Büttenpapierfabrik Gmund

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Büttenpapierfabrik Gmund
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1829
Sitz Gmund am Tegernsee, Deutschland
Leitung Florian Kohler
Mitarbeiter ca. 100
Branche Papierherstellung
Website http://www.gmund.com
Firmengebäude

Die Büttenpapierfabrik Gmund GmbH & Co. KG ist ein Papierhersteller mit Stammsitz in Gmund am Tegernsee und beschäftigt derzeit mehr als 100 Mitarbeiter.

Sie ist tätig in der Papierherstellung in den Bereichen Feinpapiere, ungestrichene Papiere sowie fertige Papierprodukte. Bei einer Exportquote von 75 %[1] werden Kunden in ca. 80 Ländern beliefert.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Beginn der Papierherstellung im Mangfalltal geht auf das Jahr 1829 zurück, als der schwäbische Papiermacher Johann Nepomuk Haas das teilweise abgebrannte Kupfer-, Walz- und Hammerwerk des Hofkupferschmieds Joseph Schaller kaufte und dort eine Papiermühle einrichtete. [2] Haas musste eine Lizenz zum Sammeln von Lumpen – den sogenannten Hadern – erwerben, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Rohstoff für die Papierherstellung benötigt wurden. Nach seinem Tod wurde die Fabrik 1854 von einem Freund der Familie, dem 26-jährigen Werkführer Gregor Fichtner, übernommen und in den folgenden Jahrzehnten sukzessive von 25 auf rund 60 Mitarbeiter erweitert.[3] Unter Fichtner spezialisierte sich das Unternehmen auf die Produktion handgeschöpfter Feinpapiere und avancierte zum Hoflieferanten des Bayerischen Königshofs zu München. 1860 vernichtete ein Großbrand etliche Fabrikgebäude, die im folgenden Jahr wiedererrichtet wurden. Der Bau einer innovativen eisernen Werkbrücke über die Mangfall im Jahr 1868 ist ein weiterer Markstein der Firmengeschichte. Mit der Installation der ersten Papiermaschine mechanisierte Fichtner 1886 den Produktionsprozess. Die großdimensionierte Maschine des Herstellers Siegel aus Berlin ist heute noch in vollem Einsatz und damit die älteste gewerblich genutzte Papiermaschine Europas. 1895 zog sich Fichtner aus dem Geschäftsleben zurück und verkaufte die Fabrik an den Gmundner Bürger Romuald Brunner.

In dessen Ära gingen der Absatz, die Produktion und auch die Zahl der Arbeitskräfte deutlich zurück.[4] Nach Brunners Tod im Jahr 1903 erwies sich die "Maschinenpapierfabrik und Handpapiermühle G. Fichtner Nachfolger" als überschuldet, woraufhin sie der Münchner Stukkateur Georg Stahl, Schwager des letzten Eigentümers, im Rahmen eines Nachlaßkonkursverfahrens erwarb.[5] Um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu führen, schloss er sich mit den Kaufleuten Ludwig Alois Kohler und Carl Pfannenberg zusammen. Beide brachten wertvolle Erfahrungen mit, von denen die Fabrik profitierte: Kohler war bei der Papierfabrik Neumühle bei Miesbach tätig gewesen, Pfannenberg bei der Papiergroßhandlung Carl Hartmann in Leipzig sowie der Papierfabrik Moufang in Oberschmitten. Gemeinsam gründeten sie 1904 die "Maschinen- und Büttenpapierfabrik Gmund am Tegernsee GmbH", geleitet von Pfannenberg und Kohler als Geschäftsführern. Mit der Herstellung handgeschöpfter Papiere und filzgenarbter Foto-, Passepartout- und Umschlagkartons steigerten sie den Absatz der Papierfabrik und beschäftigten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 80 Mitarbeiter.[6] Nach dem Tod Stahls und der Abfindung seiner Erben führten Kohler und Pfannenberg die Firma seit 1918 gemeinsam als Offene Handelsgesellschaft weiter.[7] Den Posten Kohlers, der 1921 einem Betriebsunfall erlag, übernahm zunächst dessen Mutter Christine und nach deren Tod drei Jahre später dessen Vetter Ludwig Wilhelm Kohler.[8]

