Catuaba

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Catuaba ist eine Droge, die aus verschiedenen Pflanzen hergestellt wird. Verwendete Pflanzen sind unter anderem Trichilia catigua, Anemopaegma arvense und Erythroxylon-Arten (Verwandte des Cocastrauchs).

Geschichte und Beschreibung[Bearbeiten]

Erythroxylum catuaba wurde 1904 erstmals von A. José da Silva beschrieben (Da Silva, Arthur José 1904, 2004, 2005), um eine in Bahia (Brasilien) als Catuaba gesammelte Droge taxonomisch einordnen zu können. Allerdings ist außer der Beschreibung der Art kein Vergleichsmaterial in Herbarien vorhanden, mit dem man heute die von A.J. da Silva als Erythroxylon catuaba beschriebene Pflanzenart vergleichen könnte. Der legitime Status als anerkannte Art von Erythroxylum catuaba ist unsicher. Raymond Hamet (1936) hat sich der Beschreibung von Erythroxylum catuaba nochmals angenommen und stellte fest, dass die Beschreibung und Illustration der Pflanzenart durch A. José da Silva nicht zu anderen Arten des Pflanzengenus Erythroxylum passt. Bereits Hamet meinte, dass die Beschreibung von Erythroxylum catuaba möglicherweise eine Trichila-Art sei. Die Droge Catuaba wurde von anderen auch als von Tetragastris catuaba N.S. da Cunha (1939) (Familie Burseraceae) (Daly, 1990), und von Anemopaegma arvense (Vell.) Stellf. (Familie Bignoniaceae) abstammend beschrieben (Rodolpho Albino Dias da Silva, 1926, 1934). Auch Erythroxylum vaccinifolium Martius (1840) wird als die Art genannt, aus der Catuaba hergestellt wird.

1966 hat Adolpho Ducke festgestellt, dass Catuaba eine Trichilia-Art (Familie Meliaceae) sein muss. Luís Carlos Marques, Professor für Pharmakognosie an der Universidade Estadual de Maringá (Paraná), überprüfte nochmals diese Angaben und stellte fest, dass Trichilia catigua Adr. Juss. diejenige Art sei, aus der die Droge Catuaba gemacht wird (Mello 1996, Marques 1998).

Nach Rodolpho Albino Dias da Silva (1926, 1934) wird der unterirdische Wurzelteil von Anemopaegma arvense (Vell.) Stellf. (synonym Anemopaegma mirandum (Cham.) Mart. ex DC) als Catuaba verwendet. Andere Autoren stellen fest, dass die Rinde von Trichilia catigua und auch von Erythroxylum vaccinifolium dafür verwendet wird. In Deutschland ist die Droge als Catuabarinde bekannt.

Eine neuere Untersuchung von Kletter et al. (2004) wirft ein genaueres Licht auf Catuaba. Nach eingehenden mikroskopischen Untersuchungen sind zwar häufig als Catuaba bezeichneten Drogen als Anemopaegma mirandum oder Trichilia catigua im Handel ausgewiesen, aber selbst die mit Anemopaegma sp. bezeichneten Drogen enthalten (zumindest teilweise) einen Anteil an einer Rinde, die mit der Rinde einer überprüften Vergleichsprobe von Trichilia catigua übereinstimmt. Demnach ist also Trichilia catigua die Art, aus der die Droge Catuaba überwiegend gemacht wird.

Kletter et al. (2004) erhielten aber auch eine als Catuaba bezeichnete Droge aus Brasilien, die Tropan-Alkaloide aufwies und sich als Rinde von Erythroxylum vacciniifolium herausstellte. Weitere chemisch-analytischen Untersuchungen an Extrakten aus Trichilia catigua wiesen dagegen keine Alkaloide auf. Deshalb könnte man auf dieser Basis eine Unterscheidung treffen, ob eine als Catuaba angebotene Droge überwiegend Trichilia oder Erythroxylum enthält. Viele der im Handel erhältlichen Proben von Catuaba sind aber anscheinend eine Mischung aus der Rinde von Trichilia catigua und Erythroxylum-Arten, da sich in einigen der als Catuaba verkauften Proben Tropan-Alkaloide nachweisen ließen, die aber nach der mikroskopischen Untersuchung auch Trichila enthielten.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Erste chemische Untersuchungen zu Erythroxylum vacciniifolium haben Graf und Lude (1977, 1978) veröffentlicht und daraus die Tropan-Alkaloide Catuabine A, B und C isoliert. Glasl et al. (2003, 2004) haben auch Catuabine D daraus isoliert. Weitere Tropan-Alkaloide haben Zanolari et at. (2003, 2005) isoliert.

