Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders

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Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM; engl. für „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“) ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association (Amerikanische Psychiater-Vereinigung), die es erstmals 1952 in den USA herausgab. Seither erscheinen auch Ausgaben in anderen Ländern: Beispielsweise gibt es seit 1996 eine deutsche Ausgabe des DSM-IV. Aktuell liegt die fünfte Auflage DSM-5 im englischen Original vor, die im Mai 2013 veröffentlicht wurde.

Der Inhalt des DSM wird von Experten festgelegt, um Diagnosen reproduzierbar zu gestalten. Die Klassifikation wurde erstellt, um die Diagnose und Heilung zu erleichtern, weswegen die Nomenklatur heute in Kliniken und Versicherungsgesellschaften gebräuchlich ist.

Bezug zum System ICD-10[Bearbeiten]

Das DSM-IV ist ein Ersatz und/oder eine Ergänzung für die jeweiligen Passagen im ICD-10.

Die ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen. Das DSM-IV ist ein nationales Klassifikationssystem der Vereinigten Staaten von Amerika. Es muss daher nicht die zahlreichen Kompromisse und Ergänzungen der ICD-10 berücksichtigen und beinhaltet speziellere und genauere diagnostische Kriterien. Das macht es für die Forschung sehr interessant. Die ICD-10 hingegen setzt ihren Schwerpunkt intensiver auf die interkulturelle Perspektive und die Anwendbarkeit vor allem auch in den Ländern der Dritten Welt.

DSM-IV berücksichtigt im Gegensatz zur ICD-10 geschlechtsspezifische Unterschiede. Es vergibt keine eigenen Klassifikationsschlüssel, sondern eine von der APA ausgewählte Teilmenge jener Nummern, welche im 1979-1997 gültigen ICD-9 zur Klassifikation psychiatrischer Krankheiten vorgesehen waren. Die ICD-10 hat andere Klassifikationsschlüssel, was den Vergleich erschwert.

Geschichte[Bearbeiten]

1840 wurde in den Vereinigten Staaten bei einer Volkszählung eine Kategorie für Schwachsinn/Wahnsinn erhoben. Vierzig Jahre später gab es schon sieben Kategorien für schwere Geisteskrankheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Soldaten, die wegen weniger schweren psychischen Störungen behandelt werden mussten. So entwickelten die Veteranenverbände und die US-Armee eine umfassendere Klassifikation.

Schließlich übernahm 1952 die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung die Ausarbeitung des DSM. Dabei versuchten sie, die Klassifikationsschlüssel mit der damaligen ICD 6 abzustimmen. 1968 erschien die zweite Ausgabe des DSM. Sie hatte noch wenig Einfluss auf psychiatrische Lehre, Forschung und klinische Praxis. Als der bekannte Psychoanalytiker Irving Bieber gefragt wurde „Hast Du die schrecklichen Neuigkeiten gehört? Sie nehmen Homosexualität aus den zukünftigen Drucken von DSM-II heraus.“ antwortete er „Was ist DSM-II?“.[1]

Erst beim DSM-III (1980) wurden die von der WHO geforderten genauen Definitionen der psychischen Störungen berücksichtigt. Die dritte Ausgabe stellte dabei einen Einschnitt in die bisherige Klassifizierung dar, unter anderem aufgrund der multiaxialen Einteilung (siehe unten) und der weitestgehenden Loslösung von ätiologie- und theoriebezogener Terminologie. Klerman bezeichnete das DSM-III als „Paradigmen-Wechsel“. Die unter Leitung von Robert L. Spitzer erstellte Version wurde die erste weithin angenommene. 1987 folgte eine Revision dieser Auflage (DSM-III-R) und bereits 1994 das DSM-IV unter der Leitung von Allen Frances. Die Textrevision der vierten Auflage (DSM-IV-TR) wurde 2000 veröffentlicht.

1984 lag das DSM-III auch in deutscher Publikation vor, 1989 das DSM-III-R; seit 1996 das DSM-IV; nur zwei Jahre nach der amerikanischen Version. Die deutsche Übersetzung des DSM-IV-TR erschien 2003.

