Conversio Bagoariorum et Carantanorum

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Am Beginn des Geschichtswerks Conversio Bagoariorum et Carantanorum (Bekehrung der Baiern und Karantaner) wird das Leben und der Charakter des heiligen Rupert von Salzburg sowie seine missionarische Tätigkeit in Bayern beschrieben. Danach werden die Bischöfe und Äbte des von Rupert gegründeten Salzburger Bischofssitzes aufgezählt. Abschließend wird kurz die Geschichte der Karantaner erzählt.

Motive des Schreibers[Bearbeiten]

Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum (oft auch kurz nur Conversio genannt) entstand um 870 in Salzburg und wurde vielleicht von Erzbischof Adalwin von Salzburg selbst verfasst. Ihr Ziel war es, König Ludwig den Deutschen über die neu aufgetretenen Konflikte zu informieren, die sich durch das Aufeinanderprallen der Salzburger Missionstätigkeit mit den von den Päpsten Nikolaus I. bzw. Hadrian II. geförderten Missionsabsichten des Konstantin (Kyrill) sowie seines Bruders Method im mährisch-pannonischen Raum ergeben hatten. Die Rolle Salzburgs bei der Missionierung Bayerns unter Rupert (ab ca. 696), Karantaniens und Unterpannoniens wird dabei mittels Verdrehung, Betonung und Weglassung von Fakten ganz zugunsten des Erzbistums hervorgehoben. Die Conversio beschreibt zwar die Missionstätigkeit Salzburgs genau, vergisst jedoch bewusst auf jene von Passau.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Um den Streit zwischen der Salzburger Missionstätigkeit und den Brüdern Konstantin und Method zu verstehen, muss man etwas weiter zurückgehen. Um 860 beschlossen die beiden Mährerfürsten Rastislav und Zwentibald (Svatopluk) sich mit der Bitte an den Papst zu wenden, Lehrer und lokale Priester in sein Herrschaftsgebiet zu entsenden, um sich dem Einfluss Ludwigs des Deutschen zu entziehen. Byzantinische Geistliche, die schon lange in Mähren tätig waren, drängten Rastislav dazu, das gleiche Gesuch an den byzantinischen Kaiser Michael III. zu schicken, was Rastislav 862 in einem griechisch verfassten Brief auch tat. In diesem Brief wurde nicht nur um einen Bischof gebeten, sondern auch Michael III. als Herrscher anerkannt. In Wahrheit ging es Rastislav weniger um die Missionierung seines Landes, da diese schon in den 820er und 830er Jahren von Salzburger und Passauer Missionaren vollzogen worden war, sondern vielmehr um den Aufbau einer eigenen Landeskirche.

863 wurden die Brüder Konstantin und Method von Michael III. und Patriarch Photius als Missionare nach Mähren geschickt.

Konstantin und Method kamen aus Thessaloniki und hatten sich gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie hatten auf Basis der slawischen Sprache eine eigene Schrift, die so genannte Glagolica, entwickelt, die auf dem griechischen Alphabet beruhte und für die Einführung in die slawische Liturgie gedacht war. Mehr als drei Jahre wirkten die beiden Slawenapostel in Mähren und bekamen dabei immer größere Probleme mit den fränkischen Missionaren, die eine Feier der Liturgie in einer Volkssprache ablehnten. Konstantin und Method wiederum warfen den Franken vor, sie würden Mischformen und Synkretismen zulassen.

867 verließen Konstantin und Method Mähren und reisten über Venedig nach Rom, wo sie von Papst Hadrian II. empfangen wurden. Konstantin erkrankte allerdings schwer, trat in ein Kloster ein und verstarb am 14. Februar 869.

Method seinerseits wurde daraufhin vom Papst zum päpstlichen Legaten für die pannonisch-mährischen Slawen ernannt und den Fürsten Ratislav, Zwentibald und Kocel ausdrücklich empfohlen. So sollten diese Fürsten die Möglichkeit bekommen, Unabhängigkeit von der salzburgisch-bayrischen Kirche zu erlangen. Außerdem ernannte Hadrian II. Method zum Erzbischof von Sirmium (heute Sremska Mitrovica), wo sich bis zum Eindringen der Awaren (582) ein spätantikes Bistum befunden hatte. Method hielt sich allerdings die meiste Zeit in Moosburg[1], dem heutigen ungarischen Zalavár auf, da Sirmium unter bulgarischer Herrschaft stand.

Jetzt begann der Streit zu eskalieren, da Pannonien bis zur Ernennung Methods zwischen dem Erzbischof von Salzburg, dem Bischof von Passau und dem Patriarchen von Aquileia aufgeteilt gewesen war. Method wurde bei einem bayrisch-mährischen Aufeinandertreffen gefangen genommen und vor König Ludwig den Deutschen nach Regensburg zitiert um sich zu verantworten.

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Und hier kommt die Conversio ins Spiel. Bei einem formalen Gericht, das möglicherweise von Ludwig selbst geleitet wurde, tauchte die Conversio auf und erklärte, wie die Bayern Mähren und Kärnten christianisiert hätten und dass die einzigen Probleme dabei Method und die slawische Sprache gewesen seien. Man kann also ohne Übertreibung sagen, die Conversio ist als internationale Quelle ersten Ranges zur Beeinflussung Ludwigs des Deutschen bei der Einvernahme Methods im Jahr 870 geschrieben worden.

Erst zweieinhalb Jahre später und nach scharfer Intervention des neuen Papstes Johannes VIII. wurde Method 873 freigelassen. Ihm wurde verboten Slawisch weiterhin als Messsprache zu verwenden.

Methods Bistum hielt nicht lange. Bereits 879 gelang es dem neuen Salzburger Erzbischof Theotmar in Pannonien wieder Fuß zu fassen und nach dem Tod Chozils 880 musste Method nach Mähren fliehen. Als Method schließlich 885 starb, war seine Idee einer slawisch geprägten Kirche in Mähren und Pannonien weitgehend gescheitert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Lošek (hrsg), Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und der Brief des Erzbischofs Theotmar von Salzburg, Monumenta Germaniae Historica: Studien und Texte, 15. Bd. (Hannover, 1997). ISBN 3-7752-5415-3.
  • Christian Rohr: Zwischen Bayern und Byzanz, Zur Missionierung Osteuropas im Früh- und Hochmittelalter, in: „Das Bild und die Geschichte Osteuropas im Mittelalter". Salzburg 2003
  • Herwig Wolfram: Conversio Bagoariorum et Carantanorum : das Weißbuch der Salzburger Kirche über die erfolgreiche Mission in Karantanien und Pannonien herausgegeben, übersetzt, kommentiert und um die Epistola Theotmari wie um gesammelte Schriften zum Thema erg. von Wolfram Herwig, Herausgeber für die slowenische Akademie Peter Štih, 2., gründlich überarb. Auflage, Ljubljana : Slovenska Akad. Znanosti in Umetnosti 2012, Klagenfurt : Hermagoras, ISBN 978-3-7086-0672-9 (Hermagoras).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uni-salzburg.at/fileadmin/oracle_file_imports/544327.PDF