Blue-Ocean-Strategie

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Blue Ocean Strategy ist eine Methode zur Entwicklung dauerhaft profitabler Geschäftsmodelle aus dem Bereich des strategischen Managements. Grundgedanke der Methodik ist es, dass nur durch die Entwicklung innovativer, neuer Märkte, die der breiten Masse der Kunden und Nicht-Kunden wirklich differenzierende und relevante Nutzen bieten (sog. Blue Oceans), dauerhafte Erfolge erzielt werden können, unter anderem durch die bedeutungslos gewordene Konkurrenz, Neuakquirierung von Kunden und optimierten Kostenstrukturen.

Ursprung[Bearbeiten]

Das Konzept der Blue Ocean Strategy wurde von W. Chan Kim und Renée Mauborgne an der INSEAD Business School entwickelt und dort zunächst als Value Innovation bezeichnet.[1] Basierend auf empirischen Studien über eine Dauer von 15 Jahren konnten anhand der Analyse von mehr als 100 führenden Unternehmen Beispiele von Unternehmen gefunden werden, die neue, bis dahin ungenutzte Teilmärkte erschlossen und somit den bisherigen Wettbewerb irrelevant werden ließen.[2]

Konzept[Bearbeiten]

Der Begriff Ozean beschreibt im Zusammenhang mit der Blue Ocean Strategy einen Markt oder Industriezweig. "Blaue Ozeane" (Blue Oceans) werden als unberührte Märkte oder Industriezweige verstanden, die wenig bis gar keinen Wettbewerb aufweisen. Derjenige, der in den Blauen Ozean eintauchen würde, würde somit unentdeckte Märkte oder Industriezweige auffinden. "Rote Ozeane" (Red Oceans) hingegen bezeichnen gesättigte Märkte, charakterisiert durch harte Konkurrenz, überfüllt mit Mitbewerbern, welche alle den gleichen Service oder die gleichen Produkte anbieten.

Der Begriff "Roter Ozean" basiert auf dem Bild von blutigen Kämpfen von Raubfischen (die Mitbewerber), während der "Blaue Ozean" frei von blutigen Kämpfen ist.[3]

Red Ocean Strategy Blue Ocean Strategy
Wettbewerb im vorhandenen Markt Schaffung neuer Märkte
Die Konkurrenz schlagen Der Konkurrenz ausweichen
Die existierende Nachfrage nutzen Neue Nachfrage erschließen
Direkter Zusammenhang zwischen Nutzen und Kosten Aushebeln des direkten Zusammenhangs zwischen Nutzen und Kosten
Ausrichtung des Gesamtsystems der Unternehmensaktivitäten an der strategischen Entscheidung für Differenzierung oder niedrige Kosten Ausrichtung des Gesamtsystems der Unternehmensaktivitäten auf Differenzierung und niedrige Kosten

Hinter dem Konzept Blue Ocean Strategy steht der Gedanke, dass erfolgreiche Unternehmen sich nicht am Wettbewerb orientieren, sondern eigene innovative Wege suchen, um einen Blauen Ozean selbst zu kreieren. Innovationen eröffnen neue Märkte und steigern deren Attraktivität durch die Abwesenheit einiger unattraktiver Markteigenschaften, die im bisherigen Wettbewerb weniger geschätzt sind. Erfolgreiche Innovationen beruhen dabei selten auf technologischen Neuerungen, sondern vielmehr auf einer neuartigen Gestaltung des Gesamtangebots. Darunter ist häufig eine Neudefinition des Marktes oder des Konsumenten zu verstehen (siehe Beispiele).

Blue Ocean Methodik[Bearbeiten]

Wertekurven[Bearbeiten]

Zunächst wird für einen Markt oder Industriezweig eine Wertekurve erstellt, um zu klären, welche Kernelemente aus Sicht der Kunden und Nicht-Kunden diese kennzeichnen. Wichtige Merkmale können zum Beispiel bedeutsame und stark umkämpfte Kernattribute sein oder Investitionstreiber der Wettbewerber. Die Wertekurve eines Unternehmens wird visualisiert mit der Wertekurve des gegenwärtigen und potenziellen Wettbewerbs.

Wertekurven innerhalb einer strategischen Gruppe (z. B. Premium- vs. Billiganbieter) sind meist austauschbar und bilden einen Branchenstandard ab.

Durch die Veränderung der Kernelemente, die zuvor definiert wurden, können Wertekurve dauerhaft verändert werden. Es gibt vier Maßnahmen um Kernelemente neu zu definieren:

  1. Eliminierung: Welche Faktoren müssen weggelassen werden? Die Nutzenüberlegungen der Kunden können sich stark ändern, so dass einige Komponenten eines Produkts eliminiert werden müssen.
  2. Reduzierung: Was kann radikal gekürzt werden? Eine zu starke Differenzierung treibt die Kosten in die Höhe und kann die Kunden überfordern.
  3. Steigerung: Welche Elemente des Produkts müssen über den Branchenstandard gehoben werden?
  4. Kreierung: Welche Komponenten eines Produkts müssen neu erfunden werden?

