Creditreform

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Creditreform
Creditreform.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft, Kommanditgesellschaft (Deutschland)
Gründung 9. März 1879
Sitz Neuss
Leitung Christian Wolfram (Präsident des Vorstandes Verband der Vereine Creditreform e.V.),

Volker Ulbricht (Hauptgeschäftsführer Verband der Vereine Creditreform e.V.)

Mitarbeiter circa 4000 in Deutschland (2011)
Umsatz circa 543 Millionen EUR in Europa, davon 488 Millionen EUR in Deutschland (2011)
Branche Wirtschaftsauskunftei, Forderungsmanagement, Factoring, Marketing
Produkte Firmenauskünfte, Personenauskünfte, Forderungsmanagement, Inkasso, Kreditmanagement, Risikomanagement, Liquiditätsmanagement, Softwarelösungen, Systemlösungen, Direktmarketing-ServicesVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.creditreform.de

Die Creditreform Unternehmensgruppe agiert als Wirtschaftsauskunftei und Inkasso-Dienstleister sowie in anderen Geschäftsfeldern.

Geschichte[Bearbeiten]

Creditreform wurde am 9. März 1879 in Mainz von einer Gruppe von 25 kleinen Gewerbetreibenden und Händlern als „Verein Barzahlung Mainz“ mit dem Ziel gegründet, keinem Kunden mehr Kredit zu geben, der einem Vereinsmitglied etwas schuldet. Der Verein änderte bereits am 9. August 1879 den Namen in „Verein Creditreform zum Schutze gegen schädliches Creditgeben“. Als neue Vereinsziele wurde Schutz der Mitglieder gegen den Missbrauch des Kredits, Unterstützung beim Einzug von Außenständen, Reform der Kreditverhältnisse und vor allem eine sichere Auskunftserteilung durch ein Netzwerk mit anderen Kreditvereinen auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit definiert. Kurz nach der Gründung gab es in Deutschland 15 voneinander unabhängige Vereine nach der gleichen Idee, die sich 1883 unter Dachorganisation „Verband der Vereine Creditreform e. V.“ (VVC) zusammenschlossen.

Seit 1928 gehören u. a. Angaben zum Jahresumsatz, Bilanzkennzahlen, Anzahl der Beschäftigten und die Kapitalausstattung zur Auskunft, um Gewerbetreibenden und Unternehmen eine wirkungsvolle Bonitätsprüfung zu ermöglichen. In dieser Zeit führte Creditreform ein einheitliches Auskunftsschema ein. 1947 zog der VVC aus dem zerstörten Leipzig nach Neuss um. Nach dem Ölpreisschock 1973 und dem Ende der festen Wechselkurse im internationalen Zahlungsverkehr änderte sich das Aufgabengebiet der Organisation in die Früherkennung von Kreditrisiken. 1979 wurden die ehemals nur regional vorhandenen Datenbestände in einer zentralen Datenbank zusammengefasst. Seit 1990 werden auch Privatpersonen mit ihrer Bonität bewertet.

Zwischen 2009 und 2011 hat Creditreform eine neue Auskunftsgeneration eingeführt, welche neben Lösungen für Kreditentscheidungen im mittleren und hohen Risikobereich, auch Auskunftsformate für Bonitätsprüfungen bei geringen Risiken anbietet. Von Bedeutung sind dabei mehr als 90 Millionen Zahlungsbelege aus dem Debitorenregister Deutschland, dem Zahlungserfahrungspool von Creditreform. Darüber hinaus stehen 5 Millionen Bilanzen zu einer Million Unternehmen zur Verfügung. Weitere neue Inhalte sind Angaben zur Ausfallwahrscheinlichkeit eines Unternehmens, zu Beteiligungen und Funktionen der Beteiligten sowie zum Firmenstatus und zur Firmenhistorie. Ein wesentliches Merkmal der Bonitätsauskünfte ist der Bonitätsindex, anhand dessen man 'auf einen Blick' die Bonität erkennen kann.

