Bilder von Hieronymus Bosch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bildnis des Hieronymus Bosch (um 1550, Jacques Le Boucq zugeschrieben)

Hieronymus Bosch war ein Maler des ausgehenden Mittelalters an der Schwelle zur Neuzeit. Dieser Artikel listet die wichtigsten Bilder von Hieronymus Bosch auf und beschreibt ausgewählte Bilder näher. Erläuterungen seiner Triptychen finden sich im Artikel Hieronymus Boschs Triptychen.

Eine Auswahl der wichtigsten Werke[Bearbeiten]

Der Gaukler[Bearbeiten]

Als eines der bekanntesten Bilder von Hieronymus Bosch wurde lange „Der Gaukler“ (auch „Der Taschenspieler“ genannt) angesehen. Das Gemälde im „Musée municipal“ von Saint-Germain-en-Laye (Frankreich) ist jedoch nicht als eine getreue Kopie des verschollenen Originals gesichert, es wird daher nur selten ausgestellt.

Der Gaukler

Zeitgenössischer Hintergrund[Bearbeiten]

Das 53 mal 65 cm große Bild zeigt eine Situation, wie sie für die Zeit Boschs alltäglich war. Auch in seiner Zeit trieb sich allerlei Gesindel herum, das mit Tricks und Betrügereien den gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zog. Ob Zauberer, Falschspieler, Possenreißer oder Quacksalber, immer wieder gab es Leute, die andere mit ihren „Kunststücken” blendeten und ihnen Schaden zufügten.

Die Darstellung[Bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Bildes steht ein Tisch – er ist perspektivisch nicht präzise eingefügt, aber Bosch wollte dem Betrachter den Blick auf die Tischoberfläche ermöglichen, auf der der Gaukler die Requisiten seines Becherspiels arrangiert hat, zwei Becher, drei Kügelchen und einen Zauberstab. Daneben befindet sich ein trichterförmiger Mantel, der von zeitgenössischen Taschenspielern dazu benutzt wurde, um eine Puppe zu verdecken und dann verschwinden zu lassen. Dreht man das Bild auf die Seite, so bildet der Mantel die Nase eines Gesichts, welches die Requisiten formen. Derartige Vexierbilder waren zu Boschs Zeit populär.

Der rechts vom Tisch stehende Gaukler hält seinen Blick starr auf eine Person der links stehenden Menschentraube gerichtet. Er hat die über den Tisch gebeugte Person in seinen Bann gezogen, sie hat eine Kröte ausgewürgt und ist im Begriff, eine zweite auszuspucken.

Deutungen dieser Szene gehen dabei in unterschiedliche Richtungen:

  • Die Kröten als Symbol für „Unreines, Verdorbenes“ könnten schlicht bedeuten, dass die Person ihr besonderes Erstaunen in deftige Worte kleidet, also ein paar „unsaubere Bemerkungen fallen lässt“.
  • Die Kröte als Symbol für das „Verdorbene“ verweise als Allegorie auf die Kastration eines Mannes.
  • Andernorts wird wiederum bezweifelt, dass es sich bei der Person überhaupt um einen Mann handelt. Der am Gürtel befestigte Schlüssel sowie das sich an den Rockschoß klammernde Kind seien eher ein Zeichen dafür, dass die - hypnotisierte? - Person eine Frau ist.

Von Bosch selbst ist keine Interpretation überliefert. Unklar ist die Frage, ob der Gaukler als Halunke anzusehen ist.

Aber eindeutig ist: Es gibt jedenfalls einen Halunken im Bild. Dieser steht hinter der „hypnotisierten“ Person und hat sich an deren Geldbörse herangemacht. Es ist ein Taschendieb, ein sogenannter „Beutelschneider“ (die Menschen des Mittelalters führten ihr Geld in Beuteln mit, das ein Dieb sich einfach dadurch aneignete, dass er ihnen heimlich den Beutel abschnitt).