In der Zwischenkriegszeit konzentrierte sich die Firma auf die Herstellung weißer und farbiger Papiere sowie Kartons mit unterschiedlichsten Oberflächen. Der Aufbau eines großen Lagers sicherte die flexible Anpassung an Kundenwünsche. Während des Zweiten Weltkrieges produzierte man Papiere für Gasmaskenfilter, Verdunklungen und Landkarten. Der Tod des Firmenmitbegründers Carl Pfannenberg im Jahr 1964 leitete einen Generationswechsel zu Carl Pfannenberg jun. und Ludwig Maximilian Kohler ein, die im folgenden Jahr als Gesellschafter in die Firma eintraten.[9] Das Feinpapiersegment wurde weiter ausgebaut, und 1979/80 installierten die Inhaber zur Erweiterung des Angebots und der Formatmöglichkeiten eine zweite Papiermaschine. 1992 wurde das Fabrikgebäude umfassend erneuert und erweitert.[10]

Ludwig Wilhelm Kohler verstarb 1984. Seit dem Ausscheiden Carl Pfannenbergs jun. 1995 führt die Familie Kohler das Unternehmen allein. Die Leitung der Büttenpapierfabrik obliegt seit dem Tod Ludwig Maximilian Kohlers im Jahr 2004 seinem Sohn Florian Kohler.

Produkte[Bearbeiten]

Hergestellt werden 25 unterschiedliche Kollektionen mit über 100.000 verschiedenen Produktvariationen. Außerdem werden Spezialanfertigungen produziert, beispielsweise seit 2012 die goldenen Umschläge der Oscarverleihung, in denen die Karten mit den Namen des Gewinner steckten.[11]

Umweltschutz[Bearbeiten]

Seit Juli 2006 ist Gmund FSC (Forest Stewardship Council)-zertifiziert (Nr. GFA - COC - 001370). Für die Herstellung FSC-zertifizierter Papiere wird FSC-zertifiziertes Material und Material aus kontrolliertem Holz verwendet. Alle nicht FSC-zertifizierten Materialien sind kontrolliert gemäß dem FSC Standard für kontrolliertes Holz (FSC-STD-40-005).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2007 wurde das Unternehmen mit dem Umweltpreis Bayern ausgezeichnet.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maschinen- und Bütten-Papierfabrik Gmund (Hg.): 150 Jahre Papierfabrik in Gmund 1829-1979. 75 Jahre Maschinen- und Bütten-Papierfabrik Gmund 1904-1979. O. J. [1979].
  • Florian Kohler und Sabine Vöhringer: Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund. Papierkultur seit 1829. München 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Büttenpapierfabrik Gmund – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  2. Josef Obermayr: Die Pfarrei Gmund am Tegernsee und die Reiffenstuehl. Ein Beitrag zur oberbayerischen Namen- und Ortsgeschichte. Freising 1868, S. 242-243.
  3. Florian Kohler und Sabine Vöhringer: Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund. Papierkultur seit 1829. München 2004, S. 27-38.
  4. Florian Kohler und Sabine Vöhringer: Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund. Papierkultur seit 1829. München 2004, S. 38.
  5. Versteigerungsprotokoll des Notars Ludwig Bosner in Tegernsee vom 21. Dezember 1903.
  6. Maschinen- und Bütten-Papierfabrik Gmund (Hg.): 150 Jahre Papierfabrik in Gmund 1829-1979. 75 Jahre Maschinen- und Bütten-Papierfabrik Gmund 1904-1979. o. J. [1979]; Florian Kohler und Sabine Vöhringer: Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund. Papierkultur seit 1829. München 2004, S. 41-42.
  7. Gesellschafts-Vertrag Kohler & Pfannenberg vom 7. Mai 1918.
  8. Auszüge aus dem Handelsregister des Amtsgerichts München für den Amtsgerichtsbezirk Tegernsee, Gesellschaftsregister Bd. 1, Nr. 16, vom 28. Juni 1922 und 10. November 1933.
  9. Auszug aus dem Handelsregister des Amtsgerichts in Miesbach, Abt. A, Bd. 2, Nr. 327, vom 20. Februar 1967.
  10. Florian Kohler und Sabine Vöhringer: Die Geschichte der Büttenpapierfabrik Gmund. Papierkultur seit 1829. München 2004, S. 84-95.
  11. Tegernseer Stimme: And the Oscar comes from …, 27. Februar 2014

47.75410211.74188Koordinaten: 47° 45′ 15″ N, 11° 44′ 31″ O