Christlicher Gewerkschaftsbund Deutschlands

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Logo des CGB

Der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB) ist ein Dachverband von 18 Berufsverbänden bzw. Gewerkschaften. Er ist der kleinste Gewerkschaftsdachverband in Deutschland (nach dem DGB mit 6,3 Millionen[1] und dem dbb mit 1,25 Mio.[2]). Nach Eigenangaben haben die Berufsverbände und Gewerkschaften im CGB insgesamt rund 280.000 Mitglieder,[3] diese Zahlen wurden bezweifelt und von der Gewerkschaft auch auf Anfrage nicht belegt.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Der CGB ging aus „Arbeitervereinen“ im frühen 19. Jahrhundert hervor, aus denen 1899 in Mainz auf dem ersten Christlichen Gewerkschaftskongress der Gesamtverband Christlicher Gewerkschaften entstand. Im November 1918 wurde (zunächst zusammen mit den liberalen Gewerkschaften) der Deutsche Demokratische Gewerkschaftsbund (DDGB) als Dachverband gegründet, der ab 1919 unter dem Namen DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) firmierte. 1933 wurde die Vereinigung und deren Mitgliedsgewerkschaften gewaltsam aufgelöst, doch wurden nach 1945 bald wieder neue Gewerkschaften und Dachverbände gegründet. So entstanden der DGB und der DBB. Eine christliche Dachorganisation gab es zunächst nicht. Erst im Jahr 1955 vereinigten sich die inzwischen wieder gegründeten christlichen Arbeitergewerkschaften zur „Christlichen Gewerkschaftsbewegung Deutschlands“ (CGD). Aus dieser Bewegung entstand am 27. Juni 1959 in Mainz der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB).

Bundesvorsitzender ist seit 2004 Matthäus Strebl, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der CSU. Seine Vorgänger waren Wolfgang Jaeger (CDU) und davor Peter Konstroffer.

Der Gewerkschaftsbund gibt den Informations-Newsletter CGB Intern monatlich und die Mitgliederzeitschrift DGZ – Deutsche Gewerkschaftszeitung zweimonatlich heraus. Die CGB Jugend organisiert junge Mitglieder zwischen 16 und 25 Jahren. Sie hat ihre Geschäftsstelle in Lörrach.

Mitgliedsverbände[Bearbeiten]

Tarifgemeinschaft für Zeitarbeit[Bearbeiten]

Im Herbst 2002 haben sich sechs CGB Mitgliedsgewerkschaften zur Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal-Service-Agenturen (CGZP) zusammengeschlossen. Nach Rechtsstreitigkeiten sind heute nur noch CGM, DHV und GöD in der CGZP zusammengeschlossen.[5] Die Tariffähigkeit der CGZP ist, ebenso wie ihre Zuständigkeit für den Abschluss von Tarifverträgen für die Zeitarbeitsbranche, inzwischen geklärt: Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 14. Dezember 2010 ist die CGZP nicht tariffähig.[6] Schon am 1. April 2009 hatte das Arbeitsgericht Berlin auf Antrag des Landes Berlin und der DGB-Gewerkschaft ver.di entschieden, dass die CGZP nicht tariffähig sei, weil es ihr an der erforderlichen Sozialmächtigkeit fehle.[7]

Im Jahr 2003 hatte sie mit drei Arbeitgeberverbänden bundesweit geltende Flächentarifverträge abgeschlossen. Die Tarifpartner, die Bundesvereinigung deutscher Dienstleistungsunternehmen (BVD), die Interessengemeinschaft Nordbayerischer Zeitarbeitsunternehmen (INZ) und die Mittelstandsvereinigung Zeitarbeit (MVZ) organisieren vor allem mittelständische Unternehmen in der Branche der Zeitarbeit.

Nachdem der CGB auch für seine mehrgliedrigen Nachfolge-"Tarifverträge" keine Aussicht auf Bestand bei einer gerichtlichen Überprüfung gesehen hat, haben CGB und BAP auch dieses Ausweichkonstrukt zum 31. März 2013 gekündigt.[8]

Kritik[Bearbeiten]

Die Gewerkschaften des Christlichen Gewerkschaftsbundes unterbieten immer wieder durch eigene Tarifverträge, die teilweise als "Gefälligkeitstarifverträge" kritisiert werden, die bisherigen Lohnstrukturen der bestehenden Tarifverträge.

Der Tarifvertrag beim Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes mit der Gewerkschaft Deutscher Handels- und Industrieangestellten-Verband (DHV) wurde stark kritisiert.[9] Zudem kritisierten SPD und DGB die Rolle des Christlichen Gewerkschaftsbundes bei den Tarifverhandlungen mit den Leiharbeitsfirmen. Ihm wurde vorgeworfen, sich für Dumpinglöhne instrumentalisieren zu lassen.[10]

Die Mitgliederzahlen von 280.000 Mitgliedern für den CGB, von über 100.000 Mitgliedern für die CGM und über 80.000 Mitgliedern für den DHV, werden von der IG Metall stark angezweifelt. In einer Reportage des ARD-Magazins Report Mainz vom 10. Dezember 2007 wurde recherchiert, dass beispielsweise eine Wuppertaler Personalagentur als Arbeitgeber bei beginnenden Beschäftigungsverhältnissen neue Mitglieder für die CGZP warb, welche Teil des CGB ist. Der Gewerkschaftbeitritt war hierbei Teil des Arbeitsvertrags und der Gewerkschaftsbeitrag wurde direkt vom Lohn abgezogen. Eine Tarifbindung mit dem betreffenden Unternehmen besteht seit Dezember 2007 nicht mehr.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DGB, Mitgliederzahlen 2009
  2. DBB
  3. Homepage des CGB
  4. [1]Bundesarbeitsgericht - Beschluss vom 5.10.2010, 1 ABR 88/09
  5. Selbstauskunft der CGB
  6. focus.de: Zeitarbeit - Bundesarbeitsgericht zerschlägt christliche Gewerkschaft, 14.Dezember 2010
  7. Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 1. April 2009, 35 BV 17008/08 Pressemitteilung des Arbeitsgerichts
  8. http://www.personalorder.de/index.php?load=12,1&art_id=5360&comefrom=suche&dont_del_firmenlink=true
  9. Zur Kritik der CGB-Tarifverträge vgl. Panorama vom 22. Februar 2007: [2] und [3]
  10. dradio.de: Flexibilität mit Folgen - Die Schattenseiten der Zeitarbeit, 7. Mai 2007 (Zugriff am 8. April 2014)