Charles Villiers Stanford

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Charles Stanford in Vanity Fair (1905)

Sir Charles Villiers Stanford (* 30. September 1852 in Dublin; † 29. März 1924 in London) war ein irischer Komponist.

Biografie[Bearbeiten]

Charles Villiers Stanford wurde als Sohn eines wohlhabenden irischen Anwalts in Dublin geboren. Seine Familie war ausgesprochen musikalisch: Der Vater betätigte sich als Sänger, die Mutter als Pianistin. In diesem Umfeld wurde Stanfords außergewöhnliches Talent schnell erkannt und gefördert. Als Kind lernte er Klavier und Orgel bei bekannten Lehrern in Dublin, bei einer Reise der Familie nach London im Jahr 1864 knüpfte Stanford bereits Kontakte zu dortigen Komponisten und Musikern wie Arthur Sullivan.

Stanford studierte seit 1862 in London bei Ernst Pauer und Arthur O'Leary, seit 1870 am Queens’ College in Cambridge, von 1874 bis 1876 bei Carl Reinecke in Leipzig und Friedrich Kiel in Berlin. Von 1883 an lehrte er am Royal College of Music in London Komposition, ab 1887 war er Professor für Musik an der Universität Cambridge.

Gemeinsam mit Hubert Parry und Edward Elgar trug Stanford gegen Ende des 19. Jahrhunderts entscheidend zur Erneuerung der englischen Musik bei. Stanford galt dabei als strenger Lehrer, der gegenüber seinen Studenten unnachgiebig auf Einhaltung kompositorischer Standards pochte und jede Schlamperei mit einem kurzen "All rot, m'boy" ("Alles Krampf, mein Junge") zu quittieren pflegte.[1] Sein explosives Temperament brachte ihn auch immer wieder in Konflikt mit der Verwaltung der Universität, und auch einige seiner Schüler distanzierten sich später von ihm.

Bis zu seinem Tod im März 1924 blieb Stanford Professor für Komposition in Cambridge und London. Wie viele bedeutende englische Musiker wurde er in der Westminster Abbey beerdigt. Seine Grabplatte trägt die Aufschrift "A great musician".

Obwohl sein eigenes kompositorisches Schaffen sehr umfangreich ist, werden heutzutage nur noch wenige seiner Werke aufgeführt. Gerade seine über 30 Chorwerke jedoch, darunter das Requiem, op.63 (1897), erfreuen sich nach wie vor einer großen Beliebtheit und gehören zum Standardrepertoire anglikanischer Kirchenchöre. Ende der 1980er Jahre nahm die britische Schallplattenfirma Chandos mit dem Ulster Orchestra unter Leitung von Vernon Handley alle Symphonien und zahlreiche weitere Orchesterwerke für Compact Disc auf. Seit Anfang des dritten Jahrtausends spielt das irische RTÉ Vanbrugh Quartet für Hyperion Stanfords Kammermusik ein.

In ihrer Zeit äußerst populär waren Stanfords "Seestücke" – die Ballade The Revenge - A Ballad of the Fleet, op.24 nach Alfred Lord Tennyson und die Vokalzyklen Songs of the Sea, op.91 bzw. Songs of the Fleet, op.117.

Manche seiner Kompositionen zeigen starke Anklänge an die Musik Johannes Brahms', gelegentlich auch an diejenige von Anton Bruckner. Gleichzeitig war Stanford ein Pionier in der direkten Verwendung irischer Volkslieder in seinen sechs Irischen Rhapsodien und der 3. Sinfonie, die auch den Untertitel "Irish" trägt. Hierdurch, wie auch in seiner aktiven Förderung der kommenden Generation (auch als Dirigent und Administrator) ebnete er den Weg für die sog. "English Musical Renaissance" zu Beginn des 20. Jahrhunderts, deren Kopf Ralph Vaughan Williams war. Zu den Schülern, die durch seine Hände gingen, gehören u.a. Arthur Bliss, Herbert Howells, John Ireland, Gustav Holst, George Dyson, Ernest John Moeran, Rebecca Clarke und der Dirigent Eugene Goossens.

