Chosrau und Schirin

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Schirin an der Quelle. Behzād Schule, 1479. Nizami-Muzeum der aserbaidschanischen Literatur, Baku

Chosrau und Schirin ist ein um 1200 entstandenes Epos des persischen Dichters Nizāmi.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und beschreibt die Liebe des persischen Großkönigs Chosrau II. zu der aus Khusistan stammenden Schirin. Nachdem sie sich schon als junge Prinzessin und Prinz ineinander verliebt haben, dauert es lange Jahre, bis sie heiraten. Besonders Chosrau muss einen Reifungsprozess durchmachen und etliche andere Beziehungen durchleben, ehe er seiner Schirin würdig ist. Schirin dagegen wird von Anfang an als Tugend in Person geschildert und ist eindeutig der stärkere Part.

Sehr bekannt ist das Kapitel, in dem sich der Bildhauer Farhād unglücklich und unsterblich in Schirin verliebt. Chosrau stellt ihm daraufhin die Aufgabe, mit der Axt eine Passstraße in den Berg Bisotun zu schlagen. Von seiner Liebe beflügelt, überlebt Farhād diese Arbeit und zeigt sich dadurch als der würdigere Liebhaber. Da sendet Chosrau Farhād die falsche Nachricht, dass Schirin gestorben sei, und Farhād sieht keinen Sinn mehr im Leben und stürzt sich in die Schlucht. Die Figur des Farhād wurde in viele Nachahmungen des Epos zur Zentralfigur und sprichwörtlich für übermenschliche Leistung. Selbst die sowjetische Propaganda bediente sich des "Arbeiters" Farhād.

Nizāmis Epos kann auch auf einer philosophischen Ebene gelesen werden. Auf dieser ist Schirin das Symbol für die Liebe an sich, und Chosrou muss Erotik (seine erste Frau Maria) und Ästhetik (seine zweite Frau Schakkar, "Zucker") als Vorstufen zur wahren Liebe (Schirin, "Süß") erkennen. Auf stilistischer Ebene sind vor allem die Sonnenauf- und -untergänge berühmt, durch deren Art der Schilderung der Dichter eine Vorahnung auf das folgende Geschehen gibt.

Das Epos diente zahlreichen persischen, türkischen und indischen Dichtern als Vorbild. Einige Schlüsselszenen, so zum Beispiel die Szene, in der sich Schirin in ein Bild von Chosrau verliebt, sind beliebte Motive der persischen Miniaturmalerei.

Das Epos bildet unter dem türkischen Namen Hüsrev ü Şirin den Erzählrahmen des Romans Rot ist mein Name (1998) des türkischen Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk, der den islamischen Bilderstreit im ausgehenden 16. Jahrhundert infolge der Verwendung der perspektivischen Malerei in der europäischen Kunst in Form eines historischen Kriminalromans u.a. unter Einbeziehung phantastischer Elemente verarbeitet.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Chosrau und Schirin. Übers. v. Johann Christoph Bürgel. Manesse, Zürich 1980. ISBN 371751590X

Siehe auch[Bearbeiten]