Bernd-Ulrich Hergemöller

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Bernd-Ulrich Ludwig Hergemöller (* 22. Oktober 1950 in Münster) ist ein deutscher Historiker.

Nach dem Abitur auf dem Münsteraner Ratsgymnasium studierte Bernd-Ulrich Hergemöller in Münster katholische Theologie, Philosophie und Geschichte. Im Zuge des Theologiestudiums wandte er sich vom Glauben ab. 1978 promovierte er bei Heinz Stoob über die „Goldene Bulle“ Kaiser Karls IV. von 1356. Er habilitierte 1984 mit einer Arbeit über das Thema "Pfaffenkriege im spätmittelalterlichen Hanseraum". Danach war er Privatdozent in Münster und von 1992 bis 1996 Hochschuldozent an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1996 war er Inhaber des Lehrstuhls des Bereiches Mittelalter am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Zum 1. November 2012 wurde er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt.

Insgesamt hat Hergemöller rund 300 Publikationen veröffentlicht. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt auf dem Gebiet der städtischen Sozialgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der „Randgruppen“, einen anderen bilden Reichs- und Verfassungsgeschichte des späten Mittelalters. Zudem edierte und übersetzte Hergemöller zahlreiche Quellen zur Geschichte der männlichen Homosexualität in mittelalterlichen Städten (Köln, Münster, Venedig, Augsburg, Basel). „Schon heute hat er einen Ehrenplatz in der Geschichte der Geschichtsschreibung der Homosexuellen.“ (Patrick Bahners) 1998 veröffentlichte er sein Lexikon Mann für Mann.

Hergemöller war parteiloser Ratsherr der Stadt Münster (1984–1987) und ist Mitglied der Historischen Kommission für Mecklenburg.

Schriften[Bearbeiten]

  • Pfaffenkriege im spätmittelalterlichen Hanseraum: Quellen und Studien zu Braunschweig, Osnabrück, Lüneburg und Rostock. Böhlau, Köln 1988, ISBN 3-412-04487-3
  • Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft. Ein Hand- und Studienbuch. Fahlbusch, Warendorf 1990, ISBN 3-925522-07-7. Neu bearbeitete (3.) Ausgabe 2001, ISBN 3-925522-20-4.
  • Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928983-65-2. Überarbeitete Taschenbuchausgabe: Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4. Völlig neubearbeitete Ausgabe in zwei Bänden: LIT-Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-643-10693-3.
  • Sodom und Gomorrha. Zur Alltagswirklichkeit und Verfolgung Homosexueller im Mittelalter. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928983-58-X. Überarbeitete und ergänzte 2. Auflage 2000, ISBN 3-928983-81-4.
  • Masculus et femina. Systematische Grundlinien einer mediävistischen Geschlechtergeschichte. HHL-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-936152-01-2. Überarbeitete und aktualisierte 2. Auflage 2005, ISBN 3-936152-05-5.
  • Schlaflose Nächte. Der Schlaf als metaphorische, moralische und metaphysische Größe im Mittelalter. HHL-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-936152-02-0.
  • Magnus versus Birgitta. Der Kampf der heiligen Birgitta von Schweden gegen König Magnus Eriksson. HHL-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-936152-03-9.
  • Chorknaben und Bäckerknechte. Homosexuelle Kleriker im mittelalterlichen Basel. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-935596-60-X.
  • Die Kindlein spotten meiner schier. Quellen und Reflexionen zu den Alten und zum Vergreisungsprozess im Mittelalter. HHL-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-936152-06-3.
  • Die Freunde des Bösen. Malographie, schwarze Legende und Hate Crime im Mittelalter. HHL-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-936152-07-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Bahners: Bernd-Ulrich Hergemöller. Und wie verschwenderisch sein Schreiben. Mann für Mann, Buch für Buch: Ein Pionier der Historiographie der Homosexuellen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2010, Nr. 242, S. 32.

Weblinks[Bearbeiten]