Bolschoi-Theater

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Bolschoi-Theater (2011)

Das Bolschoi-Theater (russisch Большой театр „Großes Theater“) in Moskau ist das bekannteste und wichtigste Schauspielhaus für Oper und Ballett in Russland. Es bildet ein Paar mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Maly-Theater („Kleines Theater“).

Geschichte[Bearbeiten]

Das heutige Bolschoi-Theater besteht seit dem Jahr 1776. Damals erhielt Fürst Peter Urussow von der Kaiserin das Alleinrecht, in Moskau Schau- und Singspiele aufzuführen. Die ersten Schauspieler waren Leibeigene des Fürsten. Die Aufführungen fanden zuerst noch in einem Privathaus statt, erst im Jahr 1780 entstand der Theaterbau am heutigen Standort. Das Bauwerk steht auf Holzpfählen in einem ursprünglich sumpfigen Teil des Moskauer Zentrums.

Das Bolschoi-Theater 1932

Zuerst war das Theater nach der vorbei führenden Straße Petrowski-Theater benannt. Im 18. Jahrhundert wurden überwiegend Opern russischer Komponisten aufgeführt, aber auch Dramen und Ballette. Das Theater ist auch die Heimat des Bolschoi-Balletts.

1805 brannte das Theatergebäude ab und wurde 20 Jahre später durch den Architekten Joseph Bové (auch: Ossip Bowe) neu errichtet. Erst damals erhielt es den Namen Bolschoi-Theater. Am 6. Januarjul./ 18. Januar 1825greg. wurde das neue Bolschoi-Theater mit dem Prolog Der Triumph der Musen zur Musik von Alexei Werstowski und Alexander Aljabjew und Fernando Sors Ballett Cendrillon wieder eröffnet.

1853 zerstörte erneut ein Brand die Inneneinrichtung des Theaters. Daraufhin stattete der italienische Architekt Alberto Camillo Cavos (1800-1863), Sohn des Komponisten Catterino Cavos (1775–1840), das Gebäude noch kostbarer aus. Bis heute ist bis auf kleinere Veränderungen diese Einrichtung erhalten geblieben. Durch seine außergewöhnliche Architektur im Stil des russischen Klassizismus gehört das Gebäude des Bolschoi-Theaters heute zu den schönsten Theaterbauten der Welt.[1]

In den Zeiten der Sowjetunion tagten hier die Parteitage der KPdSU und die Kongresse der Kommunistischen Internationalen. 1941 wurde der Eingangsbereich von einer deutschen Fliegerbombe getroffen, der nächste Parteitag wurde deshalb in eine Station der Moskauer Metro verlegt. Bei den Renovierungsarbeiten der letzten Jahre entdeckte man, dass sich Stalin am linken Bühnenrand eine stark gepanzerte, bunkerähnliche Loge hatte bauen lassen.[2]

Gegenwart[Bearbeiten]

Zuschauerraum des Bolschoi-Theaters

Am Bolschoi-Theater, welches über 1.800 Zuschauerplätze verfügt, arbeiten etwa 900 Schauspieler, Tänzer, Sänger und Musiker. Die Stars sind meist auf Tournee in aller Welt unterwegs und daher selten in Moskau anzutreffen.

Ein Besuch des Bolschoi-Theaters gehört oft zum Programm eines Moskautouristen. Eintrittskarten für die oberen Ränge sind bereits ab etwa acht Euro zu bekommen. Kartenhändler vor dem Eingang verkaufen die Karten jedoch zu weit überteuerten Preisen, da die Veranstaltungen meist restlos ausverkauft sind.

Für eine grundlegende Renovierung und Restaurierung von Mitte 2005 bis Ende Oktober 2011 war das Bolschoi-Theater geschlossen. Das Gebäude, dessen Mauerwerk teilweise aus drei Epochen stammt, war baufällig geworden, sodass eine grundlegende Erneuerung notwendig wurde.[3] Schätzungen zufolge betrugen die Renovierungskosten 25,5 Milliarden Rubel, umgerechnet fast eine Milliarde Euro. Offizielle Angaben beliefen sich auf die Hälfte. Während der Schließungszeit ging die erste Riege des Bolschoi-Theaters auf ausgedehnte Gastspiele in Russland und der übrigen GUS. Ende 2002 wurde nahe dem Theatergebäude ersatzweise eine neue Bühne in Betrieb genommen, auf der ein Teil des Repertoires in der Umbauzeit weitergespielt wurde. Am 28. Oktober 2011 wurde das Haus wiedereröffnet.

Die Abbildung des Bolschoi-Theaters wurde auf einer modernen russischen Münze (in Silber) geprägt sowie auf den 100-Rubel-Schein gedruckt.

Am 17. Januar 2013 wurde der Intendant Sergej Filin mit Schwefelsäure angegriffen und verlor dabei sein Augenlicht.[4] Bei einer Vorführung am 16. Juli 2013 stürzte der 65-jährige Violinist Viktor Sedow sechs Meter in den Tod.[5]

Filme[Bearbeiten]

  • Bolschoi - Eine Wiedergeburt. Dokumentarfilm, Frankreich, 2011, 52 Min., Buch und Regie: Denis Sneguirev, Produktion: arte France, Bel Air Media, Groupe Summa, deutsche Erstausstrahlung: 28. Oktober 2011, Inhaltsangabe von arte.
  • Tanz am Bolshoi. Das Comeback der Moskauer Balletttruppe. Dokumentarfilm, Deutschland, 2009, 30 Min., Buch und Regie: Reiner Penzholz, Produktion: Eurokick, 3sat, ZDF, Erstausstrahlung: 22. August 2010 in 3sat, Inhaltsangabe von ARD.
  • Das große Bolshoi. Das Moskauer Opernhaus im Umbruch. Dokumentation, Deutschland, 2009, 45 Min., Regie: Reiner Penzholz, Erstausstrahlung: 23. Dezember 2009 in 3sat, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bolschoi-Theater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Querschnitt des Bolschoi-Theaters nach der Renovierung, RIA Novosti, Oktober 2011
  2. Das Bolschoi-Theater – Geschichte und Kontaktinformationen
  3. Bolschoi-Dossier, arte, 28. Oktober 2011, zur Wiedereröffnung des Bolschoi 2011, mit Videos
  4. Spiegel Online: Crime Story: The Dark World of Moscow's Bolshoi Theater, abgerufen am 18. Juli 2013
  5. Tages-Anzeiger: Bolschoi-Geiger stirbt nach Sturz in Orchestergraben, abgerufen am 18. Juli 2013

55.76027777777837.618611111111Koordinaten: 55° 45′ 37″ N, 37° 37′ 7″ O