Blaustein (Naturstein)

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Blausteinkreuz aus dem Jahre 1719 in Golzheim
verwitterter Blaustein mit Fossilien vom Aachener Dom (Ungarnkapelle)
Die Fassade von St. Michael in Aachen
Fensterleibung und Türsturz sowie Haussockel aus Blaustein

Blaustein ist eine Handelsbezeichnung für unterschiedliche Gesteine. Zu den bekanntesten Blausteinen zählen:

  • Rechter Blaustein - ein Schiefer aus dem Unterordovicium mit einem Alter von 488,3 bis 478,6 Millionen Jahren und
  • Aachener Blaustein - ein Kalkstein aus dem Mittel- bis Oberdevon mit einem Alter von 392 bis 374,5 Millionen Jahren und dem Unterkarbon mit einem Alter von 359,2 bis 328,3 Millionen Jahren.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Da die Steinbrüche bei Aachen erschöpft sind, kann dort kein hochwertiges Material mehr produziert werden. Als Ersatz wird meist Belgisch-Granit eingesetzt, der häufig auch als "Petit Granit" bezeichnet wird, dessen charakteristisches Merkmal das massenhafte Auftreten von Seelilienstilgliedern (Crinoiden) ist. Der Werkstein wird auch noch heute in Belgien, bei Soignies (Provinz Hennegau) und Tournai (Ourthe -Tal) abgebaut.[1] Belgisch-Granit ist ebenfalls ein Kalkstein und kein magmatisches Gestein wie beim Granit handelt.

Das englische Wort „bluestone“ bezeichnet ein Dolerit-Gestein, aus dem auch einige Steinblöcke von Stonehenge bestehen.

Rechter Blaustein[Bearbeiten]

50° 19′ 20″ N, 6° 3′ 26″ O Rechter Blaustein kam aus dem Ort Recht bei Sankt Vith in Ostbelgien. Der bläuliche Schiefer wurde dort zunächst im Übertagebau und ab 1880 im Untertagebau gewonnen. Vor dem Ersten Weltkrieg war das Bergwerk erschöpft und wurde geschlossen. Seit dem 18. Mai 2007 ist es wieder als Besucherbergwerk geöffnet.[2]

Aachener Blaustein[Bearbeiten]

50° 43′ 27″ N, 6° 13′ 17″ O Aachener Blaustein ist die Handelsbezeichnung für einen dunkelgrauen bis schwarzen Kalkstein aus unterschiedlichen geologischen Systemen, der am Nordrand des hohen Venns im Südosten von Aachen, in den Steinbrüchen im jetzigen Naturschutzgebiet Schomet abgebaut wurde. Vermutlich stammt die Bezeichnung von flämischen Steinmetzen, die nach dem Stadtbrand im 17. Jahrhundert nach Aachen kamen und hier die Bezeichnung Blaw Stejn einführten.[3] Bereits Hermann von Weinsberg (1518-1597), Ratsherr in Köln, beschreibt in seinen Lebenserinnerungen, dem Buch Weinsberg, Grabsteine aus Blaustein.

Die Gesteine des Unteren Walhorn-Massenkalk aus dem Givetium, des Oberen Walhorn-Massenkalk aus dem Frasnium sowie der Frasnium-Knollenkalk gehören zu den verwendeten Blaustein-Varietäten des Devons. Aus dem Unterkarbon wurden der Untere, Mittlere und Obere Kohlenkalk als Blaustein verarbeitet[4]. Charakteristisches Merkmal der Aachener Blausteine ist das Auftreten zahlreicher Fossilien wie Moostierchen (Bryozoen), Goniatiten, Hydrozoa, Korallen und Stromatoporen. Der Stein hat frisch geschlagen und poliert eine fast schwarze, blaugraue bis blaugrüne Farbe. Diese ändert sich zu weißgrau, wenn er lange Zeit der Verwitterung ausgesetzt ist.[3]

Genutzt wurde Blaustein als Werkstein für Fenstereinfassungen, Türschwellen, Treppen, Bodenbeläge, Grabmale sowie kirchliche Inneneinrichtungen wie Altäre und Taufbecken. Viele barocke Bauten Aachens und der Umgebung sowie auch der Sockel der gotischen Chorhalle des Aachener Domes sind aus Blaustein errichtet. Auch der mittelalterliche Kanal für die Pau bestand aus diesem Material.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Belgisch Granit. Naturstein Riedner, archiviert vom Original am 4. Oktober 2009, abgerufen am 14. März 2014.
  2. Schieferstollen Recht., abgerufen am 14. März 2014
  3. a b Aachener Blaustein. Naturstein- und Fliesenverarbeitung Waldeck, abgerufen am 14. März 2014
  4. Karl-Heinz Ribbert: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge - Teil 1 Nordeifel", Geologischer Dienst NRW, Krefeld, 2010 S. 36-43, 116
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