Der Beutelschneider ist interessant, weil er zwar eine weltliche Kopfbedeckung (eine für die Zeit typische Mütze) trägt, seine Bekleidung aber die – unvollständige – Tracht eines Laienbruders aus dem Orden der Dominikaner ist. Auch der Zwicker auf seiner Nase ist ein Hinweis in diese Richtung: Der Mann ist des Lesens mächtig, und für das Studium der Heiligen Schrift hat er eine Sehhilfe, ein für das einfache Volk unerschwingliches Luxusprodukt. Mit scheinheiligem Blick hebt er seine Augen zum Himmel, während er sich an dem Geldbeutel vergreift. Ob er als Komplize agiert oder lediglich die Situation ausnutzt, bleibt unklar. Eine Verbindung seiner Person mit dem Gaukler hat Bosch gleichwohl hergestellt – diesem zu Dienste ist nämlich ein mit einer Kapuze verkleideter Pinscher.

Die negativ dargestellte Person des Beutelgreifers in Gestalt eines Dominikaners korrespondiert mit Boschs durchgehend negativer Darstellung von Wappenträgern des Hauses Habsburg, in dessen Lager die Dominikaner damals standen. Der dominikanische Beutelgreifer ist das Gegenstück zum Gaukler, der wie ein Priester an einem Altar steht und ein Bällchen ähnlich demonstriert wie ein Geistlicher eine Hostie. Der massive Tisch ist ersichtlich nicht der eines fahrenden Taschenspielers. Auch die Eule, die in anderen Werken von Bosch in negativem Kontext wiederkehrt, hat eher symbolische Bedeutung. Es spricht daher vieles dafür, dass das Gemälde gesellschaftskritisch die Dominikaner verspottet und sich hierzu der Figur eines Gauklers zur Karikatur bedient.

Hieronymus Bosch, dessen Bilder ein mahnender Spiegel seiner Zeit sind, konnte seine Kritik an raffgierigen Menschen, ob sie Laien oder Geistliche (vergleiche sein Triptychon „Der Heuwagen“, unten rechts auf der Mitteltafel) waren, anbringen, insofern er dies allgemein tat. Das Bild, dessen hohe Mauer im Hintergrund auf eine Unentrinnbarkeit in der Situation hinweist, dürfte ein Beleg dafür sein, wie Bosch diese Kritik ausdrückte, ohne sie zu verbergen.

Auffällig ist des Weiteren ein Gesicht inmitten der Beobachtenden. Im Gegensatz zu Boschs sonstigen Darstellungen von Menschen lässt es alle negativen Eigenschaften vermissen (List, Bosheit, Dummheit etc.), sondern blickt freundlich, ja milde, und wirkt nicht, wie die meisten Akteure in Boschs Werken, überzeichnet. Eher scheint es, einem Fremdkörper gleich, für sich im Bild zu schweben. Zudem hat das Gesicht als einzige dargestellte Person keinen Körper, da dieser durch die anbei Stehenden zur Gänze verdeckt wird. Man könnte also mutmaßen, dass Bosch hier einen real existenten Menschen mit in das Bild gemalt hat. Sei es er selbst in jungen Jahren, ein Auftraggeber oder ein ihm sonstwie Bekannter.

Das Steinschneiden[Bearbeiten]

Zeitgenössischer Hintergrund[Bearbeiten]

Hinter dem Begriff „Steinschneiden“, das im Mittelalter immer wieder praktiziert wurde, verbarg sich ein Gaunerstück der besonderen Art: Fahrende Quacksalber boten reichen Leuten an, ihnen gegen ein hohes Entgelt „den Stein“ aus dem Kopf zu operieren und sie damit von Dummheit und Narretei zu befreien. Wie das vonstattenging – zumal ohne Narkose –, ist nicht überliefert. Allerdings gibt es außer dem Bild von Bosch weitere (teilweise ziemlich blutig ausgemalte), die diesen Vorgang zum Inhalt haben.

Das Steinschneiden

Die Darstellung[Bearbeiten]

Boschs Darstellung des Steinschneidens, die im Museo del Prado in Madrid zu besichtigen ist, ist von einem Text umrandet: „Meester snyt die Keye ras – Myne name Is lubbert Das“. - „Meister, schneid den Stein rasch (heraus) - Mein Name ist dummer Dachs“ (in manchen Übersetzungen „kastrierter Dachs“).

Vier Personen befinden sich auf dem Gemälde: Der „Patient“ wirft einen gequälten, mitleidheischenden Blick auf den Betrachter. Der hinter ihm stehende Quacksalber ist mitten in der „Operation“. Er trägt einen umgestülpten Trichter auf den Kopf, das von Bosch geprägte Symbol für „betrügerische Absicht“. Der Quacksalber schirmt sich gegen den Himmel und damit gegen den Segen Gottes ab. Auch zieht er keine Steine aus dem Kopf des Mannes, es sind Blüten, genauer: Sumpftulpen. Der Begriff „Sumpftulpe“ stand herkömmlich für „Seerose“, in der Gaunersprache allerdings wurde er als Bezeichnung für Geld verwendet. Dass der reiche Mann dieser Behandlung nur unterzogen wurde, um ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, wird zusätzlich augenscheinlich gemacht durch die Tatsache, dass seine lederne Geldbörse von einem Dolch durchstoßen ist.

Unerfindlich sind die Darstellungen der Nonne und des Mönchs, die der Szene beiwohnen. Die Nonne schaut ungerührt, geradezu kalt der Operation zu und balanciert dabei ein Buch auf dem Kopf. Die Annahme liegt nahe, dass sie sich mit dem Buch ebenfalls gegen den Himmel abschirmen will, eine solche Deutung würde dem Bild eine innere Ausgewogenheit verleihen. Bosch hat einigen seiner Figuren nicht nur Trichter, sondern auch andere Gegenstände des Alltags übergestülpt, im rechten Innenflügel seines Triptychons „Der Garten der Lüste“ ist es zum Beispiel ein Kessel, der seinen Träger vor himmlischen Einflüssen schützt. Einer Nonne hätte er aber kaum einen Trichter oder Kessel aufsetzen können, ohne damit Ärger zu provozieren. Der Mönch spricht auf den Patienten eindringlich ein und zeigt dabei auf den Quacksalber. Will er weismachen, dass dies ein Arzt ist, profitiert die Kirche vielleicht von dieser Aktion?

Möglicherweise ist das Buch am Kopf der Nonne die Bibel, das würde die damalige Stellung der Frau wiedergeben. Es könnte auch sein, dass dem reichen Patienten keine Blüten aus dem Kopf gezogen werden, sondern ihm symbolisch „Flausen” (eingeredete Ängste) in den Kopf gesetzt wurden, die nun gegen Entgelt, das für 3 genügt, wieder „herausoperiert” werden (Der Arzt könnte die symbolische Darstellung für „Manipulation des Denkens” stehen). Die Darstellung des „Steinschneiders” könnte man als Seitenhieb auf die Kirche interpretieren.

Diese auf dem Bild geschilderte, seltsame „Dienstleistung“ hat sich bis in unsere heutige Zeit auf andere, harmlose Weise tradiert: Es gibt den „Steinschneider“ als Nachnamen. Und in Zeiten, in der die moderne „Zauberkunst“ noch nicht so technikverliebt präsentiert wurde, war es ein Spaß für die Zuschauer, wenn der Magier jemandem aus dem Publikum an den Kopf fasste und Geldmünzen hinter seinen Ohren hervorzog. Schließlich: Auch in der Umgangssprache hat sich bis heute erhalten, dass ungern hergegebenes Geld dem Körper mit Gewalt entrissen wird, dies wird nur mit der Bemerkung „aus den Rippen schneiden“ anders verortet.

Tod eines Geizhalses[Bearbeiten]

Tod eines Geizhalses

Hieronymus Boschs Bild „Tod eines Geizhalses“ ist in der National Gallery of Art in Washington, D.C. ausgestellt. Seine Ausmaße – es ist 30 cm breit, aber fast 1 Meter hoch – legen die Vermutung nahe, dass es ursprünglich der rechte Flügel eines verschollenen Triptychons gewesen ist.