Im Gegensatz zu Erythroxylum coca enthalten die meisten anderen Erythroxylum-Arten kein Kokain, aber andere Tropan-Alkaloide. Bereits Evans (1981) hat einige Erythroxylum-Arten hinsichtlich der Phytochemie untersucht.

Untersuchungen zu Inhaltsstoffen von Trichilia catigua gibt es von Garcez et al. (1997) und Pizzalotti et al. (2002). Demnach wurden einige Sesquiterpene und Flavolignane charakterisiert. Das bereits bekannte Flavolignan Cinchonain Ib, ursprünglich isoliert aus Cinchona-Arten, wurde ebenfalls aus Trichilia catigua isoliert (Satoh, 2000). Diese Verbindung kann auch zur Identifizierung und Standardisierung der Droge Catuaba dienen (Beltrame, 2006; Rolim, 2006). Untersuchungen zum ätherischen Öl dieser Art wurde bereits von Castellani et al. (2003) publiziert.

Die zerkleinerte Catuaba-Rinde wird von der einheimischen brasilianischen Bevölkerung als Aphrodisiakum und zur Herstellung belebender und stärkender Tees verwendet.

Wissenschaftlich konnte bis jetzt eine aphrodisierende Wirkung oder gar eine als „pflanzliches Viagra“ nicht nachgewiesen werden. Der wässrige Pflanzenextrakt von Catuaba-Zubereitungen hat eine belebende Wirkung bei Menschen. In diesem Zusammenhang haben Campos et al. (2005) in einer Studie eine anti-depressive Wirkung eines Extraktes aus Trichilia catigua nachgewiesen.

Rechtslage[Bearbeiten]

