Clusius-Enzian

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Clusius-Enzian
Clusius-Enzian (Gentiana clusii)

Clusius-Enzian (Gentiana clusii)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Gattung: Enziane (Gentiana)
Art: Clusius-Enzian
Wissenschaftlicher Name
Gentiana clusii
E.P.Perrier & Songeon

Der Clusius-Enzian (Gentiana clusii), auch Stängelloser Kalk-Enzian, Echter Alpenenzian oder Kalk-Glocken-Enzian genannt, ist eine Enzianart mit einer einzelnen Glockenblüte auf einem extrem kurzen Stängel.

Namensherkünfte[Bearbeiten]

Das Art-Epitheton "clusii" und Bezeichnungen wie "Clusius-Enzian" kommen von dem Arzt und Naturforscher Charles de l’Écluse (latinisiert Clusius, 1526–1609), zu dessen Ehren diese Pflanze benannt wurde. Der Clusius-Enzian wird oft mit einer weiteren Enzianart verwechselt, dem Kochschen Enzian (Gentiana acaulis), dessen botanischer Name übersetzt so viel wie Stängelloser Enzian bedeutet. Die Bezeichnung "Stängelloser Kalkenzian" bezieht sich auf den bei beiden Arten extrem kurzen Stängel, das Wort "Kalk" auf das Vorkommen auf kalkhaltigem Untergrund.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die während der Blüte sehr auffällige, überwinternd grüne, ausdauernde krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 5 und 15 Zentimetern. Ein Stängel ist vorhanden, er ist aber sehr kurz. Die grundständigen, breit lanzettlichen und zugespitzten Laubblätter sind als Rosette angeordnet, werden bis zu 5 Zentimeter lang und sind meist an und unter der Mitte am breitesten. Sie fühlen sich ein bisschen ledrig und derb an. Stängelblätter sind nicht immer vorhanden, wenn, dann sind es bis zu drei Paare, und sie sind kleiner als die Rosettenblätter.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die fünf Kelchblätter sind zu einer langen Kelchröhre verwachsen. Die fünf etwas abstehenden, an ihrem unteren Ende etwas eingeschnürten und scharf zugespitzten Kelchzipfel sind meist länger als die halbe Kelchröhre und die Kelchbuchten sind spitz. Die zwittrige, radiärsymmetrische, aufrecht stehende Blüte ist glockenförmig und hat eine Länge von bis zu 5 Zentimetern. Die unten miteinander verwachsenen fünf Kronblätter, die in Zipfel auslaufen, sind intensiv blau und innen weißlich gestreift oder deutlich dunkelblau gepunktet. Bei sinkender Temperatur schließt sich die Blüte. Oft legt sich dann wie auch bei Nässe der Stängel mit der Blüte bis auf den Boden.[1]

Die Blütezeit dauert etwa von Mai bis August.[1]

Unterscheidung zu Gentiana acaulis[Bearbeiten]

Die beiden Glocken-Enziane mit sehr kurzen Stängeln, Clusius-Enzian und Kochscher Enzian, sind sich sehr ähnlich. Der Kochsche Enzian unterscheidet sich vom Clusius-Enzian jedoch eindeutig dadurch, dass er breitere Rosettenblätter und stumpfe Buchten zwischen den Kelchblättern hat und die azurblaue Blütenglocke am Schlund in der Regel mit fünf grünen Flecken versehen ist. Durch das Fehlen dieser Flecken wirkt der Clusius-Enzian intensiver blau. Die beiden Arten sind in ihrem Vorkommen weitgehend überschneidungsfrei, da Gentiana acaulis eine kalkmeidende Art ist und Gentiana clusii nur auf Kalk vorkommt. Der Botaniker spricht in solchen Fällen von vikariierenden Arten.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Clusius-Enzian wächst auf mageren und kalkhaltigem Trockenrasen oder auf Kiesgrund in den Alpen, im Alpenvorland, im Jura, im Schwarzwald und in den Karpaten. Er ist von der montanen Tallage bis in eine alpine Höhe von 2800 m verbreitet.

Der Clusius-Enzian steht, wie alle anderen Enzianarten, in Deutschland und Österreich unter Naturschutz.

Verwendung und kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]

Gentiana clusii

Wie auch der Kochsche Enzian ist er aus gärtnerischer Vermehrung in spezialisierten Gärtnereien erhältlich.

Mit dieser charakteristischen, im Verhältnis zum übrigen Pflanzenkörper extrem großen, leuchtend blauen Blüte wurde der Enzian zum Archetyp der Alpenblume und des Enzians schlechthin. Die meisten Abbildungen, auf denen Enzian ohne nähere Bezeichnung dargestellt wird, zeigen seine Blüten - unter anderem auch auf Etiketten von Schnaps- und Arzneimittelflaschen, obwohl dort niemals Bestandteile von Stängellosem Enzian, sondern fast immer Bitterstoffe aus den Wurzeln des großwüchsigen Gelben Enzians (Gentiana lutea) enthalten sind.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xaver Finkenzeller, Jürke Grau: Alpenblumen. Erkennen und bestimmen (= Steinbachs Naturführer). Mosaik, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das? Franckh-Kosmos, Stuttgart, 2011, ISBN 978-3-440-12576-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Manuel Werner: Welche Alpenblume ist das? Franckh-Kosmos, Stuttgart, 2011, ISBN 978-3-440-12576-2, S. 74.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clusius-Enzian – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien