Christus kam nur bis Eboli

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Christus kam nur bis Eboli (italienisch: Cristo si è fermato a Eboli) ist der autobiographische Bericht von Carlo Levi über die Zeit seiner Verbannung nach Aliano in der süditalienischen Region Lucania (Lukanien, heute Basilicata).

Persönliche Erfahrungen[Bearbeiten]

Das Buch, das 1945 herauskam und in dem er Aliano mit dem erfundenen Namen Gagliano bezeichnet, schildert die Situation in einem Ort, in dem sich die Einwohner aufgegeben haben, weil alle, die sich etwas zutrauen, den Ort verlassen, um etwas aus ihrem Leben zu machen. "Wir sind keine Christen" sagen sie, "Christus ist nur bis Eboli gekommen." Christ bedeutet in ihrer Ausdrucksweise Mensch; [...] "wir gelten nicht als Menschen, sondern als Tiere, [...] denn wir müssen uns der Welt der Christen jenseits unseres Horizontes unterwerfen" [1].

Das einzige Gebäude, das großstädtischem Standard entspricht, ist ein Pissoir, das nur von Schweinen und Kindern besucht wird. Ein einziger Mensch benutzte es oft zu dem Zweck, zu dem es erbaut war, und das war ich; und dabei wurde ich, wie ich gestehen muss, nicht von einem Bedürfnis, sondern nur von Heimweh getrieben. [2]

Während er sich den Honoratioren des Ortes zu entziehen sucht, von denen er doch abhängig ist (rigide festgelegter Bewegungsraum, Ausgehzeiten und Briefzensur) und die ihn in ihre Generationen alten Kämpfe hinein zu ziehen suchen, findet er auf dem Friedhof Frieden in der Hitze des "Malarialandes" in einem vorsorglich ausgehobenen neuen Grab. In dieser Einsamkeit und Freiheit verbrachte ich ganze Stunden. [3]

Geschichtsbild[Bearbeiten]

Die Welt der Bauern sieht Levi als seit vorrömischer Zeit unverändert. Der historische Sinn, der mit Aeneas in diese Welt eingedrungen sei, sei ihnen fremd. Und schon bevor Fernand Braudel aus der Annales-Schule seine Geschichte des Mittelmeerraumes aus der Sicht der longue durée schreibt, formuliert er: Ich dachte, man sollte eine Geschichte von diesem Italien schreiben, wenn es möglich ist, eine Geschichte von etwas zu schreiben, das sich nicht in der Zeit abspielt: die einzige Geschichte dessen, was ewig und unveränderlich ist; eine Mythologie.[4]

Politische Folgerungen[Bearbeiten]

Freunde, denen er während eines kurzen Aufenthaltes in der Heimat[5] von seinen Erfahrungen erzählt, fassen seiner Meinung nach das Problem des Südens zu abstrakt auf. Die Welt der Bauern scheint ihm unvereinbar mit einem Staat, der nicht den einzelnen Kommunen viel mehr Autonomie gewährt. Solange die nicht geschaffen werde, sieht er die Welt der Bauern in ständiger Resignation versunken, nur gelegentlich von verzweifelten Aufständen - wie etwa denen der Briganten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - unterbrochen. "Es kann nicht der Staat sein, der die Probleme des Südens löst, hatte ich angeführt, aus dem einfachen Grunde, weil das, was wir das Problem des Südens nennen, nichts anderes als das Problem des Staates selbst ist."[6]

Film[Bearbeiten]

Francesco Rosi drehte einen gleichnamigen Film, der 1979 veröffentlicht wurde. In der Hauptrolle des Carlo Levi ist Gian Maria Volontè zu sehen.

Bibliographische Angaben[Bearbeiten]

  • Christus kam nur bis Eboli. Übers. von Helly Hohenemser-Steglich. Zürich Wien New York (Europa Verlag) 1947; 4.A. 1973
  • Christus kam nur bis Eboli. Übers. von Helly Hohenemser-Steglich. dtv, München 2003. ISBN 3-423-13039-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christus kam nur bis Eboli, München 1982, S.5
  2. ebenda S.43
  3. ebenda S.61
  4. ebenda S.125
  5. Dieser war ihm wegen des Todesfalls eines nahen Verwandten gewährt worden
  6. Carlo Levi: Christus kam nur bis Eboli. dtv, München 1982, S. 219