Blick zurück im Zorn

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Blick zurück im Zorn (Begriffsklärung) aufgeführt.
Daten des Dramas
Titel: Blick zurück im Zorn
Originaltitel: Look Back in Anger
Gattung: Schauspiel
Originalsprache: Englisch
Autor: John Osborne
Erscheinungsjahr: 1956
Uraufführung: 8. Mai 1956
Ort der Uraufführung: Royal Court Theatre, London
Personen
  • Jimmy Porter, ein junger Mann aus der Arbeiterklasse
  • Alison Porter, seine Frau
  • Cliff Lewis, Jimmys Freund
  • Helena Charles, Alisons Freundin
  • Colonel Redfern, Alisons Vater

Blick zurück im Zorn (Originaltitel: Look back in Anger) ist ein Schauspiel des britischen Dramatikers John Osborne in drei Akten, welches am 8. Mai 1956 in London uraufgeführt wurde und Osbornes Erstlingswerk darstellt.

Handlung[Bearbeiten]

Jimmy Porter ist ein 25-jähriger College-Absolvent, der einen Süßwarenstand betreibt und gemeinsam mit seiner Frau Alison, die ihn gegen den Willen ihrer Eltern heiratete, in einer beengten Mansardenwohnung lebt. Zwischen den Ehepartnern bestehen große Klassenunterschiede: Während Jimmy aus der Arbeiterklasse stammt, ist Alisons Familie eine der höheren Mittelschicht, ihr Vater arbeitet für das Militär. Auch im Charakter wird die Gegensätzlichkeit der beiden deutlich: Alison ist zurückhaltend und apathisch, während Jimmy öfter Wutanfälle hat, die auf die Gefühlskälte seiner eigenen Mutter zurückzuführen sind, die den Vater verlassen hatte. Jimmys Wut richtet sich dabei vor allem gegen Repräsentanten der Mittelklasse, zu der auch Alison gehört.

In Akt 1 lesen Jimmy und Cliff, der bei den Porters wohnt, die Sonntagszeitung, während Alison bügelt. Im Verlauf des Aktes wird Jimmy zunehmend ausfallender ihr gegenüber und demütigt sie gegenüber Cliff regelrecht. Die ganze Situation wird immer unkontrollierbarer, bis der Unfug, den Jimmy treibt, damit endet, dass das Bügeleisen Alison am Arm verbrennt. Jimmy stürmt von der Bühne und spielt versteckt Trompete. In einem vertraulicheren Moment erklärt Alison Cliff, dass sie ungewollt schwanger ist und nicht weiß, wie sie es Jimmy mitteilen soll. Cliff ermutigt sie, dies in jedem Fall bald zu tun. Als Jimmy auf die Bühne zurückkommt, sagt Alison, dass ihre Freundin Helena vorbeikommen wird. Aus Jimmys zorniger Reaktion kann man schließen, dass er sie verachtet.

Akt 2 beginnt wieder an einem Sonntag. Helena und Alison sitzen zusammen in der Küche und Alison schildert, warum sie Jimmy erwählt hat: Durch seine rebellische Art erschien er ihr wie ein „Ritter“. Jimmy betritt die Bühne und schimpft auf die beiden Frauen, besonders auf Helena. Als die beiden gehen wollen, glaubt er, betrogen zu werden. Durch ein wichtiges Telefonat wird er abgelenkt, sodass Helena die Gelegenheit ergreift, ihrer Freundin zu erzählen, dass sie ihre Eltern angerufen hat, damit diese sie „retten“ mögen. Nach einem Bruch in der Szene sieht man Alison mit ihrem Vater, der einen sympathischen Charakter darstellt und sie wieder mit nach Hause nimmt. Helena taucht erneut auf und gibt Cliff eine Notiz für Jimmy, der jedoch lehnt die Übergabe ab. Dann stürmt Jimmy herein und bedroht sie, sie solle ihm aus dem Weg gehen. Sie wiederum erzählt ihm, dass Alison schwanger ist, was ihn zwar überrascht, aber nicht daran hindert, sich weiter aufzuregen. Doch schließlich beginnen die beiden einander leidenschaftlich zu küssen und lassen sich auf das Bett fallen.