Seit Februar 2011 integriert Creditreform eine weiterentwickelte Version des Bonitätsindex in die verschiedenen Produktformate der Firmenauskunft. Dazu wurde die Berechnungsmethode und die Informationsgrundlage für den Bonitätsindex weiterentwickelt. Zusammen mit einer genauen Angabe zur Ausfallwahrscheinlichkeit des jeweiligen Unternehmens soll der dabei entstandene Bonitätsindex2.0 dazu beitragen, potenziell ertragreiche und verlustreiche Geschäfte oder Geschäftspartner noch exakter unterscheiden zu können. Die wesentlichen Veränderungen hat Creditreform in einem Informationsfilm zusammengefasst.[1]

Struktur[Bearbeiten]

Die grundsätzliche Struktur von Creditreform hat sich seit 1879 kaum geändert. Ein Unternehmen ist nicht Kunde bei Creditreform, sondern Mitglied bei einem der lokalen Vereine Creditreform. Die Geschäfte dieser eingetragenen Vereine werden von Betriebskommanditgesellschaften geführt. Alle Vereine Creditreform sind unter dem Dach des „Verbandes der Vereine Creditreform e. V.“ mit Sitz in Neuss zusammengeschlossen.

2011 existierten in Deutschland 130 regionale Vereine Creditreform, die 123.000 Mitgliedsunternehmen als Mitglieder führen. Heute ist Creditreform eine der größten Wirtschaftsauskunfteien mit 176 Geschäftsstellen in Europa.

Die Landesgesellschaften in Österreich, Bulgarien, Schweiz, Tschechien, Estland, Kroatien, Serbien, Ungarn, Ukraine, Italien, Litauen, Luxemburg, Lettland, Polen, Rumänien, Russland, Slowenien, Slowakei, Großbritannien, Türkei und China bilden die Creditreform International-Gruppe. Hierdurch sind Auskünfte auch über Firmen aus diesen Ländern möglich.

2001 wurde mit der Creditreform AG eine Holdinggesellschaft gegründet, die weitere zur Unternehmensgruppe gehörende Betriebe unter einem Dach vereinigt. Hier sind zu nennen:

  • beDirect GmbH & Co.KG
  • Creditreform Boniversum GmbH
  • Creditreform Rating AG
  • Crefo Factoring
  • CPM Creditreform Portfolio Management GmbH
  • IMMO-CHECK GmbH
  • microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Das Spektrum im Auskunftsbereich gliedert sich zunächst in Firmeninformationen und Privatpersonenauskünfte. Die Auskünfte zu Privatpersonen basieren auf einer Datenbank mit rund 79 Millionen personenbezogenen Datensätzen zu fast 61 Millionen Bundesbürgern. In Zeiten zunehmend bargeldloser Konsumtransaktionen ermöglichen es die risikorelevanten Verbraucherinformationen der Privatpersonenauskünfte, (Waren-)Kreditentscheidungen abzusichern und ein modernes Risikomanagement zu praktizieren. Im Bereich der Firmeninformationen stellt Creditreform alle notwendigen Informationen über die Bonität und Finanzstruktur sowie das Umfeld von Unternehmenskunden zur Verfügung. Das Spektrum reicht hier vom einfachen Handelsregistereintrag bis hin zum Unternehmensrating. Die Wirtschaftsauskünfte lassen sich in verschiedenen Bereichen nutzen. So ermöglichen sie die Identifikation bonitätsstarker Kundenpotenziale und die risikoadäquate Konditionierung von Geschäftsbedingungen. Gleichzeitig erfüllen Wirtschaftsauskünfte eine Frühwarnfunktion für relevante Veränderungen der Kunden- oder Lieferantenbonität durch Monitoring. Basis der Aussagekraft von Wirtschaftsauskünften ist die Kombination aus öffentlich verfügbaren Daten und exklusiv recherchierten und bewerteten Informationen. Der Kern aller Auskunftsprodukte ist die Creditreform Firmendatenbank, die mit rund 3,9 Millionen Auskünften weltweit größte Wirtschaftsdatenbank über deutsche Unternehmen.

Im Forderungsmanagement bietet Creditreform zur Realisierung offener Forderungen einen Full-Service an. Im Bereich Marketing Services besteht die Möglichkeit den vorhandenen Adressdatenbestand in Unternehmen zu aktualisieren und unter dem Gesichtspunkt des Ausfallrisikos zu bewerten. Auch eine bonitätsbasierte Auswahl und Ansprache von potenziellen Neukunden ist möglich.

Adresshandel[Bearbeiten]

Ein weiteres Geschäftsfeld der Creditreform-Gruppe stellt der Adresshandel dar. Die Creditreform Boniversum GmbH, welche als Wirtschaftsauskunftei auf die Erhebung von Bonitätsinformationen über Konsumenten spezialisiert ist, gibt dafür im Rahmen des datenschutzrechtlichen Listenprivilegs Verbraucheradressdaten aus ihrem Datenbestand an die microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH weiter. Letztere ist ebenfalls Teil der Creditreform-Gruppe und auf den Handel mit Adressdaten spezialisiert. Die microm vertreibt diese Daten dann zu Marketingzwecken weiter.

