Chemin Neuf

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Die Gemeinschaft Chemin Neuf [ʃəmɛ̃ nœf] (franz.: ‚Neuer Weg‘) ist eine Charismatische Bewegung innerhalb der katholischen Kirche mit ökumenischer Berufung. Sie umfasst rund 2.000 Mitglieder in 30 Ländern.[1]

Entstehung und Verbreitung[Bearbeiten]

Chemin Neuf Gebet auf dem Weltjugendtag 2005

Die Kommunität entstand 1973 aus einer Gebetsgruppe in Lyon. Ihr Gründer und Leiter ist der Jesuitenpater Laurent Fabre (* 1934 in Lyon).[1]

In Deutschland arbeitet der anerkannte Verein von Gläubigen seit 1992 und ist ein eingetragener Verein.[1] Er leitet seit 1994 die Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg. Seit 2000 ist er in der katholischen Pfarrei St. Adalbert in Berlin-Mitte tätig und richtete dort das ökumenische Zentrum Net for God ein.[2] Aktuell ist ein grundlegender Umbau[3] der Gebäude um St. Adalbert zu einem Studentenwohnheim geplant.[4]

Die Gemeinschaft lebt seit 2006 auch im Kloster Berlin-Lankwitz[5], wo sie u. a. die seelsorgliche Betreuung des benachbarten Betreuten Wohnens innehat. Seit Sommer 2007 wirkt Chemin Neuf in Bonn und steht dort im Dienst der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) an St. Remigius.

Ziele[Bearbeiten]

Ein Hauptanliegen von Chemin Neuf ist die Einheit und Versöhnung der Christen. Die Mitglieder der Gemeinschaft haben unterschiedliche konfessionelle Hintergründe (katholisch, orthodox, anglikanisch, reformiert, evangelisch-lutherisch oder freikirchlich). Weitere Ziele der Gemeinschaft sind die Evangelisation und der Frieden in der Welt.[1]

Im Jahr 2012 bekam Chemin Neuf den Ökumene-Preis des Ökumenischen Rates Berlin Brandenburg.[6]

Leitfaden der Organisation ist der Ausspruch von Papst Johannes Paul II.: „Es ist wichtig, dass wir uns von jetzt an bemühen, alles gemeinsam zu tun, was wir gemeinsam tun können.“[7]

Kirchliche und bürgerlich-rechtliche Anerkennung[Bearbeiten]

Chemin Neuf wurde 1973 von Lyoner Erzbischof Kardinal Alexandre-Charles Renard anerkannt und 1984 unter dessen Nachfolger Kardinal Albert Decourtray eine Vereinigung von Gläubigen. Dieser kanonische Status erlaubt es der Gemeinschaft, den christlichen Glauben im Namen der Kirche zu lehren und den öffentlichen Gottesdienst zu fördern (Kanon 301,1 CIC). Am 24. Juni 1992 errichtete Kardinal Decourtray das Institut Chemin Neuf als Klerikerinstitut diözesanen Rechts für die Priester und die Priesteramtskandidaten der Gemeinschaft. Am 14. September 2009 wurde das Institut Chemin Neuf von Kardinal Franc Rodé im Vatikan als klerikales Ordensinstitut päpstlichen Rechts anerkannt.[1]

Die Gemeinschaft Chemin Neuf wurde vom Französischen Staat als religiöse Kongregation anerkannt (Dekret des Ministerpräsidenten vom 23. Juli 1993).[1] Im Jahr 2009 erhielt die Gemeinschaft Chemin Neuf die päpstliche Anerkennung als ordentliche Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche.[1]

Kontroverse[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren wurde die Gemeinschaft beschuldigt, sektenähnliche Praktiken und Gehirnwäsche zu praktizieren.[8] 1998 nahm die französische Anti-Sekten-Organisation CCMM (Centre contre les manipulations mentales; deutsch: ‚Zentrum gegen mentale Manipulationen‘) Chemin Neuf in ihr „Sektenlexikon“ auf.[9]

Der ehemalige Lyoner Erzbischof Jean Balland (1934–1998)[10] und der seinerzeitige Sektenbeauftragte der französischen Bischofskonferenz Jean Vernette (1929−2002)[11] wiesen die Beschuldigungen ebenso zurück wie der Chemin Neuf-Gründer Laurent Fabre.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Communauté du Chemin Neuf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Broschüre der Gemeinschaft Chemin Neuf
  2. Website St. Adalbert-Kirche
  3. http://www.deutschlandradiokultur.de/berlin-ein-jugendkloster-im-herzen-der-hauptstadt.1278.de.html?dram:article_id=276959
  4. St. Adalbert - Die verborgene Kirche
  5. Annelen Hölzner-Bautsch: 100 Jahre Kirche Mater Dolorosa - Geschichte der katholischen Gemeinde in Berlin-Lankwitz - 1912 bis 2012. Herausgeber: Katholische Pfarrgemeinde Mater Dolorosa, Selbstverlag, Berlin (2012), S. 343 ff.100 Jahre Kirche Mater Dolorosa - Geschichte der katholischen Gemeinde in Berlin-Lankwitz - 1912 bis 2012, Mater Dolorosa Berlin-Lankwitz, online abgerufen am 24. April 2013
  6. Ökumenischer Rat Berlin Brandenburg: Ökumenepreis
  7. Rede von Johannes Paul II. an den Verbund der Schweizer Freikirchen. 14. Juni 1984, Website des Vatikans.
  8. Thierry Baffoy, Antoine Delestre, Jean-Paul Sauzet: Les Naufragés de l'Esprit. Des sectes dans l'Église catholique. Le Seuil editions, 1996.
  9. Annick Drogou: Le dico des sectes. Éditions Milan, 1998.
  10. a b Les charismatiques sont-ils sectaires ? (PDF; 362 kB) Dernières Nouvelles d'Alsace. 26. Juni 1996. Abgerufen am 14. August 2009.
  11. Jean Vernette: L’Eglise catholique et les sectes (RTF; 94 kB) Conférence des évêques de France. 15. Januar 2001. Abgerufen am 14. August 2009.