Die Darstellung[Bearbeiten]

Die sieben Todsünden sind immer wieder Motiv in Boschs Bildern gewesen. Mit der Darstellung des Todes eines Geizhalses widmet Bosch sich der Todsünde „avaritia“ (Habgier). Die Raffgierigkeit und Geldscheffelei des Klerus und einiger privilegierter Personen, die die Bedürftigkeit des einfachen Volkes weidlich ausnutzten und sich auf Kosten der Armen immer weiter bereicherten, waren Bosch stets ein Dorn im Auge gewesen. Sein Bild ist Ermahnung, sich im Angesicht des Todes nicht für den falschen Weg zu entscheiden.

Der Geizhals ist auf dem Bild gleich zweimal zu sehen: Im Vordergrund, der eine Rückblende auf sein Leben darstellt, als alter Mann, der Münzen in einen prall gefüllten Geldsack wirft. Teile einer Ritterrüstung, die achtlos am Boden liegen, weisen darauf hin, dass er sein Vermögen im Kampf und mit dem Blut anderer errungen hat, sowie auf seine privilegierte Herkunft aus dem Adelsstand. Rattenähnliche Wesen sind ihm beim Geldscheffeln behilflich. Die Truhe ist überdies gefüllt mit Silbergut sowie versiegelten Briefen, die auf Schuldverschreibungen und Verpfändungen hinweisen.

Im oberen Teil des Bildes liegt der Geizhals als Sterbender im Bett. Er wirkt im Gesicht etwas jünger, was ein Zeichen dafür sein kann, dass man im Mittelalter davon ausging, man werde das Jenseits in einer körperlich besseren Verfassung betreten. Der Tod, bewaffnet mit einem Pfeil, steht im Türrahmen. Ein Engel, der dem Sterbenden zur Seite steht, versucht vergeblich, seine Aufmerksamkeit auf den Lichtstrahl, den das Kruzifix im Fenster entsendet, zu lenken. Doch der Geizige hat den Vorhang offenbar vorgezogen, sich somit selbst vor dem „rettenden Licht Gottes” abgeschnitten und ist vielmehr fasziniert von dem Geldbeutel, den ein sich hinter einem Vorhang verbergender Dämon ihm herüberreicht. Über dem Bett hockt der Teufel, der darauf wartet, mit seinem Kescher die Seele des Todgeweihten auffangen zu können.

Siehe auch: Ars moriendi

Die Sieben Todsünden[Bearbeiten]

Das Bild „Die Sieben Todsünden“ und „Die vier letzten Dinge“, im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt, ist die Oberfläche einer Tischplatte.

‚Lemma’ und ‚Epigramm’ enthalten lateinische Stellen aus Deuteronomium: „gens absque consilio est et sine prudentia utinam saperent et intellegerent ac novissima providerent“ (32:28f., Übersetzung nach Luther: „Denn es ist ein Volk, darin kein Rat ist, und ist kein Verstand in ihnen. O, daß sie weise wären und vernähmen solches, daß sie verstünden, was ihnen hernach begegnen wird!“).[2] „abscondam faciem meam ab eis et considerabo novissima eorum“ (32:20): „Ich will mein Antlitz vor ihnen verbergen, will sehen, was ihnen zuletzt widerfahren wird.“.[2]

Die Sieben Todsünden

Die Darstellung[Bearbeiten]

Das Hauptbild, die Todsünden, bildet den größeren Mittelteil des Tisches. Um dieses Rundbild (Tondo) herum sind in den Ecken des Tischs vier weitere Tonden angeordnet, die „Die vier letzten Dinge“, nämlich das „Sterben“, das „Jüngste Gericht“, den „Himmel“ und die „Hölle“ abbilden. Sie sind in ihrer Darstellung eher starr und konservativ, es ist auch nicht sicher, ob Hieronymus Bosch diese Bilder angefertigt hat.

