Das Totenhemdchen

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Das Totenhemdchen ist ein Märchen (ATU 769). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 109 (KHM 109). Dort schrieb sich der Titel Das Todtenhemdchen. Ludwig Bechstein übernahm es inhaltlich in sein Deutsches Märchenbuch als Das Tränenkrüglein (1845 Nr. 27, 1853 Nr. 26).

Inhalt[Bearbeiten]

Eine Mutter hat ein Büblein, das sie sehr liebt. Mit sieben Jahren stirbt das Kind. Die Mutter weint sehr viel und das Kind erscheint nachts und weint mit ihr. Schließlich erscheint es seiner Mutter nachts in seinem weißen Totenhemdchen und sagt, die Mutter müsse doch aufhören zu weinen, damit sein Totenhemdchen trocken wird. Die Mutter findet sich mit ihrem Schmerz ab, und das Kind findet Ruhe.

Herkunft, Vergleiche und Rezeptionen[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung notiert Aus Bayern (wohl Ferdinand Philipp Grimm) und vergleicht: Meinert 1, 13; Edda zweites Helgelied Str. 44; ein dänisches Volkslied von Ritter Age und Jungfrau Else; Müllenhoff S. 144 zwei Sagen, eine aus Helmold 1, 78; Knapps Christoterpe (1835) S. 278; Wackernagel Altdeutsche Blätter Nr. 174 f. und Anm. S. 197.

In Grimms Nachlass fand sich eine Variante, in der das Kind Beinchen aus Gold und Diamant hat und erst Ruhe findet, als man sie ihm wieder in Grab gibt.[1] Vergleiche auch KHM 117 Das eigensinnige Kind und KHM 154 Der gestohlene Heller. Das Märchen ähnelt auch Johannes Geilers Exemplum im Traktat Trostspiegel, das die Brüder Grimm in einer Ausgabe von 1510 besaßen und das wiederum aus Thomas Cantipratanus' Bienenbuch entnommen war. Das nasse Gewand kommt erstmals in Helmold von Bosaus Chronica Slavorum (1, 79; 12. Jh.) vor. In neueren Stücken ist es oft ein Tränenkrüglein, wie man sie auch in Gräbern fand.

Bei Ludwig Bechstein heißt ein ähnliches Märchen Das Tränenkrüglein. Wilhelm Busch schuf die Bildergeschichte Das todte Gretchen.

In einer Monographie von Maria Christa Maennersdoerfer über den Erzähltyp, dem die Erzählforschung in Anlehnung an Bechstein den Namen “Tränenkrüglein” gegeben hat, ist der älteste Beleg, eine syrische Erzählung des 9. Jahrhunderts n. Chr., erstmals von Peter Nagel (Orientalist) aus dem Syrischen ins Deutsche übersetzt worden. Obwohl die Dokumente der syrischen Codices in der British Library und der Bibliothèque nationale de France vorhanden sind, ist die deutsche Sprache erste Übersetzungssprache.

Film[Bearbeiten]

Das Märchen inspirierte Christian Petzold zu dem Film Gespenster (2005).

Literatur[Bearbeiten]

  • Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. S. 533-534. Düsseldorf und Zürich, 19. Auflage 1999. (Artemis & Winkler Verlag; Patmos Verlag; ISBN 3-538-06943-3)
  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 202, 488. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 245-246. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)
  • Maennersdoerfer, Maria Christa: Das Exempel der obsessiven Trauer. Textzeugnisse und Lebenszusammenhänge. Mit einem Geleitwort von Wolfgang Brückner. Duisburg 2011. (P. W. Metzler; ISBN 978-3-936283-14-3)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Das Totenhemdchen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rölleke, Heinz (Hg.): Märchen aus dem Nachlass der Brüder Grimm. 5. verbesserte und ergänzte Auflage. Trier 2001. S. 27, 106. (WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier; ISBN 3-88476-471-3)