In Deutschland unterliegt Catuaba nicht dem BtMG. Es fällt jedoch unter die Definition von § 2 Abs. 1 des AMG, sobald es für die medizinisch-biologisch wirksame Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt ist. Somit ist Herstellung und Verkauf einer Substanz nach dem AMG reguliert, unabhängig davon in welcher Form die Substanz vorliegt, wenn sie in Bestimmung § 2 Abs. 1 erfüllt.[1][2] Der Verkauf und die Herstellung von Arzneimitteln ohne Genehmigung ist strafbar nach AMG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1, StPO § 354a. Dies wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu der frei verfügbaren Chemikalie γ-Butyrolacton (GBL) bestätigt, welche nach dem AMG als Arzneimittel eingestuft wird, sobald sie für den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt ist.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Beltrame, F.L.; Filho, E.R.; Barros, F.A.P.; Cortez, D.A.G.; Casset, Q.B. (2006): A validated higher-performance liquid chromatography method for quantification of cinchonain Ib in bark and phytopharmaceuticals of Trichilia catigua used as Catuaba. Journal of Chromatography Bd. 119A(1-2): S. 257-263. (ISSN 0021-9673, CODEN JCRAEY).
  • Campos M.M. et al. (2005): Antidepressant-like effects of Trichilia catigua (Catuaba) extract: evidence for dopaminergic-mediated mechanisms. Psychopharmacology Bd. 182, S. 45-53. (ISSN 0033-3158, CODEN PSYPAG).
  • Castellani, D.C. (2003): Produção de óleo essencial em Catuaba (Trichilia catigua) e Negramina (Siparuna guianensis) em função da época de colheita.. In: Anais do II Simpósio Brasileiro de Óleos Essenciais - Diagnóstico e Perspectivas, 2003, Campinas. Documento IAC 74. Campinas : IAC, 2003. (ISSN 0102-4477).
  • Daly, D.C. (1990): The genus Tetragastris and the forests of eastern Brazil. Studies in neotropical Burseraceae - III. Kew Bulletin Bd. 45: S. 179-194. (ISSN 0075-5974, CODEN KEWBAF).
  • Da Silva, Arthur José (1904): Estudo botânico e chímico da catuaba (Erythroxylaceae catuaba do Norte). These de doutoramento da Faculdade de Medicina da Bahia. [als Reprint erschienen in Brazilian Journal of Pharmacognosy wie weiter unten zitiert als Da Silva, Arthur José (2004, 2005)].
  • Da Silva, Arthur José (2004): Estudo botânico e chímico da catuaba (Erythroxylaceae catuaba do Norte), Parte I: Histórico, habitat, synonimia e botanica da catuaba. Revista Brasileira de Farmacognosia (Brazilian Journal of Pharmacognosy) Bd. 14(1): 67-77. (ISSN 0102-695X, CODEN RBFAEL). Online im Web: PDF
  • Da Silva, Arthur José (2004): Estudo botânico e chímico da catuaba (Erythroxylaceae catuaba do Norte), Parte II. Revista Brasileira de Farmacognosia (Brazilian Journal of Pharmacognosy) Bd. 14(2): 145-151. (ISSN 0102-695X, CODEN RBFAEL).
  • Da Silva, Arthur José (2005): Estudo botânico e chímico da catuaba (Erythroxylaceae catuaba do Norte), Parte III: Estudo chimico da catuaba. Revista Brasileira de Farmacognosia (Brazilian Journal of Pharmacognosy) Bd. 15(1): 77-81. (ISSN 0102-695X, CODEN RBFAEL). Online im Web: PDF
  • Da Silva, Rodolpho Albino Dias (1926): Catuaba (Anemopaegma mirandum (Chamisso) Alph. De Candolle). Pharmacopeia dos Estados Unidos do Brasil; Companhia Editora Nacional, Sao Paulo, Brasil.
  • Da Silva, Rodolpho Albino Dias (1934): Catuaba. Revista de Flora Medicinal Bd. 1(5): S. 211-224. (ISSN 0370-484X, CODEN RFLMA9).
  • Ducke, Adolpho (1966): A catuaba na botanica sistemática, científica e pseudo-científica. Revista Brasileira de Farmácia Bd. 47(5): S. 267-272 (ISSN 0370-372X, CODEN RBFAAH).
  • Evans, W.C. (1981): The comparative phytochemistry of the genus Erythroxylon. Journal of Ethnopharmacology Bd. 3(2-3): S. 265-277 (ISSN 0378-8741, CODEN JOETD7).
  • Garcez, W.S.; Garcez, F.R.; Ramos, L.; Camargo, M.J.; Damasceno jr., G.A. (1997): Sesquiterpenes from Trichilia catigua. Fitoterapia 68: S. 87-88. (ISSN 0367-326X, CODEN FTRPAE).
  • Glasl, S.; Presser, A.; Werner, I.; Haslinger, E.; Jurenitsch, J. (2003): Tropane alkaloids from a Brazilian bark traded as "Catuaba". Scientia Pharmaceutica Bd. 71: S. 113-119. (ISSN 0036-8709, CODEN SCPHA4).
  • Glasl, S.; Presser, A.; Werner, I.; Haslinger, E.; Jurenitsch, J. (2004): Erratum to Tropane alkaloids from a Brazilian bark traded as "Catuaba". Scientia Pharmaceutica 72: S. 97. (ISSN 0036-8709, CODEN SCPHA4).
