Court tomb

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Verschiedene Formen von Court tombs
Creevykeel
Court tomb Rekonstruktion im Ulster History Park

Das Court tomb oder der Court cairn (dt. Hofgrab) von schottisch-gälisch Cairn für Steinmal, gehört zu den megalithischen Kammergräbern (Chambered tombs) der Britischen Inseln. Es wird mit etwa 350 Exemplaren nahezu ausschließlich in Ulster im Norden von Irland beziehungsweise in Nordirland gefunden. Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[1]

Der Name Court tomb wurde 1960 von dem irischen Archäologen Ruaidhrí de Valera eingeführt. Die bis zu 60 m langen Anlagen (Creevykeel im County Sligo und Farranmacbride im County Donegal) werden auch als Gehörnte (horned) Cairns bzw. Hummer (Lobster) Cairns bezeichnet. Einige sind kürzer als 20 m; eine Länge von etwa 30 m ist der Durchschnitt. Die maximale Breite beträgt ungefähr die Hälfte der Länge. Die meisten scheinen in der frühen Jungsteinzeit, ab 3500 v. Chr. errichtet worden zu sein, viele blieben bis in das Endneolithikum (2200 v. Chr.) in Gebrauch.

Die Typen[Bearbeiten]

Es gibt vier Untertypen. Sie haben entweder außen oder zentral gelegene Höfe. In der Mehrheit der Fälle liegt ein einzelner Hof vor, der

  • a) zur Umgebung offen ist und auch als "Half-Court" bezeichnet wird z.B. Browndod im County Antrim, Keel East im County Mayo und Clady Halliday im County Tyrone.
  • b) bis auf einen schmalen Zugang geschlossen ist; (Creevykeel, County Sligo) und im breiteren, gewöhnlich dem östlichen Teil des trapezoiden Steinhügels liegt, obwohl die Untersuchung eine Änderung des Hofes anzeigt, der in einer zweiten Phase umgebaut worden sein könnte. Ballyglass im County Mayo ist in vieler Hinsicht ähnlich.
  • c) Steinhügel mit Galerien und Höfen an beiden Enden werden "Double-Court" Cairns genannt (Cohaw im County Cavan). Gelegentlich sind die Steinhügel dieses Typs rechteckig, mehrheitlich jedoch trapezoid (Audleystown im County Down in Nordirland). Aghanaglack ist eine mit leicht schräg zueinander ausgerichtete Galerien versehene Anlage mit je zwei Kammern.
  • d) Die vierte seltenere Variante, schließt einige außergewöhnliche Anlagen ein. Bei den "Central-Court" Cairns, beispielsweise Magheraghanrush im County Sligo, liegt der Hof mittig im Steinhügel, die Galerien liegen axial zu beiden Seiten des Hofes. Der Steinhügel ist bei diesem Typ in der Mitte am breitesten und verjüngt sich zu beiden Enden hin. Der lateral Zugang liegt in der Mitte des ovalen Hofes.

Hügel und Hof (Court)[Bearbeiten]

Ein meist langer, oft trapezförmiger Hügel aus Bruchstein wurde über mehreren, zumeist (2 bis 4) hintereinander (Galerien) liegenden Kammern errichtet. Eine Einfassung umgibt die Cairns und die innenliegenden Höfe. Der Hof wird auf der Seite der Galerie(n) durch eine gestaltete Exedra begrenzt, die zumeist aus Orthostaten besteht. Die Orthostaten sind häufig in der Nähe des Zugangs zur Galerie besonders hoch. Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Räume zwischen ihnen mit Zwischenmauerwerk gefüllt waren, so dass die Steine wie Tafeln in einer geschlossenen Wand aussahen. Andere Höfe, wie der von Behy, County Mayo, waren mit Trockenmauerwerk umgrenzt. Die Höfe können in rund oder oval sein. Sie erschließen die Galerie mit den Kammern. Auf zwei Höfen außerhalb des Hauptverbreitungsgebietes der Court tombs, fanden sich kleine U-förmige Steinhügel (Ballynamona Lower, County Waterford und Shanballyedmond, County Tipperary). Der Steinhügel von Shanballyedmond wurde bei der Ausgrabung völlig abgetragen und erbrachte interessante Ergebnisse. Ein trichterförmiger Vorbereich zur Galerie und die Galerie selbst waren gepflastert. Der Steinhügel war mit Orthostaten und Trockenmauerwerk gefasst. Etwa 2,3 m vom Steinhügel entfernt wurde eine U-förmige Anordnung von 34 Postlöchern gefunden. Der polygonale Steinhügel von Bavan, im County Donegal, war sicher ein ursprünglicher Teil des Denkmals.