Stanford komponierte sieben Opern, sieben Sinfonien, sechs Irische Rhapsodien, acht Irische Tänze, drei Klavier- und zwei Violinkonzerte, ein Cellokonzert, ein Klarinettenkonzert, kammermusikalische Werke, Klavier- und Orgelmusik, ein Oratorium, eine Messe, ein Te Deum, ein Magnificat und zahlreiche Lieder. Daneben trat er als Herausgeber irischer Volksmusik hervor.

Werke[Bearbeiten]

Opern:

Sinfonien:

  • Sinfonie Nr. 1 B-Dur (1876/1877)
  • Sinfonie Nr. 2 d-Moll, „Elegische“
  • Sinfonie Nr. 3 f-Moll, op. 28 „Irische“ (1887)
  • Sinfonie Nr. 4 F-Dur, op. 31 (1889)
  • Sinfonie Nr. 5 D-Dur, op. 56 „L'Allegro ed il Penseroso“ (1894)
  • Sinfonie Nr. 6 Es-Dur, op. 94 „Im Gedenken an das Lebenswerk eines großen Künstlers: George Frederick Watts“ (1905)
  • Sinfonie Nr. 7 d-Moll, op. 124 (1912)

Konzertante Werke:

  • Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 74 (1899)
  • Konzert für Cello und Orchester d-Moll (1879 - 1880)
  • Suite für Violine und Orchester, op. 32 (1888)
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 G-Dur, op. 59 (1894)
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll, op. 126 (1911-1915)
  • Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 Es-Dur, op. 171 (unvollendet, orch. Geoffrey Bush) (1919)
  • Konzertvariationen auf ein englisches Thema („Down among the Dead Men“) für Klavier und Orchester, op. 71 (1898)
  • Konzert für Klarinette und Orchester a-Moll, op. 80 (1902/1903)
  • Konzertstück für Orgel und Orchester, op. 181 (1921)

andere Orchesterwerke:

  • Irische Rhapsodie Nr. 1 d-Moll, op. 78 „gewidmet Hans Richter“
  • Irische Rhapsodie Nr. 2 f-Moll, op. 84 „Trauergesang für den Sohn des Ossian“
  • Irische Rhapsodie Nr. 3 für Violoncello und Orchester, op. 137 (1913)
  • Irische Rhapsodie Nr. 4 a-Moll, op. 141 (1913)
  • Irische Rhapsodie Nr. 5 (1917)
  • Irische Rhapsodie Nr. 6 für Violine und Orchester, op. 191 (1922)

Chor-/Vokalwerke:

  • Magnificat and Nunc, op. 10 Nr. 1
  • Jubilate and Te Deum, op. 10 Nr. 2
  • Magnificat and Nunc dimittis A-Dur, op. 12
  • The Revenge: A Ballad of the Fleet, op. 24 (1886) - für Chor und Orchester
  • The Music to the Oedipus Rex of Sophocles, op. 29
  • Magnificat and Nunc dimittis F-Dur, op. 36
  • And I Saw Another Angel, op. 37 Nr. 1
  • If Thou Shalt Confess, op. 37 Nr. 2
  • Drei lateinische Motetten, op. 38
    • Justorum Animae
    • Coelos ascendit hodie
    • Beati quorum via
  • Requiem, op. 63 (1897) für zwei Sopranstimmen, Mezzo-Sopran, Tenor, Bass-Bariton, großen Chor und Orchester
  • Te Deum G-Dur, op. 81
  • Magnificat and Nunc Dimittis G-Dur, op. 81
  • Songs of the Sea, op. 91 für Bariton, Chor und Orchester
  • Stabat Mater, op. 96
  • Autumn Leaves, op. 106 Nr. 1
  • Fair Phyllis, op. 106 Nr. 4
  • 6 biblische Lieder und Hymnen, op. 113
  • Te Deum C-Dur, op. 115
  • Magnificat und Nunc dimittis C-Dur, op. 115
  • Songs of the Fleet, op. 117 (1910) - für Bariton, Chor und Orchester
  • Cushendall, op. 118
  • 8 Partsongs, op. 119
  • Widerspin, op. 127 Nr. 7
  • Eternal Father, op. 135 Nr. 2
  • Grandeur, op. 140 Nr. 1
  • For lo, I raise up, op. 145
  • Magnificat und Nunc dimittis Es-Dur (1873)
  • Pater Noster (1874)
  • The Lord is my Shepherd (1886)
  • The Blue Bird
  • Requiem
  • Sechs biblische Lieder für Stimme und Klavier
  • Twelve Songs of Heine, Book 1&2, für Stimme und Klavier

