Beck-Depressions-Inventar

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Das Beck-Depressions-Inventar (BDI – Beck, Ward, Mendelson, Mock & Erbaugh, 1961) ist ein psychologisches Testverfahren, das die Schwere depressiver Symptomatik im klinischen Bereich erfasst. Es wurde nach Aaron T. Beck benannt. In dem Fragebogen mit 21 Fragen bestimmt der Teilnehmer, welche der vier Aussagen für ihn/sie in dieser Woche am zutreffendsten ist. Zur Auswertung werden die Summenwerte der einzelnen angekreuzten Aussagen addiert. Im Laufe der Zeit wurde das zuerst als standardisiertes Interview gedachte Verfahren zu zwei bearbeiteten Formen weiterentwickelt, dem BDI – 1A (1978) und dem BDI – II (1996). Ergänzend zu diesen beiden Formen gibt es seit Herbst 2013 eine Kurzform der BDI-II in deutscher Sprache, die sich BDI-FS (FS steht für "FastScreen") nennt, und die Schwere einer Depression auf Basis der nicht-somatischen Symptome erfasst.

Entwicklung und Geschichte[Bearbeiten]

Das Beck-Depressions-Inventar wurde 1961 aufgrund von Beobachtungen depressiver Patienten und deren Klagen entwickelt. Im Fragebogen wurden dann Symptome beschrieben, die von depressiven Patienten häufig geschildert wurden und von nichtdepressiven Patienten nicht.

Eine erste Adaption des BDI wurde 1994 von Martin Hautzinger, Maja Bailer, Hellgard Worall, Ferdinand Keller veröffentlicht.[1] Die deutsche Adaption des BDI-II stammt von Martin Hautzinger, Ferdinand Keller, Christine Kühner.[2] Schmitt und Meas haben 2000 einen Vereinfachungsversuch im Rahmen eines DFG-geförderten Längsschnittprojekts unternommen.[3] Zum einen haben sie auf die Frage nach Gewichtsverlust verzichtet, da diese Frage laut Studien die geringste Trennschärfe besitzt (Hautzinger et al., 1994; Kammer, 1983), und zum anderen haben sie die vier Antwortalternativen jeweils durch eine sechsstufige Skala ersetzt (von 0/nie bis 5/fast immer).

BDI[Bearbeiten]

Der ursprüngliche BDI besteht aus 21 Fragen darüber, wie sich der Patient in der letzten Woche gefühlt hat.[4] Zu jeder Frage gibt es jeweils vier Antwortmöglichkeiten, die nach ihrer Intensität geordnet sind.[4]

Beispiel:

(0) Ich bin nicht traurig.

(1) Ich bin traurig.

(2) Ich bin die ganze Zeit traurig und komme nicht davon los.

(3) Ich bin so traurig oder unglücklich, dass ich es kaum noch ertrage.

BDI-1A[Bearbeiten]

Das BDI-1A ist eine Revision der Originalversion. In dieser Version erleichterte Beck in den 1970er Jahren die Bearbeitung der Fragen durch vereinfachte Antwortmöglichkeiten. Die interne Konsistenz dieser überarbeiteten Fassung war sehr gut, mit einem Cronbachs Alpha von 0,85. Leider behandelte der Fragebogen nicht alle der neun diagnostischen Kriterien aus dem DSM–III.

BDI-II[Bearbeiten]

Für die 1996 veröffentlichte revidierte Version BDI-II der Ursprungsversion wurden einerseits speziell auf die DSM-IV-Kriterien für major depression passende Items konstruiert und andererseits schon bestehende Items gezielt auf bessere Verständlichkeit und höheren Informationsgewinn umformuliert. Neue beschriebene Symptome sind Unruhe, Wertlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Energieverlust. Items zu den Symptomen Veränderungen des Körperbilds, intensive Beschäftigung mit körperlichen Symptomen, Gewichtsverlust und Arbeitsschwierigkeiten wurden aus dem Verfahren eliminiert.

Das Instrument wird heutzutage nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Forschung als diagnostisches Mittel eingesetzt und international verwendet. Es wurde in mehrere europäische Sprachen sowie in das Arabische, das Chinesische, das Japanische und das Persische übersetzt.

