Buju Banton

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Buju Banton (Auftritt beim Ilosaarirock-Festival 2006)

Buju Banton, mit bürgerlichen Namen Mark Anthony Myrie (* 15. Juli 1973 in Kingston, Jamaika), wird neben Sizzla und Capleton zu den bedeutenden Stimmen der jamaikanischen Musik in den 1990er Jahren gezählt. Unter seinem Künstlernamen Buju Banton wurde er ein bekannter Reggae-Dancehall- bzw. Ragga-Sänger.

Banton wuchs als jüngstes von 15 Kindern (13 Schwestern, 1 Bruder) in einem Außenviertel von Kingston auf, dem Slum Salt Lane. Den Spitznamen Buju (in der Maroonsprache: Brotfrucht) bekam er von seiner Mutter, weil er in seiner Jugend etwas rundlich war; der Nachname Banton stammt von einem Jugendidol, dem Deejay Burro Banton; nebenbei heißt "Banton" im Patois "Geschichtenerzähler". Ein weiterer Spitzname Bantons ist Gargamel.

Biographie[Bearbeiten]

1985 bis 1991: Die Anfänge[Bearbeiten]

Bereits im Alter von zwölf Jahren hatte Buju Banton unter dem Namen Lambada Man erste öffentliche Auftritte als DeeJay, der in den Dancehalls über verschiedene Aufnahmen chattet. Tonto Irie stellt ihn wenig später Robert French vor, auf dessen Label 1986 die durch ihn produzierte Debütsingle The Ruler erscheint. Im Jahr darauf, 1987, arbeit er dann zunächst mit Red Dragon und Bunny Lee, später auch mit Winston Riley und produziert auf verschiedenen Kingstoner Labels mehrere Singles.
Eine wichtige Rolle spielt dann das Zusammentreffen mit Dave Kelly, der seinerzeit Studioengineer bei Donovan Germaines Penthouse Studio war. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen Bantons erste große Singles wie Love Me Browning und später Women Nuh Fret, Batty Rider und Bogle Dance. Mit Love Me Browning, einem Lied, das Bantons Vorliebe weißen Frauen gegenüber Ausdruck verleiht, entstand im selbstbewussten Jamaika erstmals eine kontroverse Diskussion über Bantons Texte.

1991 bis 1995: Erfolg und Kontroverse[Bearbeiten]

Darauf folgte das Debütalbum Stamina Daddy (1991) und Mr. Mention, das im Jahr 1992 ebenfalls bei Penthouse erschien und in Jamaika alle Verkaufsrekorde und selbst Bob Marleys Verkaufszahlen übertraf. 1992 erschien als Single der Tune Boom bye bye, in dem es heißt:

„The world is in trouble
Anytime Buju Banton come
Batty boy get up and run
ah gunshot in ah head man
Tell dem crew … it’s like
Boom bye bye, in a batty boy head,
Rude boy nah promote no nasty man,
them hafi dead.“

Buju Banton: Tune Boom bye bye

Batty Boy ist eine Ausdrucksweise der Jamaikanischen Kreolsprache Patois, die einen homosexuellen Mann beschreibt. In Boom Bye Bye fordert Banton also die regelrechte Hinrichtung (Schuss in den Kopf) homosexueller Menschen. Auch in jüngerer Zeit, als geplante Konzerte in Deutschland bekannt wurden, kam es zu Protesten, Konzertabsagen und einer Kampagne des LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland). Auch nach Druck seines Labels entschuldigte Banton sich nicht für diesen Text und reihte sich neben Künstlern wie Bounty Killer und Beenie Man in die Liste der Autoren homophober Lyrics ein. Anfang der 1990er begann sich Banton für HIV-positive Kinder zu engagieren, in dem er eine Stiftung mit dem Namen Willy gründete. Der Name ist eine Anspielung auf den Tune Willy Don’t Be Silly der 1993 auf dem Longplayer Voice of Jamaica veröffentlicht wurde. In ihm fordert er die Nutzung von Kondomen. Bis 1995 besaß Banton ein eigenes Label namens Gargamel und ein eigenes Aufnahmestudio.

ab 1995[Bearbeiten]

Nach dem Tod eines engen Freundes, der 1995 bei einer Schießerei ums Leben kam, bekannte sich Buju Banton zum Rastafari. An Stelle von Slackness- und Gunlyrics, wurden nunmehr zunehmend spirituelle und gesellschaftliche Umstände thematisiert. Diese musikalische Wandlung manifestiert sich schon im selben Jahr, in dem das Album 'Til Shiloh mit dem den Vorfall direkt verarbeitenden Tune Murderer erschien. In "Til Shiloh" und später im Album "Inna Heights", vereint Buju Banton Reggae und den Dancehall. Buju Banton ist bis heute ein Künstler mit einem weiten Spektrum, der nach wie vor Reggae- und Dancehallriddims besingt. 2003 erscheint das Album Friends for Life.

