Cradle to Cradle

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Das Cradle to Cradle-Konzept (engl., dt. sinngemäß Von der Wiege zur Wiege) beschreibt eine Form zyklischer Ressourcennutzung, in der Produktionsweisen am Erhalt geschöpfter Werte ausgerichtet sind. Analog dem Nährstoffzyklus der Natur, in dem "Abfälle" eines Organismus von einem anderen genutzt werden, sollen in der Produktion Materialströme so geplant werden, dass Abfälle sowie eine ineffiziente Nutzung von Energie vermieden werden. Das Cradle to Cradle-Konzept wurde 2002 von Michael Braungart und William McDonough entwickelt[1]. Das Konzept basiert auf einem Begriff, der in der 1970ern durch den Schweizer Unternehmens- und Politikberater Walter R. Stahel eingeführt wurde.

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten]

Seit der industriellen Revolution vor 200 Jahren tragen Produktionsverbesserungen kontinuierlich dazu bei, dass der Lebensstandard steigt. Diese Entwicklung führte zu erheblichen Problemen im Ressourcenverbrauch. Aus diesem Grund haben Michael Braungart und William McDonough das Konzept Cradle to Cradle entwickelt und im Buch „Cradle to Cradle, Remaking the Way We Make Things“ publiziert.

Heute wird das Cradle-to-Cradle-Konzept weltweit angewandt. Zum Beispiel formulierte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger Cradle to Cradle als eines seiner politischen Ziele, indem er die Forderung aufstellte „to move California to a Cradle to Cradle Economy by 2050.” In Europa wurde ein Cradle-to-Cradle-Netzwerk eingerichtet, welches zum Austausch von Ideen und Lösungen dienen soll. In China wurden im Rahmen der Kreislaufwirtschaftsinitiative (2004) und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz wesentliche Teile aus dem Cradle to Cradle Design übernommen.

Die Weltgartenbauausstellung Floriade 2012 ist nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip errichtet worden, auch weil die Stadt Venlo das Prinzip für die Ansiedlung von Unternehmen als Vorgabe etabliert hat.

Bedeutung[Bearbeiten]

Eine Ökobilanz gewährleistet, dass bei der Gewinnung von Rohmaterial (Cradle) bis hin zur Entsorgung auf einer Deponie (Grave), keine schädlichen Einflüsse auf die Umwelt auftreten. Dieser Prozess dient zum Schutz der Umwelt, allerdings werden natürliche Ressourcen erschöpft. Werden Produkte nach Cradle to Cradle konzipiert, so entsteht kein Abfall beziehungsweise wird dieser recycelt und es fallen keine negativen Einflüsse auf die Umwelt an. Die eingesetzten Materialien befinden sich also in einem geschlossenen Kreislauf ohne den Verlust von natürlichen Ressourcen. Eine neue Ökobilanz auf Basis von Cradle to Cradle anstelle Cradle to Grave bei einer vollständigen Verwertung der Rohstoffe, Wasser und Energie kann durch die Nutzung der „7Rs Golden Rule“ ermöglicht werden. Sie sind ein Muss für nachhaltige Entwicklung und stehen für:

  • reduction (Reduzierung),
  • reusing (Wiederverwendung),
  • recycling (Wiederverwertung),
  • recovering (Wiederherstellung),
  • rethinking (Umdenken),
  • renovation (Erneuerung) und
  • regulation (Regulierung).

Braungart und McDonough empfehlen den Wechsel zu einem System, in welchem Abfall für die Herstellung neuer Produkte wiederverwendet werden kann.[2]

Zertifizierungsprozess (nach EPEA)[Bearbeiten]

Das Ziel des Zertifizierungsprozesses ist die Auszeichnung von Produkten, welche umweltsichere, gesunde und kreislauffähige Materialien verwenden. Diese Materialien müssen dabei recycelbar und kompostierbar sein. Des Weiteren erfolgen hierbei die Berücksichtigung des Einsatzes von erneuerbaren Energien, der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser sowie der soziale Aspekt. Somit besitzen Unternehmen mittels des Zertifikats die Möglichkeit ihre Erfolge und Fortschritte bezüglich eines Cradle to Cradle-Designs ihrer Produkte darzustellen. Seitens der Kunden besteht hingegen damit die Option gezielte Produkte nachzufragen, welche einem erweiterten Qualitätsanspruch genügen. Die Gültigkeit eines Cradle to Cradle-Zertifikates beträgt ein Jahr. Durch die anschließende Rezertifizierung wird sowohl die Produktqualität bestätigt als auch die Möglichkeit geboten, durch Fortschritte eine höhere Zertifizierungsstufe zu erreichen. Es gibt dabei vier solcher Zertifizierungsstufen (Basic, Silber, Gold, Platin), welche den Grad der erfüllten Anforderungen eines Cradle to Cradle-Produkt wiedergeben. Das Cradle to Cradle-Zertifizierungsprogramm sowie die dazugehörige Zertifizierungs- Kriterienmatrix wird von EPEA vorgegeben.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Das C2C Konzept von Braungart zertifiziert seine eigenen Analysen und entspricht somit nicht den ISO Normen 14040 und 14044 für die Ökobilanzierung, die eine kritische Nachprüfung eines unabhängigen Gutachters vorschreiben.

Das C2C Konzept berücksichtigt die Nutzungsphase eines Produktes nicht. Bei manchen Produkten ist dies allerdings der ausschlaggebende Faktor für den ökologischen Fußabdruck, wie z.b. bei der Mobilität. Den größten Einfluss auf die Umwelt hat ein Auto oder ein Flugzeug während der Nutzungsphase. Daher ist maßgeblich, wie leicht die Transportmittel sind, um so wenig wie möglich Treibstoff zu konsumieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Braungart, M.; McDonough, W.: Cradle to Cradle. Remaking the Way We Make Things. North Point Press, New York, 2002, ISBN 978-0865475878
  • El-Haggar, S.: Sustainable industrial design and waste management. Cradle-to-cradle for sustainable development. Academic Press, Burlington, 2007, ISBN 9-780-12373623-9
  • Luther, B.: Cradle to Cradle Product Certification. A Revolution in Product Innovation. In: International Journal of Innovation Science, Vol. 4/2012, Nr. 1, S. 1–9
  • Koisser, H. u. a.: Cradle-to-cradle, die nächste industrielle Revolution – Idee, Kritik und Interviews. In: wirks, 1 (2010), S. 5–29. Download (PDF; 3,1 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cradle to Cradle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Braungart, M.; McDonough, W.: Cradle to Cradle. Remaking the Way We Make Things. North Point Press, New York, 2002, ISBN 978-0865475878
  2. Braungart, M.; McDonough, W.: Einfach intelligent produzieren. cradle to cradle: Die Natur zeigt, wie wir die Dinge besser machen können. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin, 2008, ISBN 9-783-83330183-4
  3. Cradle to Cradle-Zertifizierung. Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA) Internationale Umweltforschung GmbH, abgerufen am 5. Juni 2012.