Septakkord

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Ein Septakkord, auch Terzquintseptakkord oder Septimenakkord ist ein Vierklang: zum Dreiklang, der aus Grundton, Terz und Quinte besteht, tritt die Septime hinzu. Septakkorde galten in der traditionellen Harmonik als dissonant und auflösungsbedürftig. Erst im 19. Jh. entwickelte sich der Septakkord allmählich zu einem Akkordtyp, der nicht mehr unbedingt einer Auflösung bedurfte. In der Jazzharmonik spielt der Septakkord in all seinen Formen eine zentrale Rolle und löst den Dreiklang als harmonisches „Basismaterial“ ab.

Bildung und Arten von Septakkorden[Bearbeiten]

Septakkorde entstehen durch Schichtung von drei Terzen über einem gegebenen Grundton, bzw. bestehen aus Grundton, Terz, Quint und Septim. Sie bestehen normalerweise aus dem Tonmaterial der zugrundeliegenden Tonleiter.

Die Arten von Septakkorden unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Intervallstruktur. Die folgende Tabelle nennt die Namen der verschiedenen Septakkorde, welche Dreiklänge ihnen zugrunde liegen, welche Septime hinzugefügt ist, wie sie beispielhaft vom Ton c aus gebildet werden, wie sie als Akkordsymbole notiert werden und auf welchen Stufen der folgenden Tonleitern sie vorkommen: Dur, natürliches/äolisches Moll, harmonisches Moll, melodisches Moll aufwärts (abwärts ist das melodische Moll mit dem natürlichen identisch):

Name Dreiklang +Septime Beispiel Akkordsymbol Dur nat. Moll harm. Moll mel. Moll aufwärts
Dominantseptakkord Dur klein c–e–g–b C7 V VII V IV, V
Großer Septakkord* Dur groß c–e–g–h Cmaj7, CΔ, C7+ I, IV III, VI VI
Mollseptakkord Moll klein c–es–g–b Cm7 II, III, VI I, IV, V IV II
Mollseptakkord mit großer Septime Moll groß c–es–g–h Cmmaj7, CmΔ, Cm7+ I I
Halbverminderter Septakkord vermindert klein c–es–ges–b CmØ, Cm5-/7 VII II II VI, VII
Verminderter Septakkord vermindert vermindert c–es–ges–heses C°, C07, Cv7 VII
Übermäßiger Septakkord übermäßig groß c–e–gis–h C5+/maj7, C5+/7+ III III

* auch: „Major Seven“

Umkehrungen von Septakkorden[Bearbeiten]

Umkehrungen von Septakkorden

Septakkorde können in der Grundstellung und in drei Umkehrungen auftreten:

  • Grundstellung – Septakkord
  • 1. Umkehrung – Quintsextakkord
  • 2. Umkehrung – Terzquartakkord
  • 3. Umkehrung – Sekundakkord

Die Akkord-Bezeichnungen stammen aus dem Generalbass und leiten sich aus dessen Intervallschichtung über dem tiefsten Akkord-Ton her.

Besonderheiten und Auflösung von dominantischen Septakkorden[Bearbeiten]

Dominantseptakkord[Bearbeiten]

Funktion[Bearbeiten]

Der Dominantseptakkord wird (vor allem wegen der Strebetendenz seiner Leittöne) fast immer als Dominante gehört und gedeutet. Nur in seltenen Ausnahmefällen kann er auch in anderer Funktion erscheinen, so z. B. wenn er (als leitereigener Akkord) auf der IV. Stufe der aufwärtsführenden melodischen Molltonleiter in subdominantischer Funktion auftritt.

Beispiel für die Auflösung eines Dominantseptakkords (in Terzquartform) in eine Tonika
Beispiel für beide Auflösungen eines Dominantseptakkords im vierstimmigen Satz

Auflösung[Bearbeiten]

Bei der Auflösung des Dominantseptakkordes haben zwei Töne eine eindeutige Tendenz.

Der Terzton des Dominantseptakkordes ist gleichzeitig der Leitton (VII. Stufe der Tonleiter) und wird aufsteigend (kleine Sekunde) in den Grundton der I. Stufe (Tonika) aufgelöst.

Der Septton des Dominantseptakkords fällt als Gleitton (in Dur um eine kleine, in Moll um eine große Sekunde) in den Terzton der Tonika.

Wenn sich im vierstimmigen Satz der Grundton im Bass um eine Quarte aufwärts oder um eine Quinte abwärts zu jenem der Tonika bewegt, bleibt nur mehr der Quintton. Dieser fällt meistens zum Grundton der Tonika (oder er steigt zum Terzton der Tonika). Somit ergibt die Auflösung eines vollständigen Dominantseptakkordes im vierstimmigen Satz einen unvollständigen Tonika-Dreiklang, bei dem der Quintton fehlt. Der Grundton ist verdreifacht oder Grundton und Terzton sind verdoppelt, da die Quinte wahlweise in den Grundton fallen oder in den Terzton steigen kann.

Bei einem so genannten unvollständigen Dominantseptakkord ist der Grundton verdoppelt und dafür fehlt der am wenigsten charakteristische Ton, der Quintton. (Der Terzton ist entscheidend für die Dur-Moll-Charakteristik, der Septton macht den Septakkord erst zum Septakkord. Das Fehlen der reinen Quinte hingegen fällt dem Ohr kaum auf). Dieser löst sich im vierstimmigen Satz in einen vollständigen Dreiklang mit Grundtonverdoppelung auf.

