Bloc Québécois

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bloc Québécois
Bloc Québécois-logo.svg
Partei­vorsitzende Annie Lessard (interim)
Gründung 15. Juni 1991
Haupt­sitz Montreal
Jugend­organisation Forum jeunesse du Bloc Québécois
Aus­richtung Separatismus
Sozialdemokratie
Parlamentsmandate
4/308
Website www.blocquebecois.org

Der Bloc Québécois ist eine sozialdemokratische und separatistische Partei in Kanada. Sie tritt ausschließlich in der französischsprachigen Provinz Québec zu Wahlen auf Bundesebene an. Mitglieder und Sympathisanten des Bloc werden als bloquistes (blɑˈkist) bezeichnet. Bei den Unterhauswahlen 2011 errang der Bloc 4 der 75 Sitze, die der Provinz Québec zustehen.

Politische Ausrichtung[Bearbeiten]

Abgesehen von der Unabhängigkeitsfrage positioniert sich der Bloc im linken politischen Spektrum. Unter anderem setzt er sich für die gleichgeschlechtliche Ehe, für die Legalisierung von Marihuana und für das Kyoto-Protokoll ein. Fernziel des Bloc ist die Unabhängigkeit Québecs, daneben vertritt er die Interessen der Einwohner Québecs im Bundesparlament. Der Bloc wird von zahlreichen Gewerkschaften unterstützt und arbeitet eng mit der nur auf Provinzebene tätigen Parti Québécois zusammen – er ist de facto der bundespolitische Arm dieser Partei, es existieren jedoch keine organisatorischen Bindungen. Gleichwohl unterstützten sich beide Parteien in Wahlkampagnen gegenseitig und viele Mitglieder gehören auch der jeweils anderen Partei an.

Geschichte[Bearbeiten]

Während der Stillen Revolution wurde in einem Teil der Bevölkerung der Gedanke einer Unabhängigkeit Québecs populär. Aus Protest gegen die schlechte soziale Lage der frankophonen Bevölkerung kämpfte der 1963 gegründete Front de libération du Québec (FLQ) gewaltsam für Unabhängigkeit Québecs. Die Regierung von Premierminister Pierre Trudeau bekämpfte die Terroristen mit harten Notstandsgesetzen und ließ die kanadische Armee in Montreal aufmarschieren. Die 1968 gegründete Parti Québécois übernahm unter seinem Vorsitzenden René Lévesque 1976 erstmals die Provinzregierung. Die PQ-Regierung erklärte 1977 Französisch zur alleinigen Amtssprache Québecs (siehe Charta der französischen Sprache) und organisierte 1980 das erste Referendum über die Unabhängigkeit der Provinz, das von den Wählern abgelehnt wurde.

In seiner heutigen Form entstand der Bloc Québéois 1990 aus einer informellen Verbindung von Abgeordneten der Progressiv-konservativen Partei und der Liberalen Partei, die nach dem Scheitern des Meech Lake Accord aus ihren Parteien austraten. Eigentlich sollte der Bloc nur eine vorübergehende Verbindung sein, die sich nach Erreichen der Unabhängigkeit auflöst. Die Liberalen sprechen bis heute von einer „vorübergehenden Ad-hoc-Regenbogen-Koalition.“ Angeführt wurde die informelle Vereinigung von Lucien Bouchard, der bis zu seinem Rücktritt aus Brian Mulroneys Bundesregierung Umweltminister gewesen war. Gilles Duceppe war der erste gewählte Abgeordnete des Bloc, als er im August 1990 eine Nachwahl gewann. Er trat als Unabhängiger an, da der Bloc zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Bundespartei registriert war.

Bei den Unterhauswahlen 1993, zwei Jahre nach der formellen Gründung, gewann der Bloc auf Anhieb 54 Sitze in Québec. Da sich die Stimmen der Opposition auf die Reformpartei, die Progressiv-Konservative Partei und die Neue Demokratische Partei verteilten, wurde der Bloc zweitstärkste Kraft im Parlament und somit „offizielle Opposition“. 1995 setzte die Parti Québécois ein zweites Referendum für die Unabhängigkeit an. Dieses Volksbegehren scheiterte knapp, 50,58 Prozent der Wähler in Québec stimmten für den Verbleib bei Kanada. Am Tag nach dem gescheiterten Referendum kündigte Provinzpremierminister Jacques Parizeau seinen bevorstehenden Rücktritt an. Daraufhin gab Bouchard sein Amt als Vorsitzender des Bloc auf und trat dessen Nachfolge an.

Als neuer Vorsitzender des Bloc folgte Michel Gauthier, der jedoch bereits nach einem Jahr zurücktrat und von Gilles Duceppe abgelöst wurde. Bei den Unterhauswahlen 1997 verlor der Bloc zehn Sitze sowie den Status als offizielle Opposition. Drei Jahre später fiel der Bloc auf den Tiefststand von 38 Sitzen. Hauptursache waren die von der PQ-Regierung vollzogenen unpopulären Zwangsfusionierungen von Gemeinden in mehreren Ballungsgebieten, was zu Sitzgewinnen der Liberalen in den entsprechenden Gebieten führte. Aufgrund der Unbeliebtheit der liberalen Provinzregierung von Jean Charest konnte der Bloc bei den Unterhauswahlen 2004 deutlich zulegen und erreichte wieder den Stand von 1993. Die absolute Mehrheit der Stimmen in Québec bei den Unterhauswahlen 2006 schien möglich zu sein, doch resultierten letztlich wegen des Aufstiegs der Konservativen Partei im ländlichen Raum drei Sitzverluste. Bei den Unterhauswahlen 2011 ergab sich ein starker Einbruch: Von 49 Sitzen, die bei den Unterhauswahlen 2008 gewonnen worden waren, konnten nur vier verteidigt werden.

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Ergebnisse bei den Wahlen zum Unterhaus:[1]

Wahl Sitze
total
Kandi-
daten
Gew.
Sitze
Stimmen Anteil
(in Kanada)
Anteil
(in Québec)
1993 295 75 54 1.835.784 13,52 % 49,3 %
1997 295 75 44 1.385.821 10,67 % 37,9 %
2000 301 75 38 1.377.727 10,72 % 39,9 %
2004 308 75 54 1.680.109 12,40 % 48,9 %
2006 308 75 51 1.553.201 10,48 % 42,1 %
2008 308 75 49 1.379.565 10,0 % 38,1 %
2011 308 75 4 889.788 6,0 % 23,4 %

Parteivorsitzende[Bearbeiten]

  • Lucien Bouchard (25. Juli 1990 – 16. Januar 1996)
  • Gilles Duceppe (16. Januar 1996 – 17. Februar 1996, interim)
  • Michel Gauthier (17. Februar 1996 – 15. März 1997)
  • Gilles Duceppe (15. März 1997 – 2. Mai 2011)
  • Vivian Barbot (2. Mai 2011 – 11. Dezember 2011, interim)
  • Daniel Paillé (11. Dezember 2011 – 16. Dezember 2013)
  • André Bellavance (16. Dezember 2013 – 25. Februar 2014, interim)
  • Annie Lessard (seit 25. Februar 2014, interim)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse vergangener Unterhauswahlen - Elections Canada