Blumengärten Hirschstetten

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Wegweiser zu den Blumengärten Hirschstetten

Die Blumengärten Hirschstetten (ehemals Reservegärten Hirschstetten) in der Quadenstraße im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt gehören zur Magistratsabteilung (MA) 42 – Wiener Stadtgärten des Magistrats der Stadt Wien.

Palmenhaus der Blumengärten Hirschstetten
Dessertbanane im Palmenhaus

In den Blumengärten Hirschstetten werden für die öffentlichen Auspflanzungen benötigten Pflanzen gezogen. In der öffentlich zugänglichen Anlage können neben dem Palmenhaus im 60.000 m2 großen Florarium thematisch angelegte Schaugärten („Donaustädter Weinhügel“, „Garten der Provence“, „Chinesischer bzw. TCM-Garten“, „Urzeitgarten“ u.a.), ein nachempfundener traditioneller Bauernhof und mehrere kleine zoologische Bereiche (Wildkatzengehege, Ziegen am Bauernhof, Schildkröten-Garten, Insektarium im Palmenhaus u.a.) besichtigt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Silberblatt-Lavendel im „Garten der Provence“
Strauchpflanzungen im „Garten der Flora“

1860 erwarb die Stadt Wien die Gärtnerei des Bechard-Palais (heute Standort der Weißgerberkirche), um die für die städtischen Gartenanlagen benötigten Pflanzen selbst ziehen zu können. Zwischen 1867 und 1868 wurde ein neuer Standort auf dem Heumarkt im Bereich des heutigen Wiener Eislaufvereins bezogen, der allerdings 1896/1897 wegen der Wienflussregulierung zu Gunsten der neuen Adresse in der Vorgartenstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt aufgegeben wurde.

Auf den dort zur Verfügung stehenden 46.000 m2 Grundfläche befanden sich Mistbeete, 25 Glashäuser und ein Palmenhaus, das der Überwinterung von Kübelpflanzen diente, die bei städtischen Repräsentationsveranstaltungen als Dekoration dienten.

Ein weiterer Reservegarten, der Reservegarten Kagran, mit 71.300 Quadratmetern Größe war um 1926 allerdings nicht in Betrieb, sondern war an die Kleingartenstelle der Stadt Wien verpachtet und diente so der Versorgung von Siedlern und Kleingärtnern.

Vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestanden in Wien zwei große städtische Gärtnereien sowie sechs kleinere Glashausbetriebe.

Mit der Übernahme des Grundstücks in der Quadenstraße begann das Wiener Stadtbauamt mit den Planungsarbeiten für die neue städtische Gärtnerei.

Gründe für die zwischen ab 1957 erfolgte schrittweise Übersiedlung nach Hirschstetten waren die schweren Kriegsschäden an der Anlage in der Vorgartenstraße und auch die Abgase des nahe gelegenen Dampfkraftwerks Engerthstraße. Gleichzeitig wurden mit dieser Maßnahme auch verschiedene kleine Gärtnereien aufgelassen, so dass nur noch die beiden großen Standorte Hirschstetten und die ehemaligen Rothschildgärten auf der Hohen Warte bestehen blieben.[1] Auf dem bisherigen Standort wurden der neue Vorgartenmarkt sowie Wohnhäuser errichtet. [2]

Seit 1982 besteht eine Dependance in der Hänischgasse in Eßling.

Im September 2002 wurde der ursprüngliche Name Reservegarten Hirschstetten auf Blumengärten Hirschstetten geändert. [3] Besucher können die Anlage von April bis Oktober besichtigen, in den Wintermonaten bleibt das Palmenhaus geöffnet.

Prominente Besucher[Bearbeiten]

Im Jahr 1958 besuchte der österreichische Minister Oskar Helmer den Reservegarten [4] , im Juni 1963 war der indonesische Staatspräsident Sukarno gemeinsam mit Bürgermeister Franz Jonas [5] - dieser erhielt im August des gleichen Jahres zwei im Reservegarten gereifte Bananen als Geschenk [6] - zu Gast.

Anlage[Bearbeiten]

Eingangsbereich
Gewächshäuser und Beispiel für einen Formschnitt

Die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung modernste städtische Großgärtnerei Europas umfasste auf einer Fläche von 18 Hektar

  • 24 Kulturhäuser in der Größe von 6 x 22 Metern,
  • 3 Glashäuser in der Größe von 8 x 22 Metern,
  • 3 Glashausblockanlagen mit 27 Schiffen,
  • 1 Großgewächshaus (Palmenhaus) mit drei Abteilungen. Diese sind mit Verbindungsgängen miteinander verbunden, die auch mit Lastkraftwagen befahren werden können.

Zu den auf diese Art verbauten 9629,5 Quadratmeter Grundfläche kamen noch rund 8.000 Quadratmeter an Mistbeeten dazu.

Weiters wurden unter anderem auch zwei Überwinterungshäuser für Kalthauspflanzen, zwei Topfhäuser zur Lagerung von Blumentöpfen, ein Wohnhaus für Bedienstete, ein Gästehaus für Gärtner aus dem Ausland, ein Personalgebäude sowie Stallungen, in denen Wasservögel aus den Wiener Parkanlagen (Flamingos, Pelikane, Fischreiher, Störche, Schwäne und Enten) überwintert wurden, errichtet.

