Bebop

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Howard McGhee (tp), Miles Davis (p), Brick Fleagle (g); der Herr im Hintergrund ist unbekannt

Der Bebop ist eine Musikrichtung, die Anfang der 1940er Jahre im Jazz den Swing als Hauptstilrichtung ablöste und somit den Ursprung des Modern Jazz bildete.

Einführung[Bearbeiten]

Dizzy Gillespie, 1955

Wesentliche Elemente sind größere rhythmische Freiheiten für Schlagzeug und Bass, schnelle Tempi und komplexe Harmonie-Schemata. Komponisten des Bebop griffen oft auf bestehende musikalische Themen und Harmonieabfolgen zurück. Wesentlich für den Bebop sind zudem die Improvisationen auf langen formalen Strecken.

Mit dem Bebop verabschiedet sich der Jazz als Unterhaltungsmusik und wird nach und nach zur Kunstmusik stilisiert. Dies beruht auf der Ablehnung des Bebop durch große Teile von Kritik und Publikum sowie auf einem neuen Verständnis der Schallplatte als Medium. Die flüchtigen Improvisationen der Musiker sind durch die Schallplatte gespeichert und bringen ein Sammler- und Expertentum hervor – gerade auch in der weißen amerikanischen Mittelschicht und unter den europäischen Intellektuellen. Mit der verbesserten Aufnahmetechnik tritt der Solist stärker denn je als Individuum und Künstlerpersönlichkeit hervor. Niemals wieder jedoch fügte sich der Jazz in das Bild ein, das man sich zuvor von ihm gemacht hatte, in das Bild einer für alle zugänglichen Popularkultur.

Thelonious Monk, Howard McGhee, Roy Eldridge und Teddy Hill vor Minton's Playhouse, New York City, September 1947

Entstehung[Bearbeiten]

Vermutlich hat eine Verkettung verschiedener Faktoren zur Entstehung dieses neuen Stils geführt. Am Ende der 1930er Jahre war Swing zu einem großen Geschäft geworden. Der kreative Zenit vieler Swingorchester war überschritten, und die Musik drohte in Formelhaftigkeit zu erstarren. Gelangweilt von der Routine als „Orchesterangestellte“ begannen zahlreiche Musiker – oft „afterhours“, nachdem sie ihren Job in der Big Band erledigt hatten – sich zu informellen Jam-Sessions zu treffen. Hier wurde gespielt und nach musikalischen Formen jenseits der Big Bands gesucht. Ein Kristallisationspunkt dieser Entwicklung war Minton’s Playhouse in Harlem und nicht die 52nd Street in Manhattan, wie oftmals fälschlicherweise behauptet wird. Zu den wichtigsten Musikern dieses Zirkels gehörten Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Charlie Christian, Thelonious Monk und Kenny Clarke. Außerdem wird vermutet, dass die auf den Kriegseintritt der USA 1941 zurückzuführende Steuererhöhung auf Tanzveranstaltungen die Wirtschaftlichkeit der Big Bands allmählich untergrub, damit den Niedergang des Swing beschleunigte und die Entwicklung des neuen Stils in Form einer autonomen Kunstmusik begünstigte.

Die kleinen Bands, die den neuen Jazzstil entwickelten, galten nicht als Tanz- oder Unterhaltungskapellen und waren dies in ihrem Selbstverständnis auch nicht, weswegen die Besitzer der Nachtclubs nicht mit den kriegsbedingten Sonderabgaben belegt wurden, wenn sie junge Bebop-Musiker mit ihren Combos engagierten. Wegen des Recording ban existieren keine Studioaufnahmen aus der Entstehungsphase dieses Stils; es existieren einzig einige private, technisch sehr unzulängliche Live-Mitschnitte aus „Minton's Playhouse“ und „Monroe's Uptown House“.

Man sagt auch, dass der Bebop als Reaktion der afroamerikanischen Bevölkerung auf den von Weißen dominierten Swing entstanden sei.

Der Name Bebop[Bearbeiten]

Die Herkunft des Worts „Bebop“ ist, wie so oft im Jazz, nicht ganz geklärt und es gibt viele Legenden über die Entstehung dieses Begriffs. Er geht wahrscheinlich auf die lautmalerischen Scat-Silben „be“, „re“, „de“ und „bop“ zurück, mit deren Hilfe sich Musiker untereinander komplizierte Linien in schnellen Tempi vorzusingen pflegten. Der Terminus Bebop repräsentiert zudem in besonderem Maße die Fragwürdigkeit solcher Gattungsnamen im Jazz. Das ist wohl die wahrscheinlichste aller angebotenen Erklärungen, die es gibt; wobei dieser Name, wie so oft in der Musik, nicht von den Musikern selbst, sondern von der Presse stammt.

Ist der Zusammenhang unmissverständlich, wird auch von Bop gesprochen. Hingegen die Bezeichnung Rebop ist aus einem Unverständnis von den Swingmusikern der Zeit gegenüber dem Bebop heraus entstanden und bezeichnet den Bebop eben gerade nicht. Ebenso ist in vielen Fällen das Scatten kein Bebop, sondern lediglich Silbengesang, das die eigentümlichen Wendungen des Bebop vermissen lässt.

Merkmale des Bebop[Bearbeiten]

  • Komplizierter als der Swing, mehr Soli, mehr Improvisation.
  • Die dritte Blue Note: Die flatted fifth, die an verschiedenen Stellen auftaucht.
  • Saxophon und Trompete spielen unisono (das Gleiche).
  • Rückkehr von der Big Band des Swing zur Combo
  • Phrasierung abgerissen, abgerissene Melodie
  • keine Riffs
  • komplizierte Harmonik
  • übermäßige bzw. verminderte Septakkorde
  • jeder Ton des Akkords kann erniedrigt und erhöht werden
  • wird oft "härter" gespielt
  • wird schnell gespielt, wirkt hektisch

Standard-Besetzung[Bearbeiten]

Quintett: Trompete, Saxophon (meist Alt oder Tenor), Klavier, Kontrabass, Schlagzeug. Bigbands waren eher selten (eine Ausnahme bildet das Orchester von Dizzy Gillespie).

Wichtige Alben[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Owens: Bebop- the music and its players, Oxford University Press 1996
  • Scott DeVeaux: The Birth of Bebop, Picador 1999
  • Leonard Feather: Inside Jazz, Da Capo 1977 (zuerst 1949 als Inside Bebop)
  • Ira Gitler: Jazz masters of the 40s, Da Capo 1983
  • Ira Gitler: The masters of Bebop, Da Capo 2001