Dennoch konnte Buju Banton sich nicht der Kontroverse vor allem um Boom Bye Bye entziehen, da er in Jamaika immer noch homophobe Texte sang. 2004 wurde er verhaftet, da er beschuldigt wurde, an einem bewaffneten Überfall auf eine Gruppe schwuler Männer beteiligt gewesen zu sein. Dabei drangen die Beschuldigten in ein Haus ein und verletzten mehrere Personen. [1] Es kam jedoch zu keiner Verurteilung. [2]

Nach vehementen Protesten u.a. deutscher Schwulen- und Lesben-Organisationen gegen seine Battyman-Tunes wurde 2004 die Hälfte der in jenem Jahr angesetzten Auftritte in Deutschland abgesagt.

2006 meldete er sich nach 3-jähriger Pause mit dem Album Too Bad zurück. Es war sein erstes reines Dancehall-Album seit 1993 und wurde für den Grammy unter "Bestes Reggae-Album 2007" nominiert. Doch erst im Jahr 2011, vier Nominierungen später, gewann Buju mit Before the Dawn seinen ersten Grammy.[3]

2008 publiziert Buju Banton in seinem eigenen Label-Magazin einen Aufruf an Dancehall-Künstler: "Wir haben [in Jamaika] ein fürchterliches Problem mit Waffen, Politikern [...] und Lesben und Schwulen. [In] Anbetracht des sozialen Verfalls der Gesellschaft" müssten die Künstler die Inhalte ihrer Songs überdenken.[4] Nach Informationen der "Stop Murder Music Bern"-Kampagne wurden seit Oktober 2007 keine Lieder homophoben Inhalts mehr öffentlich gespielt.[5]

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien prüfte 2008 eine Indizierung seiner Platten.[6] Indizierungen erfolgten jedoch nicht.

Im Februar 2011 wurde Buju Banton des organisierten Drogenhandels schuldig gesprochen. Er war bei einer fingierten Übergabe von 5 kg Kokain verhaftet worden und verbüßt nun eine 10-jährige Haftstrafe in Florida.[7][8]

Diskografie[Bearbeiten]

  • 2010 - Before The Dawn
  • 2009 - Rasta Got Soul
  • 2007 - Inna Heights (10th anniversary edition)
  • 2006 - Too Bad
  • 2004 - Buju and Friends
  • 2003 - Friends For Life
  • 2002 - Want It
  • 2002 - The Voice of Jamaica (Expanded)
  • 2002 - The Best of Buju Banton
  • 2002 - It's All Over
  • 2001 - Ultimate Collection
  • 2001 - Live in Panama
  • 2001 - The Early Years (90-95)
  • 2000 - Unchained Spirit
  • 2000 - Live at Summer Jam (kein offizieller Release)
  • 2000 - Flames Of Freedom
  • 2000 - Dubbing with the Banton
  • 1998 - Quick
  • 1997 - Inna Heights
  • 1997 - Rudeboys Inna Ghetto mit Posse
  • 1997 - Chanting Down The Walls Of Babylon mit Anthony B
  • 1995 - 'Til Shiloh
  • 1993 - Voice Of Jamaica
  • 1992 - Mr. Mention
  • 1991 - Stamina Daddy

Quellen[Bearbeiten]

  1. guardian.co.uk: Police seek Jamaican singer after armed attack on gay men
  2. http://www.jamaicaobserver.com/news/html/20050930T230000-0500_89495_OBS_BUJU_BANTON_MOBBED_BY_FANS_OUTSIDE_COURT.asp (en)
  3. http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5gu1r5g4iO3y9PDr0LjwqNF8QXdQA?docId=81e6bcccd92841959c07c8befd42a7de
  4. http://www.ttgapers.com/News/2008/5/14/buju-banton-pleads-with-artistes-to-clean-up-lyrics
  5. http://www.reitschule.ch/reitschule/stopmurdermusic/Texte/DerFallBujuBanton.pdf: Siehe insbesondere Seite 2 und 4, 1. Abschnitt
  6. Laut.de: Bounty Killer u.a.: Regierung Vs. Reggae-Stars. 18. Juli 2008
  7. bigupmagazine.de: Baju Banton wegen Drogendeal verhaftet (letzter Abruf 24. Februar 2011)
  8. stern.de: Reggae Star wegen Kokainhandels zu 10 Jahren Haft verurteilt

Weblinks[Bearbeiten]