Deljan Peewski

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Deljan Slawtschew Peewski (bulgarisch Делян Славчев Пеевски, * 27. Juli 1980 in Sofia) ist ein bulgarischer Jurist, Unternehmer, Medienmogul und Politiker. Er war in der 41. (2009) und 42. (2013) Wahlperiode Parlamentsabgeordneter in der Narodno Sabranie.

Seine Wahl zum Vorsitzenden der Staatlichen Agentur für Nationale Sicherheit (DANS) am 14. Juni 2013 war der wesentliche Auslöser für die Proteste gegen die Regierung Orescharski in Bulgarien 2013.

Deljan Peewski werden enge Beziehungen zur organisierten Kriminalität nachgesagt.[1][2] [3][4]

Gemeinsam mit seiner Mutter Irena Krastewa leitet Deljan Peewski sein Presseunternehmen und seinen Fernsehsender. Offiziell ist nur seine Mutter Eigentümerin. Ihr gehört auch die größte Druckerei Bulgariens, der „Verlags- und Druckerei-Komplex ‚Rodina‘ “ (bulg. ИПК „Родина“). Konkurrenzverlage weisen auch darauf hin, dass Peewski Eigentümer einer Reihe von Zeitungsvertrieben ist, allerdings gibt es keine Belege dafür.

Biografie[Bearbeiten]

Deljan Peewski war 2001 Mitbegründer der Jugendbewegung der Partei Nationale Bewegung für Stabilität und Fortschritt (NDSW): Jugend NDSW(bulg. Младежко НДСВ). Der damalige Transportminister Plamen Petrow ernannte den damals 21-jährigen Peewski zum parlamentarischen Staatssekretär und beauftragte ihn mit dem Vorsitz für den Aufsichtsrat der „Hafen Warna AG“ (bulg. „Пристанище Варна“ ЕАД), dem größten Hafen Bulgariens. Von diesem Posten wurde er jedoch später entbunden, da er nicht die erforderliche Berufs-Qualifikation hatte. Zu dieser Zeit war er im dritten Studienjahr Jurastudent an der Süd-West-Universität Neofit Rilski in Blagoewgrad.

Unter der Regierung von Simeon Sakskoburggotski war die Irena Krastewa, die Mutter von Deljan Peewski, Direktor der Bulgarischen Sportwetten (bulg. Български спортен тотализато). In der Presse wird angenommen, dass die freundschaftliche Bindung von Deljans Mutter mit der Pressesprecherin von Simeon Sakskoburggotski, Galja Ditschewa, sehr bei seiner ersten Benennung zum parlamentarischen Staatssekretär geholfen haben. In diese Zeit fiel auch der Skandal um den Versuch der Privatisierung der Sofioter Sporthalle Universiada und des Sportkomplexes „Totochance“ am Goldstrand, in den Peewski, seine Mutter und der Sportminister Wassil Iwanow-Lutschano (Васил Иванов-Лучано) verwickelt waren. Ein Untersuchungsverfahren verlief damals im Sand.

Ab Mai 2005 war Peewski Staatsanwalt bei der Wirtschaftsabteilung der Sofioter Staatsanwaltschaft, obwohl er nicht einen einzigen Tag juristische Praxiserfahrung gesammelt hatte und laut Gesetz für diesen Posten eine zweijährige Berufserfahrung erforderlich gewesen wäre. Fünf Monate später wurde er in der Regierung von Sergei Stanischew zum stellvertretenden Minister für Katastrophenschutz ernannt. Dort war er für die Staatsreserven zuständig, bei denen es immer wieder große Skandale wegen missbräuchlicher Bereicherung ab. Er wurde auch Mitglied der behördenübergreifenden Kommission, die für die Genehmigung von Exportgeschäften mitDual-Use-Gütern zuständig war. In der Praxis handelt es sich um potentielle Waffenexporte, einem Bereich in dem viel Schmiergeld fließt.

Im Sommer 2007 erwies sich Peewski unter den Hauptpersonen in einem großen Skandal um die Firma Bulgartabak. Bulgartabak ist der größte Tabakproduzent Bulgariens und auch Südosteuropas und geriet wegen der undurchsichtigen Privatisierung und des Verkaufs an einen unbekannten Investor (eine Holding „BT Invest“ mit unbekannten Eigentümern, die durch die finanzierenden Banken verschleiert sind) in die Schlagzeilen. Es wird spekuliert, ob Peewski der „heimliche“ Käufer von Bulgartabak ist. Zu den Hauptpersonen des Skandals gehörten der damalige Wirtschaftsminister Rumen Owtscharow, seine Stellvertreterin Kornelija Ninowa und der Direktor von Bulgrtabak Christo Latschew, sowie der der Leiter der Ermittlungen Angel Aleksandrow. Damals beschuldigt Direktor Christo Lantscheew den stellvertretenden Minister Deljan Peewski einer Erpressung. Peewski hatte von ihm verlangt, dass Bulgartabak Verträge mit Firmen abschließen sollte (Bulgartabak sollte Aufträge an eine Werbefirma und an ein Baufirma vergeben), von denen Peewski profitierte.

Rumen Owtscharow war wegen des Skandals gezwungen seinen Abschied einzureichen, Angel Aleksandrow musste seinen Posten nach einem langen Urlaub abgeben. Kornelija Ninowa und Deljan Peewski wurden aus der Regierung entlassen.