Online-Firmendatenbank[Bearbeiten]

Die Online-Firmendatenbank FirmenWissen wird durch den Verband der Vereine Creditreform e.V. betrieben. Der Online-Dienst wurde 2004 durch eine Kooperation mit der Verlagsgruppe Handelsblatt ins Leben gerufen. Das Angebot konzentriert sich auf die Firmendaten von Creditreform und ermöglicht die Recherche in folgenden Datenbeständen:

Kritik[Bearbeiten]

In der Hörfunksendung Mittagsmagazin berichtete der Westdeutsche Rundfunk in seinem Programm WDR 2 am 11. November 2008 unter der Überschrift „Fragwürdige Doppelrolle“ über die Creditreform. Der WDR kritisierte, dass die „Creditreform ihre Doppelrolle als Bonitätsauskunft und Inkassobüro ausnutzt, um die Verbraucher einzuschüchtern“. Das Unternehmen verweist in diesem Zusammenhang auf die Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG), die regeln unter welchen Voraussetzungen Informationen zu Zahlungsverzögerungen für die Auskunftserteilung genutzt werden dürfen.

In dem Studienbericht „Verbraucherinformation Scoring[2]“, erstellt von der GP Forschungsgruppe, finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vom Juni 2009, wird unter anderen Auskunfteien auch Creditreform erwähnt. Ziel des Projektes war anhand von 100 Testpersonen „... zu ermitteln, in welcher Weise und in welchem Ausmaß Konsumentendaten bei Auskunfteien fehlerhaft gespeichert sind und aus dieser Kenntnis heraus Strategien zu entwickeln, die zu einer Verbesserung der Verbraucherinformation beitragen.“

Der Bericht führt bezüglich der CEG Creditreform (seit April 2012: Creditreform Boniversum GmbH[3]) auf, dass 5 % der überprüften bei der CEG Creditreform gespeicherten Konsumentendaten falsch gewesen waren.

Die Mehrzahl der Creditreform-Auskünfte (58 %) gibt nur Identifikationsdaten wieder, das heißt die Informationen, die der Auskunftssuchende selbst an Creditreform übermittelt hat (Alter und Adresse). Der Anfrager füttert somit mit seiner Anfrage de facto die Datenbank der Auskunftei, wenn er eine Auskunft haben will. Scoring-Werte sind den Testpersonen in keinem Fall mitgeteilt worden.

Des Weiteren wurde am Beispiel ermittelt, dass in der Praxis eine Sperrung strittiger Daten durch die CEG Creditreform jedoch nicht erfolgte. Auch den Wunsch nach Löschung dieser Information lehnte die CEG Creditreform immer mit dem Hinweis ab, dass die Information in dieser Form übermittelt worden und daher nicht von CEG Creditreform löschbar sei. Dieses Vorgehen wird in den FAQ[4] der CEG Creditreform auch bestätigt. In dem im Bericht geschilderten Fall verweigerte wiederum der Datenlieferant die Löschung aus formalen Gründen, womit letztendlich die Löschung unmöglich schien. Der Bericht folgert, dass hier zukünftig eine eindeutigere Verfahrensweise angestrebt werden sollte und Regelungsbedarf gegeben ist.

Für die Schweiz muss für den Handelsregisterauszug einer Firma, welcher grundsätzlich überall gratis gefunden wird, auf der Creditreform-Homepage Firmenwissen über 10 Euro plus Mehrwertsteuer bezahlt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Stephan Gärtner: Harte Negativmerkmale auf dem Prüfstand des Datenschutzrechts. Ein Rechtsvergleich zwischen deutschem, englischem und österreichischem Recht. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8300-5418-4. Link zum Buch

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2011-01 Informationsfilm Creditreform Bonitätsindex 2-0 (Version vom 26. Juli 2011 im Internet Archive)
  2. Verbraucherinformation Scoring (PDF; 1,1 MB), erstellt von der GP Forschungsgruppe, finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vom Juni 2009
  3. CEG Creditreform Consumer GmbH firmiert um in Creditreform Boniversum GmbH und positioniert sich neu. boniversum. 19. April 2012. Abgerufen am 12. September 2013.
  4. FAQ (PDF; 480 kB) der Creditreform Boniversum GmbH