„Die Sieben Todsünden“ ranken sich um „Das Auge Gottes“, in dessen Pupille Jesus Christus zu sehen ist, der seine Wundmale zeigt. Untertitelt ist diese Abbildung mit dem lateinischen Text: „Cave cave dominus videt“ („Hüte dich, hüte dich, der Herr sieht [es]“). Den einzelnen Darstellungen der Todsünden hat Bosch eine Richtung zugewiesen: Der kompositorische Schwerpunkt der Bilder neigt sich – durch eine angedeutete Bewegung, durch Blicke der Figuren – nach rechts. Ein Betrachter, der sich von den Abbildungen leiten lässt, würde daher automatisch gegen den Uhrzeigersinn um den Tisch herumlaufen.

Die Bilder sind mit den lateinischen Begriffen der Todsünden untertitelt: Beginnend mit der am Fuße der Jesusdarstellung sind dies „ira“ (Zorn), „superbia“ (Hochmut), „luxuria“ (Wollust), „acedia“ (das einzige griechische Wort: Gleichgültigkeit, hier als Trägheit verstanden), „gula“ (wörtlich: Kehle, gemeint: Völlerei), „avaritia“ (Habgier) und „invidia“ (Neid). Im Gegensatz zu den Figuren in den Tonden „Die vier letzten Dinge“ sind die dargestellten Personen der „Sieben Todsünden“ bis zur Fratze verzerrt.

  • Die Abbildung des „Zorns“ zeigt eine Schlägerei vor einem Wirtshaus, bei der auch das Mobiliar nicht verschont bleibt. Eine Frau versucht einzugreifen
  • „Hochmut“ (im Mittelalter oft als „Hoffart“ bezeichnet) stellt sich dar als eine Frau, die keinen Blick für ihre Umgebung und schon gar nicht für den Betrachter übrig hat, wendet sie ihm doch den Rücken zu. Der vor Ihr befindliche Hausaltar scheint sich zu schließen und statt diesem gilt ihr Blick ausschließlich einem Spiegel, den ihr ein teuflisches Wesen vorhält.
  • Die Abbildung der Todsünde „Wollust“ präsentiert ein Zeltgelage. Während Männer und Frauen sich handelseinig werden, verdrischt ein Mönch den entblößten Hintern eines Narren mit einem Kochlöffel. Die Harfe, Symbol für ein himmlisches Instrument, ist achtlos beiseite geworfen.
  • Mit „Trägheit“ ist die des Geistes gemeint. Bosch setzt sie in seinem Bild als Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben und Gott um. Ein Geistlicher hat es sich in seinem Lehnstuhl bequem gemacht, die Bibel liegt geschlossen neben ihm.
  • In Zeiten, als Hunger noch eine reale Gefahr nach jedem Winter war, galt die „Völlerei“ als besonders verwerflich, da zukunftsgefährdend. Die Szene beherrscht ein widerwärtiger Fettwanst, der von einem ebenso fetten und hässlichen Kind bedrängt wird, damit er ihm von seinem reichhaltigen Mahl abgebe.
  • Das Bild über die „Habgier“ scheint sich in zwei Szenen aufzuteilen: Ersichtlich handelt es sich um eine Gerichtsszene. Während ein Mann seinen Geldbeutel umklammert, lässt sich der Richter von dem hinter ihm Stehenden bestechen, nämlich Geld zustecken. Er nimmt diese unrechte Leistung bedenkenlos an.
  • Die letzte Abbildung, der „Neid“, ist von missgünstigen Blicken getragen. Nicht einmal die Tiere sind von dieser Todsünde verschont. Ein Hund, dem ohnehin schon zwei Knochen vorliegen, giert nach einem dritten, ein weiterer Hund neidet seinem Artgenossen diese Beute.