Das Verfahren endete mit der Entlassung von Peewski. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Peewski aus Mangel an Beweisen ein. Der Oberste Gerichtsrat rehabilitierte ihn und setzte ihn wieder als Staatsanwalt ein, da laut Gesetz Abgeordnete, Minister und stellvertretende Minister sowie Bürgermeister ihren Posten im bulgarischen Gerichtsapparat nach ihrer Amtszeit wieder einnehmen können. Zwei Wochen später wurde Peewski wieder stellvertretender Minister für Katastrophenschutz.

Deljan Peewski war weiter Volksvertreter der DPS in der 41. Wahlperiode, erschien aber fast nie im Parlament.

Peewski ist Mitglied der DPS und seit dem 14. Juli 2009 Volksvertreter. Von 2001 bis 2009 gehörte er des NDSW an und ab 2009 der DPS.

Seit dem 29. Juli 2009 ist er Mitglied des Ausschusses für innere Sicherheit und öffentliche Ordnung. Seit dem 20. Januar ist er Mitglied des Ausschusses für Rechtsfragen.

Am 14. Juni 2013 wurde Deljan Peewski im Parlament mit 116 Ja-Stimmen von BSP und DPS zum Vorsitzenden der Staatlichen Agentur für Nationale Sicherheit (DANS) gewählt.

Peewskis Wahl erfolgte nur einen Tag, nachdem die Änderungen im Gesetz über die DANS bekannt gemacht worden waren. Diese Gesetzesänderung war im Eilverfahrem vom Parlament verabschiedet worden. Mit diesen Gesetzesänderungen erhielt die DANS Polizeirechte (Recht auf Festnahmen für 24 Stunden und Durchsuchungsrecht) und Strafverfolgungs-Vollmachten. Die DANS wurde zum Nachfolger der Hauptdirektion für den Kampf gegen die organisierte Kriminalität (GDBOP) (bulg. Главна дирекция за борба с организираната престъпност; ГДБОП). Der Hauptteil der Gesetzesänderung bezog sich auf die Anforderungen an den Vorsitzenden der DANS, der nun nicht mehr wie bisher längere praktische Erfahrung mitbringen musste und bei dem nun auch eine juristische Ausbildung genügte. Die Gesetzesänderungen waren auf Peewski zugeschnitten worden, auch die Länge der vorher erforderlichen juristischen Erfahrung. In der Gesetzesänderung war auch die bisherige Möglichkeit einer vorzeitigen Abberufung des Vorsitzenden im Falle schwerer Vergehen oder systematischer Nichterfüllung von Dienstverpflichtungen, sowie bei Handlungen, die das Ansehen des Dienstes beschmutzen.

Unter dem Druck der noch am gleichen Tag, vor allem in Sofia, beginnenden Proteste gegen seine Ernennung und auch wegen der Missfallensbekundung der euroatlantischen Partner Bulgariens, hat das bulgarische Parlament seine Entscheidung einstimmig zurückgenommen.

Persönliches Leben[Bearbeiten]

Peewski ist mit der Pop- und Folk-Sängerin Zwetelina Janewa liiert.

Medien[Bearbeiten]

Faktisch ist Deljan Peewski zusammen mit seiner Mutter Eigentümer eines großen Medienimperiums. Neben zahlreichen Zeitungen besitzt er eine große Druckerei und ein Pressevertriebsnetz, sowie Fernsehsender.

Zu den von Peewski kontrollierten Zeitungen gehören:

  • Telegraf (bulg. Телеграф)
  • Monitor (bulg. Монитор)
  • Politika (bulg. Политика)
  • Weekend (bulg. Уикенд)
  • Wseki den (bulg. Всеки ден)
  • Meridian matsch (bulg. Меридиан мач)
  • Borba (bulg. Борба) eine Regionalzeitung in Weliko Tarnowo
  • Tschernomorski far (bulg. Черноморски фар) - eine Regionalzeitung in Warna
  • Minache gedini (bulg. Минаха години)
  • Wtora mladost (bulg. Втора младост)

und die TV-Kanäle:

  • TV7 (ТВ7)
  • ББТ
  • TV 7 News (Нюз7)

sowie die Internetseiten:

  • BNEWS
  • Всеки ден

Obwohl sein Name als Besitzer fast nirgends in diesen Medien auftaucht, gibt er die redaktionelle Ausrichtung vor und bestimmt die Personalpolitik. Er entlässt und stellt die Journalisten ein.

Peewskis Geschäftsinteressen erstrecken sich auch auf die Firma Bulgartabak, an der die KTB-Bank beteiligt ist. Beteiligungen hat er an der Balgarska telekunikazionna kompanija (BTK) (bulg. Българска телекомуникационна компания) und dem Mobilfunkanbieter Vivacom.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reinhard Veser: Bürger gegen die Mafia. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juli 2013.
  2. Tim Gerrit Köhler: Proteste in Bulgarien gegen Regierungschef. Vertrauensverlust im Rekordtempo. ARD, tagesschau.de, 21. Juni 2013.
  3. Michael Gahler, Europa-Abgeordneter und Sicherheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament: Demokratie gefährdet - Bulgarien drohen ukrainische und rumänische Verhältnisse. Pressemitteilung 14. Juni 2013.
  4. Milen Radev: Neues aus dem Land der Rosen und der Muskelmänner. de-zorata.de 14. Juni 2013.

Weblinks[Bearbeiten]