heute Westpakistan) ähneln Herakles so auffallend, dass die Vajrapani-Verehrung auf den Herakleskult zurückgehen könnte. Bilder, die eindeutig Herakles darstellen, sind aus Gandhara bekannt.

Bedeutung für die Kunstgeschichte nach der Antike

In der Kultur des europäischen Mittelalters galt Herakles als Vorbild für tugendhaftes Verhalten und für vorbildliches Kriegertum. Darstellungen der Heldentaten des Herakles und vor allem auch das Motiv des Herakles am Scheideweg finden sich daher während des gesamten Mittelalters und wurden auch während der Renaissance und des Barock in großer Zahl geschaffen.

Für das Interesse am menschlichen Körper und dessen bewegter Darstellung wurden häufig Herkules-Szenen ausgewählt, besonders Herkules und Antaeus, Cacus und die Kämpfe mit Kentauren. Plastisch hat das der Italiener Antonio Pollaiuolo festgehalten. Druckgraphik sorgte für überregionale Verbreitung; u. a. Gian Giacomo Caraglio (nach Rosso Fiorentino) in Italien oder Hans Sebald Beham[6] in Deutschland.

Berühmte Darstellungen gibt es von Leonardo da Vinci, Baccio Bandinelli und Peter Paul Rubens.

Hevelius: Sternbild des Herkules, 1690

Bedeutung für die Literaturgeschichte in nachantiker Zeit

Auch Schriftsteller und Dichter von Pindar, Ovid, Giovanni Boccaccio, über William Shakespeare bis Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Hölderlin bis zu Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, wie Frank Wedekind, Robert Walser, Friedrich Dürrenmatt, Heiner Müller und Peter Huchel, wurden immer wieder von dem Mythos inspiriert.

Die Rolle des Herkules in der Französischen Revolution

Im Ancien Régime noch als Symbol für die Kraft des Königs geltend, wurde Herkules zu einer Figur, die allegorisch für die Kraft des gemeinen Volkes stand. Besonders in der Zeit der Jakobinerherrschaft diente die Figur als Drohkulisse gegen sogenannte Volksfeinde, die sich dem Fortgang der Revolution, die 1793-94 zur Terrorherrschaft des Wohlfahrtsausschusses ausartete, entgegenstellten.[7]

Sternbild

Nach Herakles wurde das Sternbild Herkules benannt.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Herakles der Neugeborne | Die Erziehung des Herakles | Herakles am Scheidewege | Des Herakles erste Taten | Herakles im Gigantenkampfe | Herakles und Eurystheus |Die drei ersten Arbeiten des Herakles | Die vierte Arbeit des Herakles bis zur sechsten | Die siebente, achte und neunte Arbeit des Herakles | Die drei letzten Arbeiten des Herakles | Herakles und Eurytos | Herakles bei Admetos | Herakles im Dienste der Omphale | Die späteren Heldentaten des Herakles | Herakles und Deïanira | Herakles und Nessos | Herakles, Iole und Deïanira. Sein Ende

Einzelnachweise

  1. Homer, Ilias 19, 97 ff.
  2. Xenophon Memorabilien 2, 1, 21–34.
  3. Karl Galinsky: The Herakles theme. The adaption of the hero in literature from Homer to the 20th century, 1972.
  4. Wathiq Al-Salihi: Hercules-Nergal at Hatra. In: Iraq 33/2, 1971, 113-115.
  5. Wathiq Al-Salihi: Hercules-Nergal at Hatra (II). In: Iraq 35/1, 1973, 69.
  6. Justine Nagler: Zwölf Taten des Hercules (1542–1548) von Sebald Beham. In: Karl Möseneder (Hrsg.): Zwischen Dürer und Raffael. Graphikserien Nürnberger Kleinmeister. Imhof, Petersberg 2010, S. 85–114.
  7. Vgl. Lynn Hunt, Symbole der Macht – Macht der Symbole. Die Französische Revolution und der Entwurf einer politischen Kultur, Frankfurt a.M. 1989, S. 132-134.