Cyberaktivismus

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Cyberaktivismus (auch: Cyberprotest, E-Protest, Internetaktivismus oder Online-Aktivismus) ist die Nutzung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien wie E-Mail, Foren, Twitter, Podcasts, Websites oder Wikis für verschiedene Protestformen. Internettechnologien werden von Protestakteuren dabei für die Praxen des Framing, Identitätstiftens, Mobilisierens und Netzwerkens genutzt.

Bedeutung des Internets für soziale Bewegungen[Bearbeiten]

Donk et al. gehen davon aus, dass insbesondere Akteure neuer sozialer Bewegungen das Internet nutzen, da dies ihren Ideologien und ihren organisatorischen Bedürfnissen entspricht. Auch würden sich Protestakteure mittels des Internets für interne und externe Mobilisierungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene schneller und effizienter vernetzen können. Während einerseits die große Bedeutung des Internets an einzelnen Fallbeispielen – insbesondere der digitalen internationalen Vernetzung der Zapatistas und der damit verbundenen Gründung des Peoples Global Action Netzwerkes – hervorgehoben wird, wird andererseits von komplexen Zusammenhängen der Online-/Offline-Vernetzung von Protest ausgegangen. Reine Formen des Cyberaktivismus wie beispielsweise die Online-Demonstration gegen Lufthansa bilden laut dem Bewegungsforscher Dieter Rucht eher Ausnahmen.[1]

Typen von Cyberaktivismus[Bearbeiten]

Vegh unterscheidet folgende Formen von Cyberaktivismus:

  • Advocacy: Bereitstellung und Verbreitung von Informationen, Angebot von Foren für offene Diskussionen sowie Maßnahmen des sogenannten e-Lobbying.
  • Organisation/Mobilisierung: Aufrufe zu Online-/Offline-Aktionen (z.B. das Kontaktieren politischer Entscheidungsträger per Online-Petitionen).
  • Aktion/Reaktion: Online-Attacken von Hackern, Cyber-Kampagnen, Cyber-Kriege.

Kritik[Bearbeiten]

Geringes Involvment durch 'One-Click-Protest', Cyberbalkanisierung von Öffentlichkeiten,[2] Anonymität und nicht zuletzt das Widerspiegeln der Digital-Divide-Problematik werden als fraglich im Sinne des Beitrages von Cyberaktivismus zu einer (transnationalen) Demokratisierung der Gesellschaft betrachtet.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sigrid Baringhorst, Veronika Kneip & Johanna Niesyto (Hrsg.) Political Campaigning on the Web (= Medienumbrüche. Vol. 37). Transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1047-5
  • Ulrich Dolata/Jan-Felix Schrape (2013): Zwischen Individuum und Organisation. Neue kollektive Akteure und Handlungskonstellationen im Internet. Stuttgarter Beiträge zur Organisations- und Innovationssoziologie 2013-02. Volltext Online (PDF-Datei; 1117 kB)
  • Wim van de Donk, Brian D. Loader, Paul G. Nixon, Dieter Rucht (Hrsg.): Cyberprotest. New Media, Citizens and Social Movements. Routledge, London u. a. 2004, ISBN 0-415-29785-0 (Englisch).
  • Anja Ebersbach, Richard Heigl: Click here to protest? Zur Entstehung von Solidarität über das Internet und die „Thesen über den Begriff von Geschichte“ von Walter Benjamin. In: kommunikation @ gesellschaft. 6. Jg., 1, 2005, ISSN 1616-2617, S. 1–22, online.
  • Neue Bewegungen im Internet? (= Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen. 19. Jg., Heft 2, ISSN 0933-9361). Lucius & Lucius, Stuttgart 2006
  • Martha McCaughey & Michael D. Ayers (Hrsg.): Cyberactivism. Online Activism in Theory and Practice. Routledge, New York u. a. 2003, ISBN 0-415-94319-1
  • Evgeny Morozov: The Net Delusion: The Dark Side of Internet Freedom. New York: PublicAffairs Books, New York 2011, ISBN 978-1-58648-874-1
  • Dieter Rucht: Cyberprotest. Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste. (PDF; 96 kB) 2005.
  • Carolin Welzel: Neue Medien – Neue Protestformen. Bewegungsformation in Echtzeit. In: Vorgänge. 164 = 42. Jg., 4, 2003, S. 74–82.

Artikel und Konferenzpapiere[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rucht, Dieter (2005): Cyberprotest. Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste. (PDF; 96 kB)
  2. Sunstein, Cass R. (2007): Republic.com 2.0. Princeton: Princeton University Press.
  3. z.B. Rucht, Dieter (2005): Cyberprotest. Möglichkeiten und Grenzen netzgestützter Proteste. (PDF; 96 kB)