Caernarfon Castle

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Ansicht der Burg bei Ebbe
Turm und Wehrgang
Historische Darstellung der Burg (W) im Süden der Stadt

Caernarfon Castle (auch Caernarvon) ist eine gut erhaltene Burgruine in Caernarfon (Wales).

Anlage[Bearbeiten]

Caernarfon ist die letzte große Burg, die Eduard I. ab der Zeit seines zweiten Feldzuges 1282/83 in Nord-Wales in mehreren Etappen errichten ließ (Beaumaris Castle wurde zwar später begonnen, aber nie fertiggestellt). 1327 war die Anlage schließlich vollendet. Sie sollte gleichzeitig als Festung und Palast dienen.

Die Burganlage ist von länglicher Form. Eine Ringmauer umschließt einen großen Burghof von mehr als 100 Meter Länge, der an seiner schmalsten Stelle quer in zwei Abschnitte geteilt ist. Die Trennmauer ist aber nicht erhalten. Auf doppelte Ringmauern, wie in Beaumaris Castle und Harlech Castle, wurde verzichtet. Damit ähnelt die Anlage der von Conwy Castle.[1] Die Burg hat sieben größere und zwei kleinere Türme sowie zwei doppelte Torhäuser. Überall findet man Zeichen eines Verteidigungssystems durch Bogenschützen, das ebenso erfinderisch und komplex war wie die besten Festungsanlagen in Europa. Ein Keep im engeren Sinne existiert nicht. Stattdessen ist ein Mauerturm besonders umfangreich, der sogenannte Eagle Tower.[2]

Im Erscheinungsbild fallen waagerechte Streifen im Mauerwerk auf, offenbar gemeint als Verweis auf die Theodosianische Mauer von Konstantinopel, wobei das hellere Mauerwerk aus Kalkstein besteht und das dunklere aus Sandstein. Die imposante Architektur sollte auch Eduards Machtanspruch in Wales deutlich machen, was aber nicht bedeutet, dass die militärische Funktion vernachlässigt wurde.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Da Caernarfon von Eduard als neuer Regierungssitz von Nordwales geplant war, wurde sein Sohn Eduard II. 1284 auf der Burg als „Prince of Wales“ geboren. Sie galt infolgedessen jahrhundertelang als Symbol der Unterdrückung Wales’ durch England. Die im Bau befindliche Burg wurde während eines walisischen Aufstands 1294 geplündert, doch zwischen 1401 und 1404 widerstand sie zweimal den Belagerungen durch Owain Glyndŵr und wurde bis zum Englischen Bürgerkrieg (1642–1649) nie wieder aufgegeben. In den Bürgerkriegen wechselte die Burg von 1644 bis 1646 dreimal den Besitzer und fiel schließlich in die Hände der Parlamentarier.

In der viktorianischen Zeit und auch danach wurde die Burg umfassend restauriert. 1911 fand im Innenhof erstmals die zeremonielle Verleihung des Titels „Prince of Wales“ an den britischen Thronfolger statt. Der zweite und vorerst letzte, der diesen Titel in Caernarfon erhielt, war am 1. Juli 1969 Charles, der älteste Sohn von Königin Elisabeth.

Literatur[Bearbeiten]

  •  David James Cathcart King: The Castle in England and Wales. An Interpretative History. Routledge, 1988, ISBN 978-0-918400-08-6, S. 115.
  •  Reginald Allen Brown: Castles from the air. Cambridge University Press, Cambridge [u. a.] 1989, ISBN 978-0-521-32932-3, S. 65–67.
  •  Christopher Gravett: The Castles of Edward I in Wales 1277-1307. Osprey Publishing, 2007, ISBN 978-1-84603-027-7.
  • Adrian Pettifer: Welsh castles. A guide by counties. 1. Auflage, Boydell & Brewer, Woodbridge 2000, ISBN 0-85115-778-5, S. 19–27 (books.google.de).
  • Geraint Roberts: Welsh castles. 2. Auflage. Y Lolfa Cyf., Talybont 2006, ISBN 0-86243-550-1, S. 44–46 (books.google.de).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Caernarfon Castle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D. J. Cathcart King: The Castle in England and Wales, S. 115.
  2. R. A. Brown: Castles from the air, S. 65–67.
  3. R. A. Brown: Castles from the air, S. 65–67.

53.139355-4.27689Koordinaten: 53° 8′ 22″ N, 4° 16′ 37″ W