  • Graf, E.; Lude, W. (1977): Alkaloide aus Erythroxylum vacciniifolium Martius, 1. Mitt. Isolierung von Catuabin A, B und C. Archiv der Pharmazie (Weinheim) Bd. 310(12): S. 1005-1010. (ISSN 0365-6233, CODEN ARPMAS).
  • Graf, E.; Lude, W. (1978): Alkaloide aus Erythroxylum vacciniifolium Martius, 2. Mitt. Strukturaufklärung von Catuabin A, B und C. Archiv der Pharmazie (Weinheim) Bd. 311(2): S. 139-152. (ISSN 0365-6233, CODEN ARPMAS).
  • Hamet, R. (1936): Sur l’origine botanique des drogues designees au Brasil sous le nom de Catuaba. Comptes Rendus Hebdomadaires des Séances de l'Académie des Sciences Bd. 203: S. 1178-1179. (ISSN 0001-4036, CODEN COREAF).
  • Hamet, R. (1937): Sob re alguns effeitos physiologicos da droga brasileira conhecida pelo nome de folhas de Catuaba. Comptes Rendus des Séances de la Société de Biologie et de Ses Filiales Bd. 124: S. 904-907. (ISSN 0037-9026, CODEN CRSBAW).
  • Kletter, C.; Glasl, S.; Presser, A.; Werner, I.; Reznicek, G.; Narantuya, S.; Cellek, S.; Haslinger, E.; Jurenitsch, J. (2004): Morphological, chemical and functional analysis of catuaba preparations. Planta Medica Bd. 70(10): S. 993-1000. (ISSN 0032-0943, CODEN PLMEAA).
  • Lagos, Jessé B.; Miguel, Obdulio Gomes; Duarte, Márcia do Rocio (2007): Caracteres anatômicos de catuaba (Trichilia catigua A. Juss., Meliaceae). In: Acta Farmaceutica Bonaerense, Bd. 26, S. 185-190. (ISSN 0326-2383, CODEN AFBODJ). [1].
  • Marques, L.C. (1998) Contribuição ao esclarecimento da identidade botânica da droga vegetal Catuaba. Revista Racine (São Paulo), Bd. 8(43): S. 8-11 (ISSN 1807-166X).
  • Martius, Karl Friedrich Philipp (1840): Beiträge zu Erythroxylon. Abhandlungen der Mathematisch-Physikalischen Klasse der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, Bd. 3(2): S. 107, 387 (t. 9). (ISSN 0176-7038, ISSN 0176-7100).
  • Mello, J.C.P.; Marques, L.C.; Dias, R.F.; Rebecca, M.A.; Peres, P.G.P. (1996): Contribuição ao esclarecimento da identidade botânica da droga vegetal Catuaba. In: XIV Simpósio de Plantas Medicinais do Brasil. XIV Simpósio de Plantas Medicinais do Brasil, 17-20 Setembro 1996, Florianópolis: Editora da Universidade Federal de Santa Catarina, S. 52-52.
  • Pizzolatti M.G.; Venson, A.F.; Smania jr., A.; Smania, E.F.A.; Braz-Filho, R. (2002): Two epimeric flavalignans from Trichilia catigua (Meliaceae) with antimicrobial activity. Zeitschrift für Naturforschung Bd. 57C: S. 483-488. (ISSN 0939-5075, CODEN ZNCBDA).
  • Satoh, M. (2000): Cytotoxic constituents from Erythroxylum catuaba. Isolation and cytotoxic activities of cinchonain. Natural Medicines Bd. 54(2): S. 97–100. (ISSN 1340-3443, CODEN NMEDEO).
  • Rolim, A.; et al. (2006): Total flavonoids quantification from O/W emulsion with extract of Brazilian plants. International Journal of Pharmaceutics Bd. 308(1-2): S. 107-114. (ISSN 0378-5173, CODEN IJPHDE).
  • Zanolari, B.; Wolfeneder, J.L.; Guilet, D.; Marston, A.; Queiroz, E.F.; Paulo, M.Q.; Hostettmann, K. (2003): On-line identification of tropane alkaloids from Erythroxylum vacciniifolium by liquid chromatography-UV detection-multiple mass spectrometry and liquid chromatography-nuclear magnetic resonance spectrometry. Journal of Chromatogragraphy Bd. 1020A: S. 75-89. (ISSN 0021-9673, CODEN JCRAEY).
  • Zanolari, B.; Guilet, D.; Marston, A.; Queiroz, E.F.; de Queiroz Paulo, M.; Hostettmann, K. (2003): Tropane alkaloids from the bark of Erythroxylum vacciniifolium. In: Journal of Natural Products Bd. 66(4): S. 497-502. (ISSN 0163-3864, CODEN JNPRDF).
  • Zanolari, B.; Guilet, D.; Marston, A.; Queiroz, E.F.; de Queiroz Paulo, M.; Hostettmann, K. (2005): Methylpyrrole tropane alkaloids from the bark of Erythroxylum vacciniifolium. Journal of Natural Products Bd. 68(8): S. 1153-1158. (ISSN 0163-3864, CODEN JNPRDF).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erwin Deutsch, Rudolf Ratzel, Hans-Dieter Lippert: Kommentar zum Arzneimittelgesetz (AMG). 3. Auflage, Gabler Wissenschaftsverlage, 2010, ISBN 978-3-6420-1454-3, S. 64–66.
  2. ArzneimittelG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1. Abgerufen am 16. Mai 2012.
  3. Martin Kämpf: Strafrecht: Handel mit Gamma-Butyrolacton (GBL, liquid ecstasy) zu Konsumzwecken. 25. Juli 2011.
  4. Das unerlaubte Inverkehrbringen von Gamma-Butyrolacton (GBL) zu Konsumzwecken ist nach dem Arzneimittelgesetz strafbar. BGH-Urteil vom 8. Dezember 2009, 1 StR 277/09, LG Nürnberg-Fürth bei Lexetius.com/2009,3836.