Dayak

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Dieser Artikel behandelt den Sammelbegriff für die Bevölkerung Borneos. Zum nigrischen politischen Aktivisten siehe Mano Dayak.
Junge Dayak, 1920.

Dayak, alternativ auch Dajak oder Dyak geschrieben, ist ein Sammelbegriff für die indigene Bevölkerung der südostasiatischen Insel Borneo. Zu den Dayak werden dutzende verschiedene Volksgruppen gezählt, die sich in Sprache, Kultur und Lebensweise teilweise gravierend voneinander unterscheiden.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff Dayak stammt vermutlich vom Wort „daya“ ab. Im bruneiischen Malaiisch bedeutet es „landeinwärts“, womit die an der Küste lebenden, muslimischen Malaien die Volksgruppen im Landesinneren beschrieben, die nicht dem Islam anhingen. In der Sprache der Bidayuh, welche selbst zu den Dayak gezählt werden, dagegen bedeutet es „Mensch“.[1]

Lebensraum[Bearbeiten]

Der indonesische Archipel mit Borneo im Zentrum.

Die Siedlungsgebiete der Dayak umfassen die gesamte Insel Borneo und liegen somit im Staatsgebiet der drei Staaten Brunei, Indonesien und Malaysia. Die Dayak gehören zu den austronesischen Völkern, die aus dem südchinesischen Raum kommend seit Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. Südostasien besiedelten. Die meisten Dayak-Volksgruppen sprechen eigene Sprachen, diese gehören in der Regel zum malayo-polynesischen Zweig der austronesischen Sprachfamilie.

Zu den Dayak werden unter anderem folgende Volksgruppen gezählt: Bidayuh, Kayan, Kelabit, Kenyah, Iban, Ngaju, Penan, Punan, Sihan.

Kultur[Bearbeiten]

Es gibt keine einheitliche Dayak-Kultur, da es sich um einen Sammelbegriff handelt, der etliche unterschiedliche Volksgruppen umfasst. Einige Dayakstämme leben bis in die heutige Zeit als Jäger und Sammler zurückgezogen im Primärdschungel im Innern der Insel. Diese Volksgruppen haben wenig oder keinerlei Zugang zu moderner Technik. Andere Stämme dagegen leben als sesshafte Reis- oder Sagobauern an den Ufern von Flüssen. In heutiger Zeit haben jedoch auch viele Dayak ihre ursprüngliche Lebensweise aufgegeben und führen in Städten ein modernes Leben mit Schulbildung und breitem Zugang zu moderner Technik.

Bei vielen der sesshaften Völker war und ist es üblich, in Langhäusern zu leben. Ein Langhaus ist ein einzelnes großes Gebäude, welches die gesamte Dorfgemeinschaft inklusive Wohn-, Lager- und Arbeitsräumen beherbergt. Ein solches Langhaus kann mehrere hundert Meter lang sein und Dutzende Familien beherbergen. In früheren Zeiten wurden solche Langhäuser ausschließlich aus Holz gebaut, häufig auch in Pfahlbauweise, heutzutage kommen jedoch auch moderne Baustoffe wie Beton und Wellblech zum Einsatz.

Zwei Kenyah mit Penisstab, zirka 1920.

Im Europa des 19. Jahrhunderts wurden die Dayak insbesondere deshalb bekannt, weil einige ihrer Stämme das Ritual der Kopfjagd praktizierten. Dabei wurden bei Raubzügen und Schlachten getötete Feinde enthauptet und der abgeschlagene Schädel anschließend als Kriegstrophäe mitgenommen. Da zudem einige Dayakgruppen als Piraten tätig waren, führte dies zu Auseinandersetzungen mit europäischen Kolonialtruppen. In der damaligen Berichterstattung wurden die Dayak häufig als blutrünstige Wilde dargestellt. Im Gegensatz zu anderslautenden Berichten aus damaliger und teilweise auch späterer Zeit ließ sich bei den Dayak jedoch niemals Kannibalismus nachweisen.

Bekanntheit haben die Dayak auch für ihren Körperschmuck erfahren. So sind bei einigen Volksgruppen spezielle Tätowierungsstile entstanden, die nur hier verbreitet sind und die sich teilweise bis heute erhalten haben. Auch existierte bei einigen Dayakstämmen der Brauch, dass Männer einen Penisstab trugen,[2] der dem im westlichen Kulturkreis bekannten Ampallang-Piercing entspricht. Bei Frauen sind stark mit Gewichten gedehnte Ohrläppchen typisch.

Religion[Bearbeiten]

Ursprünglich hatte in der Regel jedes Dayakvolk eine eigene, animistische Naturreligion, häufig mit schamanistischen Zügen und mit eigenen Göttern und Bräuchen. Da im Laufe des 20. Jahrhunderts viele Dayak zum Christentum oder Islam konvertierten, und christliche und muslimische Missionare auch weiterhin unter den animistischen Dayak tätig sind, führen viele der ursprünglichen Dayakreligionen ein Randdasein und sterben langsam aus. Einige Dayakgruppen, die auf indonesischem Staatsgebiet leben und noch ihrem alten Glauben anhaften, wie die Ngaju, bezeichnen diesen in heutiger Zeit als Kaharingan, was offiziell eine Variante des Hinduismus ist. Dies ist notwendig, da die indonesische Regierung nur so genannte Buchreligionen toleriert, die meisten Dayakvölker jedoch keine Schrift besaßen und so auch keinerlei Aufzeichnungen über ihre jeweilige Religion erstellen konnten.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dayak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gomes, Edwin H. (1981 [1911]): Seventeen Years among the Sea Dayaks of Borneo, S. 33.
  2. Eintrag Britannica
  3. adherents.com, gesehen am 14. April 2009.