Berylliumhydroxid

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Kristallstruktur
Kristallstruktur von β-Be(OH)2
__ Be2+     __ O2−     __ H+
Allgemeines
Name Berylliumhydroxid
Andere Namen

Berylliumdihydroxid

Verhältnisformel Be(OH)2
CAS-Nummer 13327-32-7
PubChem 25879
Kurzbeschreibung

farbloses Gel[1]

Eigenschaften
Molare Masse 43,03 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,924 g·cm−3[2]

Löslichkeit

kaum löslich in Wasser[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]

Berylliumverbindungen

06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 350i​‐​330​‐​301​‐​372​‐​319​‐​335Vorlage:H-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​315​‐​317​‐​411
P: ?
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][4]

Berylliumverbindungen

Sehr giftig Umweltgefährlich
Sehr giftig Umwelt-
gefährlich
(T+) (N)
R- und S-Sätze R: 49​‐​26​‐​25​‐​48/23​‐​36/37/38​‐​43Vorlage:R-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​51/53
S: ?
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−902,5 kJ/mol[6]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Berylliumhydroxid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Hydroxide.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Berylliumhydroxid kann durch Ausfällen aus einer Berylliumsalzlösung durch Zugabe von Ammoniaklösung oder einer Lösung eines Metallhydroxides gewonnen werden.[3]

\mathrm{Be^{2+}\ +\ 2\ OH^- \longrightarrow Be(OH)_2}

Besser gelingt die Darstellung von kristallinem Berylliumhydroxid jedoch durch Sättigung einer heißen Lösung von Natriumtetrahydroxoberyllat und langsames Abkühlen dieser Lösung.[7]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Berylliumhydroxid ist ein farbloses Gel, das in Wasser praktisch unlöslich ist.[3] Beim Erhitzen über 400 °C zersetzt es sich zu Berylliumoxid:[3]

\mathrm{Be(OH)_2 \longrightarrow BeO + H_2O}

Es tritt in zwei Modifikationen α- und β-Berylliumhydroxid auf. Die Verbindung ist in frisch gefälltem Zustand amphoter, löst sich also sowohl in Säuren unter Bildung von [Be(H2O)4]2+, als auch in alkalischen Lösungen unter Bildung von [Be(OH)4]2−. Beim Kochen mit Wasser, beim Trocknen ider beim längeren Stehenlassen "altert" die Verbindung und wird schwerlöslich.[8][3] Es ist das einzige amphotere Hydroxid der Erdalkalimetalle.[9]

In der orthorhombischen Kristallstruktur von Berylliumhydroxid ist jedes Berylliumion von vier Hydroxidionen koordiniert, die ein nur geringfügig verzerrtes Tetraeder bilden. Da jedes Hydroxidion an zwei Be2+-Ionen gebunden ist, entsteht ein dreidimensionales Netzwerk eckenverknüpfter Tetraeder. Zwischen den Hydroxidionen bestehen zahlreiche Wasserstoffbrückenbindungen.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beryllium-Verbindungen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 3. März 2012.
  2.  Roger Blachnik (Hrsg.): Taschenbuch für Chemiker und Physiker. Band III: Elemente, anorganische Verbindungen und Materialien, Minerale. begründet von Jean d’Ans, Ellen Lax. 4., neubearbeitete und revidierte Auflage. Springer, Berlin 1998, ISBN 3-540-60035-3, S. 334 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c d e Egon Wiberg, Arnold Frederick Holleman: Inorganic Chemistry, Elsevier, 2001, ISBN 0-12352651-5.
  4. a b Eintrag zu CAS-Nr. 13327-32-7 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Dezember 2011 (JavaScript erforderlich).
  5. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-6.
  7. Georg Brauer: Handbuch der präparativen anorganischen Chemie,. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1960, S. 790.
  8.  Arnold F. Holleman: Lehrbuch der anorganischen Chemie. Walter de Gruyter, 1995, ISBN 311012641-9, S. 1106 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9.  Charles E. Mortimer, Ulrich Müller, Johannes Beck: Chemie: Das Basiswissen der Chemie. Georg Thieme Verlag, 2014, ISBN 313171331-3, S. 473 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. R. Stahl, C. Jung, H. D. Lutz, W. Kockelmann H. Jacobs: Kristallstrukturen und Wasserstoffbrückenbindungen bei β-Be(OH)2 und ε-Zn(OH)2. In: Zeitschrift für Anorganische und Allgemeine Chemie. 624, 1998, S. 1130.