Besondere Formen[Bearbeiten]

Eine weitere Form ist der verkürzte Dominantseptakkord, bei dem der Grundton weggelassen wird. Bei diesem Akkord handelt es sich vom Aufbau nicht um einen Septakkord, sondern um einen verminderten Dreiklang der VII. Stufe. Seine Leittonspannung (aufgrund des enthaltenen Tritonus) lassen ihn jedoch in dominantischer Funktion (stellvertretend für den Dominantseptakkord) erscheinen. Im strengen vierstimmigen Satz wird er fast immer als Sextakkord verwendet, d. h. die Terz bzw. die Quinte (gezählt vom nicht mehr vorhandenen Grundton) liegt im Bass und wird verdoppelt. Einen der beiden anderen Töne zu verdoppeln, verbietet sich, weil es sich um Leittöne handelt, deren satztechnisch korrekte Behandlung zu Prim- oder Oktavparallelen führen würde.

Halbverminderter Septakkord[Bearbeiten]

Der halbverminderte Septakkord kommt leitereigen in Dur auf der VII. Stufe und in (natürlich und harmonisch) Moll auf der II. Stufe vor. Außerdem erscheint er bei der aufwärts führenden melodischen Moll-Tonleiter auf der VI. und VII. Stufe.

  • In Dur wird er von der Funktionstheorie als ein um seinen Grundton verkürzter Dominantseptnonakkord der V. Stufe gesehen und hat als solcher dominantische Funktion.
  • Der halbverminderte Septakkord auf der II. Stufe des natürlichen und harmonischen Moll hat subdominantische Funktion, da sein Tonvorrat - wenn auch in anderer Reihenfolge - mit dem auf der Subdominante errichteten Sixte-ajoutée-Akkord übereinstimmt. Er ist, als Teil der II-V-I-Verbindung in Moll, häufig im Jazz anzutreffen.
  • Beim melodischen Moll (aufwärts) ergibt sich die leicht paradox anmutende Situation, dass der Septakkord auf der VI. Stufe zwar strukturell ein um seinen Grundton verkürzter Dominantseptnonakkord ist, seine Funktion jedoch wegen der IV. Stufe als Grundton des vollständigen Akkords die einer Subdominante ist. Unproblematisch ist dagegen die funktionale Deutung des Septakkords auf der VII. Stufe als verkürzter Dominantnonakord, der hier - im Unterschied zu vorhin - auch wirklich in dominantischer Funktion auftritt.

Verminderter Septakkord[Bearbeiten]

Der verminderte Septakkord besteht aus einem verminderten Dreiklang mit einer verminderten Septime. Da alle Intervalle zwischen benachbarten Tönen kleine Terzen sind, ist er ein so genannter Isointervallakkord. Dieser Akkord kann ebenfalls als ein um seinen Grundton verkürzter Dominantseptnonakkord aufgefasst werden und hat daher dominantische Funktion. Er tritt als leitereigener Akkord auf der VII. Stufe der harmonischen Molltonleiter auf.

Stimmführung bei der Auflösung des verminderten Septakkords auf der VII. Stufe von a-Moll

Auflösung des verminderten Septakkords

Im verminderten Septakkord wirken starke Spannungen aufgrund seiner Intervallbeschaffenheit. Das Rahmenintervall (verminderte Septim) tendiert mit beiden Tönen nach innen, ebenso die beiden verminderten Quinten. Dadurch ergibt sich bei einer Auflösung, die in ihrer Stimmführung alle Interspannungen berücksichtigt, die Verdoppelung des Terztones des Zieldreiklangs.

Vieldeutigkeit des verminderten Septakkords

Rheinberger bezeichnet den verminderten Septakkord als das „Chamäleon der Harmonielehre“. Er ist in sich absolut symmetrisch und seine Umkehrungen sind bei gleichstufiger Stimmung vom Aufbau und Klang her nicht von seiner Grundstellung zu unterscheiden. Dadurch kann jeder Ton (ggf. nach entsprechender enharmonischer Verwechslung) als Leitton aufgefasst werden, so dass sich 4 tonartlich verschiedene Auflösungsmöglichkeiten dieses Akkords ergeben.

Seit Monteverdi wird er in der dramatischen Musik als Ausdruck der Affekte des Schreckens, der Überraschung, des Schmerzes, des Todes, etc., verwendet. Der Akkord enthält einen zweifachen Tritonus, der als Diabolus in musica ein oft verwendetes Teufelssymbol war. Weitere Beispiele: „Barrabam!“ in Bachs Matthäus-Passion, Auftritt des Komturs im zweiten Finale von Mozarts Don Giovanni, Samiel-Motiv in Webers Freischütz.

Im Impressionismus verliert er (wie viele Akkorde) seine funktionsharmonische Bedeutung und wird häufig als Klangfarbenakkord für chromatische Rückungen (Parallelführungen) eingesetzt. Vereinzelt wurden chromatische Rückungen des verminderten Septakkords aber auch schon weit früher (z. B. in Bachs Chromatischer Fantasie BWV 903) verwendet.

Tonsymbolik[Bearbeiten]

Die ursprünglich (etwa im Barock) wichtige symbolische Bedeutung der Vierklänge (etwa des verminderten Septakkords als Ausdruck des Schrecklichen, Teuflischen, Dämonischen) geriet durch gehäufte Verwendung zunehmend in Vergessenheit und kam seit der Spätromantik nahezu abhanden.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Amon, Lexikon Harmonielehre, ISBN 3-900695-70-9, S. 323

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Philippe Rameau: Nouveau Système de musique théorique, Paris 1726
  • Jean-Baptiste le Rond d’Alembert: Systematische Einleitung in die Musicalische Setzkunst nach den Lehrsätzen des Herrn Rameau. Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen vermehret von Friedr. Wilh. Marpurg, Leipzig 1757

Weblinks[Bearbeiten]