Zur technischen Ausstattung des Reservegartens Hirschstettens gehörte auch eine Wärmepumpe, welche nach dem Theresienbad in Meidling die zweite derartige Anlage in Wien war. [1]

Florarium[Bearbeiten]

Das so genannte Florarium umfasst auf einer Fläche von 60.000 m2 zahlreiche Themengärten mit sowohl heimischen wie auch Pflanzen aus anderen Regionen wie Palmen, Zitrusgewächsen uva. sowie Wassergärten und einen Irrgarten aus Liguster-Hecken.

Palmenhaus[Bearbeiten]

Mediterrane Zone im Palmenhaus

Im Palmenhaus wird auf 700 m2 in drei Bereichen die Flora, in kleinem Umfang auch die Fauna, aus drei Klimazonen präsentiert. Der zentrale Bereich, der auch einen Teich und einen Wasserfall umfasst, zeigt Pflanzen aus tropischen Regionen, die beiden seitlichen Trakte einerseits Pflanzen des Mittelmeerraumes, anderseits den sog. Palmenhain.[7]

Zoologische Anlagen[Bearbeiten]

Straußwachtel im Palmenhaus

Das Palmenhaus beherbergt Gehege mit Nördlichen Spitzhörnchen und Felsenmeerschweinchen sowie mehrere Insektarien und Terrarien. Zwischen den Pflanzen leben Vögel wie Straußwachteln, Ganges-Brillenvögel u.a. Im Florarium befinden sich Gehege für verschiedene Schlangen und ein Wildkatzenpärchen, der Schildkröten-Garten und am Bauernhof ein Areal für Ziegen. Ursprünglich in einem eigenen Gehege gehaltene Ziesel haben sich rasch auf weiten Teilen des Areals ausgebreitet und bewohnen nun u.a. den Weinhügel.[8]

Leistung[Bearbeiten]

Blumen-Arrangement in Form eines Schmetterlings

Viermal jährlich findet in Wien eine frische Bepflanzung von Grünflächen in Parks, Pflanzschalen an verschiedenen Standorten sowie auf Verkehrsinseln statt.

Zwischen Februar und März werden rund 260.000 Frühlingsblumen (mehrheitlich Primeln), zwischen Mai und September rund 1.200.000 Sommerblumen sowie zwischen September und Dezember rund 50.000 im Herbst blühende Pflanzen (beispielsweise Chrysanthemen, Eriken und Zierkohl) ausgepflanzt, welche neben Pflanzen aus dem Zweigbetrieb in Eßling zum überwiegenden Teil aus den Blumengärten Hirschstetten stammen. Dazu kommen noch rund 50.000 mehrjährige blühende Stauden, die ebenfalls aus den Blumengärten Hirschstetten stammen. [9]

Eine weitere Aufgabe der Blumengärten sind die pflanzliche Ausstattung von Amtshäusern, Schulen und Krankenhäusern, von Bällen der Stadt Wien, aber auch von Präsentations- und Informationsveranstaltungen der Stadt Wien. [10]

In Krisenzeiten sollte der Reservegarten Hirschstetten herangezogen werden, um für die Wiener Spitäler, Kindergärten und sonstigen Wohlfahrtsanstalten Gemüse zu erzeugen.[11]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Blumengärten Hirschstetten sind auch Schauplatz verschiedener Veranstaltungen. So finden etwa spezielle Blumenschauen (Orchideenschauen, [12] …), Ausstellungen mit lokalem Interesse [13] sowie eine Weihnachtsschau mit Christkindlmarkt [14] statt.

Darüber hinaus kann das Palmenhaus für Veranstaltungen gemietet werden. Außerdem stellen das Rosarium und das Palmenhaus beliebte Veranstaltungsorte für Trauungen dar. [15]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. a b Glashäuser, mit kaltem Wasser geheizt. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 8. September 1957, S. 8.
  2. http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1961/juli.html abgerufen am 3. Februar 2009
  3. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F2002%2F0906%2F009.html abgerufen am 3. Februar 2009
  4. http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1958/mai.html abgerufen am 3. Februar 2009
  5. http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1963/juni.html abgerufen am 3. Februar 2009
  6. http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1963/august.html abgerufen am 3. Februar 2009
  7. Blumengärten Hirschstetten: Palmenhaus in den Blumengärten Hirschstetten], abgerufen am 2. Dezember 2014
  8. Blumengärten Hirschstetten: Zoologischer Garten Hirschstetten, abgerufen am 2. Dezember 2014
  9. http://www.wien.gv.at/umwelt/parks/statistik.html abgerufen am 3. Februar 2009
  10. http://www.wien.gv.at/umwelt/parks/blumengaerten-hirschstetten/fakten.html abgerufen am 3. Februar 2009
  11. Blühendes Reservoir der Großstadt. Im Reservegarten der Gemeinde Wien. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 11. Juni 1958, S. 7.
  12. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F1994%2F0210%2F008.html abgerufen am 3. Februar 2009
  13. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F1996%2F0829%2F009.html abgerufen am 3. Februar 2009
  14. http://www.wien.gv.at/umwelt/parks/blumengaerten-hirschstetten/index.html abgerufen am 3. Februar 2009
  15. http://www.wien.gv.at/verwaltung/personenwesen/ehe/gartenhirschstetten.html abgerufen am 3. Februar 2009

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blumengärten Hirschstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.23797222222216.473277777778Koordinaten: 48° 14′ 17″ N, 16° 28′ 24″ O