Kammermusikalische Werke:

  • Klavierquartett Nr. 1, op. 15
  • Klavierquintett d-moll, op. 25
  • Cellosonate Nr. 2, op. 39
  • Streichquartett Nr. 3, op. 64
  • Streichquintett Nr. 1, op. 85
  • 6 kurze Präludien und Postludien, op. 105
  • Sonate für Klarinette und Klavier, op. 129
  • Sechs Charakterstücke für Klavier, op. 132
  • Five Caprices for Piano, op. 136
  • Night Thoughts, sechs kurze Stücke für Klavier, op. 148
  • Three Sketches, op. 155 Book 1&2
  • Ballata, op. 160 Nr. 1
  • Ballabile, op. 160 Nr. 2
  • Cellosonate Nr. 1
  • Fantasie für Hornquintett a-Moll
  • Klaviertrio Nr. 1
  • Streichquartett Nr. 1
  • Streichquartett Nr. 2
  • Sechs irische Tänze für Violine und Klavier
  • Six Sketches for Piano: Primary Grade
  • Six Sketches for Piano: Elementary Grade

Werke für Orgel:

  • Sechs Präludien für Orgel, op. 88
  • Orgelsonate Nr. 1 F-Dur, op. 149
  • Orgelsonate Nr. 2 „Eroica“, op. 151
  • Orgelsonate Nr. 3 „Britannica“, op. 152
  • Orgelsonate Nr. 4 „Celtica“, op. 153
  • Orgelsonate Nr. 5 „Quasi una Fantasia“, op. 159
  • Orgelsonate Nr. 6
  • Idyll Nr. 1-5

Diskografische Hinweise[Bearbeiten]

  • Symphonien 1-7 (komplett): Ulster Orchestra, Vernon Handley, Chandos CHAN 9279-82
  • Violinkonzert in D-Dur/Suite, op.32: Anthony Marwood, BBC Scottish Symphony Orchestra, Vernon Handley, Hyperion CDA67208
  • Cellokonzert in d-Moll/ Alexander Baillie; Royal Philharmonic Orchestra, Nicholas Braithwaite. Lyrita SRC 321
  • Klavierkonzert Nr.1 in G-Dur: Piers Lane, BBC Scottish Symphony Orchestra, Martyn Brabbins, Hyperion CDA66820 (mit Hubert Parry, Klavierkonzert in Fis-Dur)
  • Klavierkonzert Nr.2/Konzertvariationen über ein englisches Thema/Sechs irische Rhapsodien: Margaret Fingerhut, Ulster Orchestra, Vernon Handley, Chandos CHAN 10116(2)
  • Klavierkonzert Nr. 3 in Es, op.171/Malcolm Binns; Royal Philharmonic Orchestra, Nicholas Braithwaite, Lyrita SRC 321
  • Requiem, op.63: div. Solisten, RTÉ Philharmonic Choir, RTÉ National Symphony Orchestra of Ireland, Colman Pearce, NAXOS 8.555201-02
  • Songs of the Fleet/The Revenge-A Ballad of the Fleet/Songs of the Sea: Gerald Finley, BBC National Chorus and Orchestra of Wales, Richard Hickox, Chandos CHSA 5043
  • Anthems and Masses (Chorwerke): Choir of St. John's College, Cambridge, Christopher Robinson, NAXOS 8.555794

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charles Villiers Stanford – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. vgl. dazu Michael Kennedy, The Works of Ralph Vaughan Williams