BDI-FS[Bearbeiten]

Die 2013 veröffentlichte Kurzform der BDI-II stammt im Original von Aaron T. Beck, Gregory K. Brown und Robert A. Steerder und wurde im Jahr 2000 veröffentlicht. Die Kurzform des Depressions-Inventars klammert für die Diagnose einer Major Depression nach DSM-IV und DSM-5 die somatischen Kriterien einer Depression aus. Der Fragebogen arbeitet als Folge daraus mit lediglich sieben Items. Das Weglassen der Items zu somatischen Beschwerden und zur Leistungsfähigkeit soll die Diagnostik bei Patienten mit medizinischen Problemen verbessern, bei denen das Einbeziehen der somatischen Kriterien im BDI-II zu einer fälschlichen Erhöhung der Prävalenz von Depressionen geführt hat. Das Testverfahren ist somit in der Praxis für Patientengruppen mit spezifischen Erkrankungsbildern, wie Multiple Sklerose, Krebserkrankungen, chronischen Schmerzen, Suchterkrankungen, HIV, aber auch mit gemischten medizinischen Grunderkrankungen gedacht.[5]

Durchführung[Bearbeiten]

Für das Ausfüllen des Tests (mit Papier und Bleistift oder am Computer) gibt es keine Zeitvorgabe. Es wird lediglich die Beantwortungsdauer jedes einzelnen Items vermerkt. Es besteht also kein Zeitdruck bei der Bearbeitung. In der deutschen Version des BDI gibt es zu jeder Aussage vier Antwortmöglichkeiten.[4] Die Durchführungsdauer beträgt durchschnittlich 5 bis 10 Minuten inklusive Instruktion.

Auswertung[Bearbeiten]

Zur Auswertung werden alle Werte der einzelnen Aussagen addiert und dann mit Grenzwerten (Cut-off-Werten) verglichen. Sollte ein Proband bei einer Frage mehrere Antwortalternativen markiert haben (beispielsweise 1 und 2), wird die Markierung mit dem höchsten Punktwert gewertet (in diesem Beispiel also 2). Auf eine getrennte geschlechts- oder altersspezifische Betrachtung der Werte wurde im BDI verzichtet, da keine systematischen Geschlechts- oder Altersunterschiede gefunden wurden, die nicht auch durch Zufall erklärbar wären.[4]

Laut BDI weisen Werte zwischen 11 und 17 Punkten auf eine "milde bis mäßige Ausprägung depressiver Symptome" hin. Als klinisch relevant werden im BDI erst Werte von 18 und darüber gewertet, da dieser Werte zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert von Gesunden liege.[4]

Es ist davon auszugehen, dass die Grenzwerte im BDI-II sich geändert haben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hautzinger, M., Bailer, M., Worall, H. & Keller, F. (1995). BDI Beck-Depressions-Inventar Testhandbuch 2., überarbeitete Auflage. Verlag Hans Huber. Bern (1. Auflage 1994)
  • Hautzinger, M., Keller, F. & Kühner, Ch. (2009). BDI-II. Beck-Depressions-Inventar. Revision. 2. Auflage. Pearson Assessment: Frankfurt.
  •  Martin Hautzinger, Maja Bailer, Hellgard Worall, Ferdinand Keller: Beck-Depressions-Inventar (BDI). Testhandbuch. 1 Auflage. Hans Huber, Bern 1994, ISBN 978-3-456-82176-4.
  • Aaron T. Beck, Gregory K. Brown, Robert A. Steer (2013). Beck-Depressions-Inventar-FS (BDI-FS). Manual. Deutsche Bearbeitung von Sören Kliem & Elmar Brähler. Frankfurt am Main: Pearson Assessment.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stefan Troche: Zur Dissoziierbarkeit von Identity- und Location-Priming: Beeinflussen Alter und idiopathisches Parkinson-Syndrom Priming-Effekte differentiell. 1 Auflage. Cuvillier, Bern 2005, ISBN 978-3-86537-355-7, S. 48 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Beck Depressionsfragebogen - II. pearsonassessment.de. Abgerufen am 2. Juni 2012.
  3. Optimierung des Beck-Depression-Inventars. uni-landau.de. Abgerufen am 2. Juni 2012.
  4. a b c d e  Martin Hautzinger, Maja Bailer, Hellgard Worall, Ferdinand Keller: Beck-Depressions-Inventar (BDI). Testhandbuch. 2 Auflage. Hans Huber, Bern 1995, ISBN 3-456-82702-4.
  5. Aaron T. Beck, Gregory K. Brown, Robert A. Steer (2013). Beck-Depressions-Inventar-FS (BDI-FS). Manual. Deutsche Bearbeitung von Sören Kliem & Elmar Brähler. Frankfurt am Main: Pearson Assessment.