Das Narrenschiff[Bearbeiten]

Das Narrenschiff

An Hieronymus Boschs Bild „Das Narrenschiff“ (zu besichtigen im Louvre in Paris), eine Darstellung der Todsünde „gula“ (Maßlosigkeit, Völlerei), sind im Nachhinein Veränderungen vorgenommen worden. So ist der im Bild zu sehende Baum mit einer größeren Fülle Laubes ausgestattet worden, ohne dass ersichtlich ist, dass Bosch selbst diese Veränderung vorgenommen hat. Außerdem ist das Bild unten abgesägt. Es wird vermutet, dass die Darstellung Allegorie auf Maßlosigkeit und Wollust (aufbewahrt in der Yale University, New Haven, Connecticut, USA) ursprünglich zu diesem Bild gehörte.

Die Darstellung[Bearbeiten]

Ein Boot, überladen mit Insassen, die sich an fetten Speisen und Wein laben, bildet den Mittelpunkt des Bildes. Es dümpelt dahin und hat sich vom Festland schon weit entfernt. Sein Mast trägt keine Segel, es ist ein Laubbaum, aus dessen Krone ein dämonisches Gesicht lugt. Ein Steuerruder sucht man vergeblich; der Kochlöffel, den einer der Bootsinsassen achtlos ins Wasser hängt, wird allenfalls dazu führen, dass, wollte man mit ihm rudern, das Schiff sich im Kreis bewegt.

Ein Narr sitzt rechts über dem Geschehen und wendet dem Treiben seinen Rücken zu. Er scheint unbeeindruckt, vielleicht angewidert, er als Narr ist weniger närrisch als das Volk, das sich im Boot lasterhaft und gotteslästernd die Zeit vertreibt. Zwei Personen machen sich einen Spaß daraus, nach einem aufgehängten Pfannkuchen mit dem Mund zu schnappen, ohne die Hände zu benutzen. Die Ähnlichkeit des Pfannkuchens mit einer übergroßen Hostie gemahnt an einen blasphemischen Hintergrund. Ein paar Nackte halten sich im Wasser auf, in das einer sich vom Boot aus übergibt.

Die „Allegorie auf Maßlosigkeit und Wollust“ zeigt einen Fettwanst auf einem Fass, aus dem in dünnem Strahl eine Flüssigkeit herausspritzt, die eine weitere Person mit einem Gefäß auffangen will. In einem Zelt vergnügt sich ein Paar. Einem Ast am Baum ist ein Hut übergestülpt, der erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Kondom hat (im Mittelalter war diese Verhütungsmethode bekannt, allerdings waren die Kondome natürlich nicht aus Gummi, sondern aus Leder oder Stoff gefertigt). „Knochenschuhe“, die ihren Besitzer als bösen Menschen ausweisen, sind im Vordergrund des Bildes verstreut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Fischer: "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch. Ansätze und Methoden der Forschung, 2001/2007, ISBN 978-3-638-70228-7 bzw. ISBN 978-3-638-28448-6
  • Stefan Fischer: Hieronymus Bosch: Malerei als Vision, Lehrbild und Kunstwerk (ATLAS. Bonner Beiträge zur Kunstgeschichte, Bd. 6), Köln 2009 (Diss. Uni Bonn), ISBN 978-3-412-20296-5
  • Fischer, Stefan: Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk, Taschen Köln 2013, ISBN 978-3836526289
  • Heinrich Goertz: „Bosch”, rowohlt monographien, Hamburg 1998, ISBN 3-499-50237-2
  • Rose-Marie und Rainer Hagen: „Bildbefragungen – Meisterwerke im Detail”, Benedikt Taschen-Verlag 1995
  • Wilhelm Fraenger: „Bosch”, Verlag der Kunst Dresden, 1975 [veraltet]
  • Roger H. Marijnissen: Hieronymus Bosch: Das vollständige Werk, unter Mitwirkung von Peter Ruyffelaere, Köln ²1999 [aktuell]
  • Du – Zeitschrift für Kultur, 750, Okt. 2004: Hieronymus Bosch: Verloren im Paradies [neueste Forschung, knapp gefasst]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hieronymus Bosch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Renate Trnek, Martina Fleischer: Das Weltgerichtstriptychon Von Hieronymus Bosch. Rosenheimer Verlagshaus, 1989
  2. a b biblos.com