Galerie[Bearbeiten]

Die Galerie besteht aus bis zu vier Kammern, die mehr symbolisch voneinander getrennt sind. Manchmal liegt ein Schwellenstein zwischen zwei seitlichen Pfosten. Statt einer Schwelle, die den Zugang zum Raum erlaubt, schließen mitunter auch höhere Platten, Septal-Steine genannt, den Raum zwischen den Pfosten. Die Kammern sind Teil einer durch einen Trilithenzugang markierten axialen Galerie, die vom Hof (oder den Höfen) aus zugänglich ist. Galerien werden oben durch horizontal aufgelegte Platten, durch Kraggewölbe oder eine Kombination der Deckenarten geschlossen. In den meisten Fällen fehlt dieses Dach heute vollständig, aber bei Carrowbeagh, im County Mayo ist es erhalten. Einige Anlagen haben in der Galerie Seitenkammern (Behy, County Mayo). Cloghanmore hat zwei koaxial parallel liegende Galerien. In Deerpark, County Sligo, liegen zwei parallele Galerien am einen Ende des Hofes und eine einzelne am anderen Ende. Eine ungewöhnlich lange Galerie überlebte in Moytura, Highwood im County Sligo. Bei Cloghanmore in Malin More County Donegal befinden sich auf zwei Orthostaten der Hofeinfassung Petroglyphen, die aber stilistisch in die Eisenzeit gehören.

Manche Anlagen haben separate (vermutlich nachträglich eingebaute) Seitenkammern mit eigenen Zugängen an den Langseiten der Cairns (z.B Creevekeel, County Sligo, Cregganconroe, County Tyrone, Tullyskeherny County Leitrim und Annaghmare im County Armagh). Einige liegen am Außenrand des Cairns, aber viele liegen weiter Innen und haben einen kurzen Gang. Einige Anlagen im südwestlichen Donegal haben diese Seitenkammern im Hofbereich.

Knochenmaterial[Bearbeiten]

Laut L. Flanaghan wurden (Stand 1998) 36 Court tombs ausgegraben oder untersucht. In 13 von ihnen fanden sich aufgrund der Bodenverhältnisse keine Knochen. In den übrigen 23 wurden nur teilweise definierbare Knochen gefunden. Lediglich fünf (alle in Ulster) bargen unverbrante Knochen. Die Anlagen, die Informationen lieferten, wie Clontygora, erbrachten kremierte Knochen von einem Erwachsenen, während in Carrick-East der Knochen eines Erwachsenen gefunden wurde. In Ballyreagh, County Fermanagh, wurde eine Frau im Alter zwischen 25 und 35 erkannt, während in Aghnaskeagh, County Louth, die kremierten Knochen als die einer Frau und eines Mädchens identifiziert wurden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schottland[Bearbeiten]

Die schottischen Clyde tombs[2] (z. B. Cairnholy I und II, bei Newton Stewart) sind ungefähre Entsprechungen der irischen Court tombs. Die Form hat indes in England Vorläufer in der Holzkammer von Haddenham in Cambridgeshire, wo das Moor eine hölzerne Kammer mit fünf intakten Skeletten konservierte, aber auch mit der Pfahlkonstruktion des Langhügels von Street House in Yorkshire. Clyde tombs haben gegenüber Court tombs eine wesentlich höhere Exedra. Die schottischen Nutzer bevorzugten im Allgemeinen die Körperbestattung, während in Irland die Einäscherung üblich war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rodney Castleden: The Stonehenge people. An exploration of life in Neolithic Britain 4700–2000 BC. Routledge, London u. a. 1987, ISBN 0-7102-0968-1.
  • Elizabeth Shee Twohig: Irish Megalithic tombs. Shire, Princes Risborough 1990, ISBN 0-7478-0094-4 (Shire archaeology 63).
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 36).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15
  2. Der ältere Begriff Clyde-Carlingford beruht auf der irrigen Annahme von Vere Gordon Childe und St. Pigott die nordirische Court tombs mit den schottischen Clyde tombs gleichsetzen. Untersuchungen von J. Scott und Ruaidhri de Valera in Irland stellten jedoch klar, dass von einer Carlingford-Variante nicht gesprochen werden kann.

Weblinks[Bearbeiten]