Das DSM-5 war seit 1999 in Arbeit und erschien im Mai 2013. Ab 2000 zeichnete Darrel A. Regier als Forschungsdirektor des APA verantwortlich für die Koordination der Vorbereitungsarbeiten, seit 2004 gibt es eine eigene Website. Seit 2006 gibt es eine Task Force unter Leitung von David J. Kupfer, Darrel A. Regier fungiert als Stellvertreter. Seit 2007 treffen sich regelmäßig Arbeitsgruppen zu den verschiedenen diagnostischen Kategorien. Außerdem werden die Forschungsergebnisse zahlreicher Konferenzen und Kongresse eingearbeitet.[2]

Version Arbeitsbeginn Englisch (USA) Deutsch
DSM-I 1952 -
DSM-II 1968 -
DSM-III 1974 1980 1984
DSM-IIIR (Revision) 1987 1989
DSM-IV 1994 1996
DSM-IVTR (TextRevision) 2000 2003
DSM-5 1999 2013

Multiaxiale Einteilung[Bearbeiten]

Das DSM ist zurzeit in Deutschland nur in der vierten Version erhältlich (DSM-IV-TR, 2000),[3] systematisiert psychiatrische Diagnosen seit der dritten Version (DSM-III, 1980) in fünf Achsen. Zu einer Diagnose gehört die Angabe des Zustandes auf jeder dieser fünf Achsen:

Auf einzelnen dieser Achsen kann die Angabe auch „keine“ oder eine mehrfache sein.

Kategorien[Bearbeiten]

Insgesamt hat das DSM für die Achsen I und II 16 diagnostische Kategorien:

  1. Störungen, die in Kindheit und Jugend auftreten
  2. Substanzinduzierte Störungen
  3. Schizophrenie und andere psychotische Störungen
  4. Affektive Störungen
  5. Angststörungen
  6. Somatoforme Störungen
  7. Dissoziative Störungen
  8. Sexuelle Störungen und Störungen der Geschlechtsidentität
  9. Schlafstörungen
  10. Essstörungen
  11. Vorgetäuschte Störungen
  12. Anpassungsstörungen
  13. Störungen der Impulskontrolle
  14. Persönlichkeitsstörungen
  15. Andere klinisch relevante Probleme
  16. Delir, Demenz und andere kognitive Störungen

Kritik[Bearbeiten]

Es wird kritisiert, dass das DSM-IV unwissenschaftlich sei und symptomorientierte, reduktionistische Fehler aufweise. Ebenso moniert wird, dass alle Autoren des DSM-IV Geld von der Pharmaindustrie bekämen, während gleichzeitig DSM-IV-Diagnosen Voraussetzungen für viele US-Versicherungsgesellschaften seien, Medikamente für Patienten zu bezahlen.[4]

Zu weiteren Kritikpunkten gehört, dass das Entscheidungsgremium der American Psychiatric Association aus einer Gruppe von 160 Personen besteht, die durch nichts weiter legitimiert ist, außer ihrem Aufstieg in den Gremien der Vereinigung. Es fehlen Transparenz, und jede Form demokratischer und wissenschaftlicher Kontrolle und Kritik.[5]

Die Internetpräsenz des DSM-V Prelude Project schreibt über Defizite des DSM-IV und welche Verbesserungen für das DSM-V (damals noch mit römischer Nummerierung) diskutiert und erforscht werden sollen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental disorders. DSM-IV-TR. 4th Edition, Text Revision. American Psychiatric Association, Washington DC 2000, ISBN 0-89042-024-6.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Robert L. Spitzer: Values and Assumptions in the Development of DSM-III and DSM-III-R: An Insider’s Perspective and a Belated Response to Sadler, Hulgus, and Agich’s “On Values in Recent American Psychiatric Classification” (PDF-Datei; 72 kB), The Journal of Nervous and Mental Disease, Vol. 189, Nr. 6, S. 351
  2. http://www.dsm5.org/Pages/Default.aspx
  3. The Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
  4. Siehe auch Quellen im Abschnitt „Criticism“ im englischen Wikipedia-Artikel: „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
  5. Jörg Blech: Die Psychofalle. Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht, 2014, Fischer, S. 21.
  6. „DSM-V Prelude Project“ der „American Psychiatric Association“ - englisch

Weblinks[Bearbeiten]