Dawit Lortkipanidse

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Dawit Lortkipanidse, November 2007

Dawit O. Lortkipanidse (auch: David Lordkipanidze, georgisch: დავით ლორთქიფანიძე; * 5. August 1963, in Tiflis) ist ein georgischer Paläoanthropologe und seit 2004 Generaldirektor des Nationalmuseums von Georgien, in dem 2002 auf seine Initiative hin die zehn führenden Museen des Landes sowie zwei Forschungsinstitute vereint wurden. Bereits seit 1997 ist er zudem der Leiter des Instituts für Geologie und Paläontologie am Georgischen Zentrum für vorgeschichtliche Forschung („Georgian Center for Prehistoric Research“), das ebenfalls dem Nationalmuseum angegliedert ist.

Werdegang[Bearbeiten]

Dawit Lortkipanidse, Sohn des Archäologen Otar Lortkipanidse, studierte von 1980 bis 1985 an der Fakultät für Geologie und Geographie der Staatlichen Universität Tiflis und von 1986 bis1992 am Institut für Geografie der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. 1992 legte er in Moskau auch seine Doktorarbeit vor, in der er die Besonderheiten der Wechselwirkungen zwischen Umwelt und frühen Menschen in Bergregionen analysierte. Von 1992 bis 1997 war er für die Georgische Akademie der Wissenschaften tätig und arbeitete als Postdoc zeitweise u.a. an der Universität Göttingen (1992), am Muséum national d’histoire naturelle in Paris (1996 und 1997) sowie am Deutschen Archäologischen Institut in Lissabon und Madrid (1996).

Ab 1997 leitete Dawit Lortkipanidse – anfangs dank mehrerer Stipendien der Leakey Foundation, der National Geographic Society und weiterer Stiftungen – paläoanthropologische Ausgrabungen an mehreren Orten in Georgien. Nach seiner Habilitation (2001) für die Fachgebiete Archäologie, Geografie und Paläobiologie an der Universität von Tiflis wurde er 2002 zum stellvertretenden Direktor des Nationalmuseums von Georgien berufen. In einer Würdigung durch die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hieß es: „Unter seiner Leitung verwandelt sich das Museum kontinuierlich von einer typischen Sowjet-Einrichtung in eine pulsierende Stätte für Kultur, Bildung und Wissenschaft.“ [1]

2004 wurde er mit dem Rolex-Preis für Unternehmungsgeist ausgezeichnet.

Forschungsthemen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hominine Fossilien von Dmanisi
Der Schädel D2700 (Replika)

Dawit Lortkipanidse wurde international bekannt aufgrund seiner Ausgrabungen am Fundort Dmanisi im südlichen Kaukasus, wo unter seiner Leitung die ältesten Fossilien der Gattung Homo außerhalb Afrikas entdeckt wurden: „außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien von mehreren Hominiden, im geologischen Zusammenhang mit Tierfossilien und Steinwerkzeugen“, die „eine genaue Untersuchung der wahrscheinlich frühesten Anpassung der Gattung Homo an gemäßigte Klimabedingungen“ erlauben. [2] Die auf ein Alter von 1,7 bis 1,8 Millionen Jahre datierten Knochenfunde stehen vermutlich den afrikanischen Funden von Homo erectus oder Homo ergaster nahe, weisen aber auch morphologische Ähnlichkeiten zu deren Vorläufern Homo habilis und Homo rudolfensis auf, so dass sie auch als eigene Art („Homo georgicus“) bezeichnet wurden, [3] [4] [5] was aber bislang von der Forschergemeinde nicht akzeptiert wurde. [6]

Die Zuordnung dieser Hominiden-Funde zum Stammbaum des Menschen ist seit ihrer Entdeckung Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Diskussionen. [7] [8] Von einigen Forschern werden sie als transitionale Fossilien interpretiert, die morphologisch und zeitlich zwischen den früheren Homo-Funden aus Afrika und den späteren aus Asien und Europa stehen: „Die Fossilien aus Dmanisi sind die ersten sicheren Belege für die Auswanderung des frühen Homo aus Afrika.“ [9] Möglicherweise entstammen die Funde aus Georgien einer Homo-Population, die bereits 300.000 Jahre vor der Einwanderung von Homo erectus (die letztlich auch zur Besiedelung Europas führte) Afrika verlassen hatte. [10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Natur und Museum“ 137, Heft 9/10, 2007, S. 247
  2. „Natur und Museum“ 137, Heft 9/10, 2007, S. 248
  3. Léo Gabounia, Marie-Antoinette de Lumley, Abesalom Vekua, David Lordkipanidze, Henry de Lumley: Découvert d'un nouvel hominidé à Dmanissi (Transcaucasie, Géorgie). Comptes Rendus Palevol 1, 2002, S. 243–53, doi:10.1016/S1631-0683(02)00032-5 Der Artname „Homo georgicus“ wurde in parallel erschienenen englischsprachigen Veröffentlichungen allerdings wiederholt nicht erwähnt.
  4. Marie-Antoinette de Lumleya, David Lordkipanidze: L'Homme de Dmanissi (Homo georgicus), il y a 1 810 000 ans. Comptes Rendus Palevol 5, 2006, S. 273–281, doi:10.1016/j.crpv.2005.11.013
  5. Marie-Antoinette de Lumley, Léo Gabounia, Abesalom Vekua, David Lordkipanidze: Les restes humains du Pliocène final et du début du Pléistocène inférieur de Dmanissi, Géorgie (1991–2000). I – Les crânes, D 2280, D 2282, D 2700. L'Anthropologie 110, 2006, S. 1–110, doi:10.1016/j.anthro.2006.02.001
  6. so die Kommentierung der 2007 in „Nature“ Band 449, S. 305 f., erschienenen Publikation (s. unter Literatur) durch planet-erde.de, einen Informationsdienst des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung
  7. Michael Balter, Ann Gibbons: A Glimpse of Humans' First Journey Out of Africa. Science 288 vom 12. Mai 2000, S. 948–950
  8. Daniel E. Lieberman: Homing in on early Homo. Nature 449 vom 20. September 2007, S. 291–292
  9. „Natur und Museum“ 137, Heft 9/10, 2007, S. 248
  10. paleoanthro.org: D. Lordkipanidze and A.Vekua: A new hominid mandible from Dmanisi (Georgia). Abstracts for the 2002 Meetings, Paleoanthropology Society, 19./20. März 2002, Denver, Colorado

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gerhard Bosinski, David Lordkipanidze, Konrad Weidemann: Der altpaläolithische Fundplatz Dmanisi (Georgien, Kaukasus). In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 42, 1995, S. 21–203.
  • mit Leo Gabunia, Abesolom Vekua u.a.: Earliest Pleistocene Hominid Cranial Remains from Dmanisi, Republic of Georgia: Taxonomy, Geological Setting, and Age. In: Science 288 vom 12. Mai 2000, S. 1019–1025.
  • mit Abeselom Vekuae u.a.: A New Skull of Early Homo from Dmanisi, Georgia. In: Science 297 vom 5. Juli 2002, S. 85–89, doi:10.1126/science.1072953 und – mit Abb. – doi:10.1126/science.1072953
  • mit Abeselom Vekua u.a.: The earliest toothless hominin skull. In: Nature 434 vom 7. April 2005, S. 717–718.
  • mit Tea Jashashvili, Abeselom Vekua u.a.: Postcranial evidence from early Homo from Dmanisi, Georgia. In: Nature 449 vom 20. September 2007, S. 305–310, doi:10.1038/nature06134

Weblinks[Bearbeiten]