Durch die Abänderung der Kernelemente einer Wertekurve sollen neue Business Modelle entwickelt werden können.

Umsetzung[Bearbeiten]

Bei der Umsetzung sind zwei Aspekte zu berücksichtigen:

  1. Organisationale Hürden überwinden (Tipping-Point-Management)
  2. Die Umsetzung in die Strategie einbinden

Beispiele[Bearbeiten]

Yellow Tail Wine[Bearbeiten]

Wenn nicht das älteste doch das wohl meist genutzte Beispiel ist ein Weinproduzent aus Australien. Die Firma hatte das "Stuck in the Middle"-Problem und konnte sich somit nicht richtig im Markt etablieren. Durch die Anpassung des Weins zu einem einfach zu trinkenden alkoholischen Getränk, einer Reduzierung der Qualität bei höheren Preisen, konnte die Firma gerettet werden.[4] Neue Zielgruppe waren nicht mehr Weintrinker mit Anspruch an Qualität und Körper des Weins sondern Biertrinker, die schlicht Alkohol konsumieren wollen.

Damit ist ein neuer Markt erschlossen worden, bzw. die Firma hat Verdrängung auf dem Biermarkt betrieben.

Southwest Airlines[Bearbeiten]

Das älteste Beispiel ist wohl die Geschichte des Low-Cost Carrier (Billigfluganbieter) Southwest Airlines, der alternative Industrien betrachtete und einen neuen Nutzen für potenzielle Kunden kreierte. Southwest Airlines positionierte sich als Wettbewerber zum Auto, nicht zu anderen Airlines und passte seine Strategie an die sich ergebenden Bedürfnisse an:

  • Reduzierte Preise durch Wegfall von zusätzlichen Dienstleistungen
  • Verbesserte Check-In-Zeiten und Abflugfrequenz
  • Ermöglicht dem Kunden eine hohe Reisegeschwindigkeit (Flugzeug) zu einem niedrigen Preis (vergleichbar mit Auto)

Hier hat also eine Neudefinition des Angebots stattgefunden. Kunde ist der gewöhnliche Reisende, nicht nur der Geschäfts- oder Urlaubsreisende.

The Body Shop[Bearbeiten]

Ein weiteres prominentes Beispiel ist das Konzept von The Body Shop, der einen neuen funktionalen und emotionalen Nutzen in der Kosmetikindustrie stiftete. Der meist glamouröse Auftritt von Kosmetikkonzernen wurde bei dem Body Shop Konzept außer Acht gelassen. The Body Shop stach durch einen funktionalen Auftritt, reduzierte Preise und unprätentiöse Verpackungen hervor. Es wurde ein gesteigerter Wert auf natürliche Inhaltsstoffe, gesunden Lebensstil und ethische Belange gelegt. Dadurch erreichte The Body Shop einen neuen Kundenstamm und konnte sehr hohe Kosteneinsparungen erzielen (ca. 85 % der Kosten über Verpackung und Werbung).

Nintendo[Bearbeiten]

Ein neueres Beispiel einer Blue Ocean-Strategie ist der Erfolg der Spielekonsole Nintendo Wii, welche für eine neue Zielgruppe für Videospiele entwickelt wurde. Nintendo weicht mit einem Steuerungskonzept mit Bewegungssensoren dem Konkurrenzkampf um Grafik- und Rechenleistung anderer Konsolen wie Microsofts Xbox oder Sonys Playstation aus.[5]

Nespresso[Bearbeiten]

Ein weiteres Beispiel ist die Einführung des Kaffeesystems Nespresso durch den Lebensmittelkonzern Nestlé.

Cirque du Soleil[Bearbeiten]

Cirque du Soleil hat sich im Zirkuswettbewerb einen neuen Markt geschaffen. Die augenfälligste Besonderheit ist, dass anders als in konventionellen Zirkussen keine Tiere gezeigt werden. Vielmehr stehen hier der Künstler und die Kombination von Unterhaltungselementen wie Oper, Ballett und Rockmusik im Vordergrund. Die Musik wird dabei ausschließlich live gespielt. Zielgruppe sind nicht mehr vornehmlich Familien mit Kindern, sondern Erwachsene, die bereit sind, für hochwertige Unterhaltung einen entsprechend höheren Eintrittspreis zu bezahlen.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Chan Kim, Renée Mauborgne: Der Blaue Ozean als Strategie. Wie man neue Märkte schafft, wo es keine Konkurrenz gibt. Carl Hanser Verlag, München und Wien 2005, ISBN 3446402179

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Creating new Market Space“, in: Harvard Business Review, Januar/Februar 1999, S. 83-93.
  2. „Blue Ocean Strategie“, in: Harvard Business Review, Oktober 2004, S. 173-181.
  3. insead.edu: A Conversation with W. Chan Kim and Renee Mauborgne
  4. yellowtailwine.com: Blue Ocean Strategy
  5. "Wii Innovate - How Nintendo Created a New Market Through the Strategic Innovation Wii"

Links[Bearbeiten]