Akt 3, der Monate später einsetzt, ähnelt Akt 1, nur dass Helena am Bügelbrett steht und von Jimmy sehr viel wohlwollender behandelt wird als Alison einst. Die beiden und Cliff gehen in ein Varieté und er erzählt ihnen, dass er ausziehen wird. Die drei wollen eine letzte Nacht unter Freunden verbringen, und als Jimmy dann die Wohnungstür öffnet, steht eine mitgenommen aussehende Alison dort. Doch er interessiert sich nicht für sie und geht. Es kommt zu einem weiteren Bruch, nach dem Alison Helena schildert, dass sie das Baby verloren habe – dies hatte ihr Jimmy im 1. Akt noch gewünscht. Die beiden versöhnen sich, aber Helena sieht ein, dass sie unmoralisch gehandelt hat, und beschließt zu gehen. Sie erklärt Jimmy die Situation und er verabschiedet sie sarkastisch.

Das Stück endet überraschend: Jimmy und eine durch den Kindsverlust gereifte Alison versöhnen sich wieder.

Aufführungen[Bearbeiten]

  • Bei der Uraufführung 1956 am Royal Court Theatre in London spielte Kenneth Haigh Jimmy, Mary Ure Alison, Alan Bates Cliff, Helena Hughes Helena und John Welsh Colonel Redfern. Angeblich hörte man das Publikum nach Luft schnappen, als es des Bügelbretts auf der Bühne ansichtig wurde.
  • Ein Jahr später zog das Stück zum Broadway um, wo es von Tony Richardson inszeniert wurde. Helena Hughes wurde durch Vivienne Drummond ersetzt, und das Stück erhielt im Folgenden drei Tony Awards-Nominierungen. Haighs Darstellung des Jimmy bewegte eine junge Zuschauerin so, dass sie die Bühne erklomm und ihn ohrfeigte.
  • Das Stück debütierte in Deutschland am 7. Oktober 1957 im Schlossparktheater in Berlin.

Rezeption[Bearbeiten]

Das Stück wurde verschieden aufgenommen. Einerseits wurde es geschmäht, da man der Figur Jimmy Porter vorwarf, selbstmitleidig und langatmig zu sein. Cecil Wilson von der Daily Mail kritisierte unter anderem, dass man Mary Ures Schönheit verplempert habe und die Darstellerin auf der Bühne ständig bügeln müsse. Alan Sillitoe, Autor der Erzählung Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, der wie Osborne zu den Angry Young Men gezählt wurde, befand, Osborne habe „...nicht zum britischen Theater beigetragen, er hat eine Landmine ausgelöst und das meiste davon in die Luft gejagt.“

„Ich war wütend, weil es [das Stück] meine Zeit verschwendet hat.“

Journalist Ivor Brown für BBC Radio [1]

Andererseits erntete das Stück auch Lob durch seinen Blick auf die Jugend der damaligen Zeit.

„Ich gebe zu, daß Blick zurück im Zorn wohl ein Stück für den Geschmack der Minderheit bleiben wird. Ich zweifle, ob ich jemanden mögen könnte, der Blick zurück im Zorn nicht sehen möchte. Es ist das beste Jugendstück des Jahrzehnts.“

Theaterkritiker Kenneth Tynan[2]

„Es ist beeindruckend, zornig, fiebernd undiszipliniert und vor allem jung...“

Daily Express, Kritik nach der Uraufführung [3]

Inspiration[Bearbeiten]

Blick zurück im Zorn wurde stark durch Osbornes eigene Biographie beeinflusst. In seiner Ehe mit Pamela Lane lebte er selber in einer engen Wohnung in Derby und seine Ehefrau nahm seine Ambitionen, für das Theater zu schreiben, nicht ernst. Madeline, Jimmys verlorene Liebe, basiert auf Stella Linden, einer Theaterschauspielerin, die die erste war, die ihn zum Schreiben ermutigte.

Einfluss[Bearbeiten]

Nach der Uraufführung wurde John Osborne der erste Schriftsteller, der als „angry young man“ bezeichnet wurde. Mit diesem journalistischen Schlagwort assoziierte man nach dem Erfolg des Stückes Schriftsteller, deren politische Ansichten radikal oder sogar anarchistisch waren und deren Werke sich durch Gesellschaftskritik auszeichneten und Themen wie soziale Entfremdung behandelten.

Weiterhin ging Osborne nach der Uraufführung eine Beziehung mit der Alison-Darstellerin Mary Ure ein und verließ seine Ehefrau für sie (1957).

Verfilmung[Bearbeiten]

Das Stück wurde 1958 von Tony Richardson verfilmt. Einzig Mary Ure nahm ihre Rolle wieder auf. Der Jimmy Porter wurde von Richard Burton verkörpert.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Ivor Brown für The Critics von BBC Radio
  2. Knaurs großer Schauspielführer, 1985, S. 510
  3. Daily Express, Kritik nach der Uraufführung am 8. Mai 1956