Weiße Wanne

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Weiße Wanne ist ein Begriff aus dem Bauwesen für ein Bauwerk, das wasserundurchlässig ist. Die Außenwände und die Bodenplatte werden dabei unter anderem mit wasserundurchlässigem Beton hergestellt, wodurch keine zusätzliche Abdichtungsschicht und auch unter Umständen keine Drainagen benötigt werden. Wenn Decken das Bauwerk nach außen begrenzen und eine Wassereinwirkung aufweisen, können diese auch Teil einer Weißen Wanne sein.

Merkmale[Bearbeiten]

Die genannten Bauteile sind zugleich tragende als auch abdichtende Elemente. Somit ergeben sich gegenüber der Schwarzen Wanne erhebliche Kosten- und Terminvorteile. Bei fachgerechter Planung und Ausführung ist der Aufwand entsprechend hoch, da sonst beim Lastfall drückendes Wasser als Bemessungswasserstand relativ schnell Undichtigkeiten auftreten können. Bei richtiger Planung – diese schließt eine bauphysikalische und raumklimatische Gesamtbetrachtung mit ein – und fachgerechter Ausführung ist eine Weiße Wanne wasserundurchlässig. Früher wurde angenommen, dass infolge Diffusion, Druckgefälle und kapillarer Saugfähigkeit ein steter Feuchtetransport durch das Bauteil vorhanden ist. Dies ist nach neuesten Untersuchungen für genügend dicke ungerissene Betonbauteile (d ≥ 24 cm) nicht der Fall.

Nach „WU-Richtlinie“ des DAfStb 11/2003 kann von einem Dreibereichsmodell ausgegangen werden. Dieses ist unabhängig vom hydrostatischen Wasserdruck am wasserberührten Bauteil. Für einen Beton C30/37 mit einem Wasserzementwert von maximal 0,55 ergeben sich beispielsweise folgende Maßangaben:

1. Bereich – Einflussbereich des anstehenden Wassers: Dieser Bereich teilt sich nochmals in den außenliegenden Druckwasserbereich (0-25 mm) und den dahinterliegenden Kapillarbereich (≤ 70 mm). Wechselwirkungen des Porenwassers mit den Zementphasen führen zu einer deutlichen Reduktion der kapillaren Weiterleitung.

2. Bereich – Kernbereich: Bei ausreichender Bauteildicke (d ≥ 20 cm) wird durch den Kernbereich kein Wasser transportiert. Hier erfolgt kein Wasserdurchtritt von außen nach innen, auch nicht in Form von Wasserdampf.

3. Bereich – Diffusionsbereich zum Innenraum: Innenseitig bildet sich ein Austrocknungsbereich (zirka 40 bis 80 mm). Überschussfeuchte des mineralischen Baustoffes Beton tritt bei trockener Nutzung des Raumes in die Raumluft aus. In den ersten Jahren trockener Nutzung stellt sich eine Ausgleichsfeuchte ein. Der Beton hat sich im Bereich 3 an die Nutzungsumgebung angepasst.

Die Funktion einer Weißen Wanne erfordert außer wasserundurchlässigem Beton auch den Einbau von Fugendichtungen an den Arbeits- und Dehnfugen sowie die rechnerische Begrenzung der Rissbreite des Stahlbetons auf höchstens 0,2 mm, je nach Wasserdruck (wird durch entsprechende Erhöhung und Abstimmung der Betonstahlbewehrung auf die Bauteilgeometrie erreicht). Außerdem sind Einbau und Verdichten des Betons sorgfältig auszuführen, insbesondere ein Entmischen des Betons ist nicht zulässig. Eine fachgerechte Nachbehandlung ist notwendig.

Als Fugendichtung werden Fugenbänder, Fugenbleche, Quellbänder oder Verpressschläuche eingesetzt.

Anforderungen[Bearbeiten]

Seit November 2003 sind in Deutschland die Anforderungen an Weiße Wannen durch die Richtlinie Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton des deutschen Ausschusses für Stahlbeton geregelt.

Danach wird die Beanspruchung in zwei Klassen eingeteilt. Die Beanspruchungsklasse 1 gilt für drückendes und nichtdrückendes Wasser sowie zeitweise aufstauendes Sickerwasser, die Beanspruchungsklasse 2 für Bodenfeuchte und nichtstauendes Sickerwasser.

Außerdem wurden Nutzungsklassen in Abhängigkeit von der Funktion des Bauwerks und von den Nutzungsanforderungen an das Bauteil festgelegt. Bei der Nutzungsklasse A ist ein Feuchtetransport in flüssiger Form (Wasserdurchtritt) nicht zulässig. Bei der Nutzungsklasse B sind Feuchtstellen auf der Bauteiloberfläche zulässig, d. h. es wird im Gegensatz zur Nutzungsklasse A nur eine begrenzte Wasserundurchlässigkeit gefordert. Daneben gibt es noch die besonders vereinbarte Nutzungsklasse. Für die klassische Weiße Wanne gilt somit Beanspruchungsklasse 1, Nutzungsklasse A.

Als Mindestdicken wird empfohlen:

Bauteil Beanspruchungsklasse Ortbeton Elementwände Fertigteile
Wände 1 240 mm 240 mm 200 mm
Wände 2 200 mm 240 mm 100 mm
Bodenplatte 1 250 mm 200 mm
Bodenplatte 2 150 mm 100 mm

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]