Simeon Sakskoburggotski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Simeon Borissow Sakskoburggotski (2005)

Simeon Borissow Sakskoburggotski (bulgarisch Симеон Борисов Сакскобургготски; auch Simeon von Sachsen-Coburg und Gotha; * 16. Juni 1937 in Sofia) war als Simeon II. der letzte Zar (von 1943 bis 1946) des Zarentums Bulgarien und zwischen 2001 und 2005 Ministerpräsident der Republik Bulgarien.

Herkunft[Bearbeiten]

Väterlicherseits stammt Simeon aus der katholischen Seitenlinie Koháry des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha sowie der französischen Dynastie Orléans. Seine Urgroßmutter war Prinzessin Clementine d’Orléans, Tochter des „Bürgerkönigs“ Ludwig Philipp I. von Frankreich. Sie ehelichte Prinz August von Sachsen-Coburg und Gotha, Sohn von Prinz Ferdinand Georg August von Sachsen-Coburg-Saalfeld-Koháry und Maria Antonie Gabriele von Koháry. Mütterlicherseits ist Simeon Sakskoburggotski mit der italienischen Dynastie Savoyen verbunden. Seine Mutter ist Prinzessin Giovanna von Savoyen, die als dritte Tochter des Königs Viktor Emanuel III. von Italien und der Königin Elena, geborene Prinzessin von Montenegro, geboren wurde. Der Taufpate von Simeon Sakskoburggotski war Danail Nikolaew, ein hochdekorierter bulgarischer Militär, „Altvater der bulgarischen Wehrmacht“ genannt, und zeitweiliger Kriegsminister Bulgariens.[1]

Leben[Bearbeiten]

Simeon wurde als zweites Kind des Zaren Boris III. und der Zarin Giovanna von Savoyen als bulgarischer Thronfolger am 16. Juni 1937 in Sofia geboren und erhielt den Titel Knjas „Simeon Tarnowski“ (bulgarisch княз Симеон Търновски; deutsch: Fürst Simeon von Tarnowo). Er gehört wie Elisabeth II., Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland, sowie Philippe, König der Belgier, zum Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Nach dem Tod seines Vaters am 28. August 1943 bestieg Simeon, gerade 6-jährig, den bulgarischen Thron. Da er noch minderjährig war, führte ein dreiköpfiger Regentschaftsrat mit seinem Onkel Prinz Kyrill von Bulgarien an der Spitze die Regierungsgeschäfte.

Zweiter Weltkrieg und Exil[Bearbeiten]

Nur wenige Tage nach der Thronbesteigung Simeons kam aus Deutschland der Vorschlag, Hitler zum Vormund des minderjährigen Königs zu ernennen. Königin Giovanna gelang es, ihren Sohn über die Türkei nach Syrien zu schmuggeln, wo sie bis zum Ende des Krieges mit ihm blieb.

Nach dem Rückzug der Deutschen aus Bulgarien kehrten Königin Giovanna und ihr Sohn Simeon II. nach Bulgarien zurück. Doch nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 9. September 1944 und der Machtübernahme durch die Kommunisten wurden die Mitglieder des Regentschaftsrats zum Tode verurteilt und im Februar 1945 hingerichtet, jedoch blieb Simeon zunächst König. Nach einer entsprechend gelenkten Volksabstimmung im Jahre 1946 entschieden sich die Bulgaren mit 3,8 Millionen gegen nur 200 000 für die Republik. Die Abschaffung der Monarchie zwang die königliche Familie zur Flucht, woraufhin sie in Begleitung von zehn Hofmitgliedern am 16. September 1946 endgültig Bulgarien verließ.

Königin Giovanna ließ sich mit ihrer Familie zunächst unter recht ärmlichen Bedingungen in Ägypten nieder, wo bereits ihr Vater, der ehemalige italienische König Viktor Emanuel III., im Exil lebte. 1951 folgte die Familie einer Einladung des spanischen Diktators General Franco und begab sich nach Madrid, wo ihnen ein Haus mit spanischen Dienstboten zur Verfügung gestellt und der Diplomatenstatus sowie volle königliche Privilegien gewährt wurden. Als bald darauf das Riesenvermögen, das ihr Vater Viktor Emanuel III. von Italien hinterlassen hatte, frei wurde und den Erben ausgezahlt werden konnte, erhielt Giovanna von Savoyen ein Siebtel. Damit war die finanzielle Zukunft der Königsfamilie gesichert. Später nahm sie ihren Wohnsitz in Estoril/Portugal. Dort lebte die Trägerin des Großkreuzes des Malteserordens unter dem Namen Madame la comtesse Giovanna Rilsky. Giovanna von Savoyen starb am 26. Februar 2000 im portugiesischen Exil in Estoril im Alter von 92 Jahren.

Ausbildung und Arbeit[Bearbeiten]

Simeon hat das britische Victoria College in Alexandria, Ägypten, abgeschlossen. Später besuchte er das Lycée Français in Madrid,[2] wo er sein Studium in Jura und Politikwissenschaft absolvierte. 1958–1959 besuchte er als Kadett Rilsky das Internat Valley Forge Military Academy and College[3] in Pennsylvania (USA). Seine Ausbildung schloss er mit dem Dienstgrad Unterleutnant ab. Außer Bulgarisch spricht er Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Arabisch und Portugiesisch.

Dreizehn Jahre lang arbeitete Simeon Sakskoburggotski als Präsident der spanischen Niederlassung des französischen Konzerns für Rüstungselektronik Thomson (Thomson-CSF; später Thales Group). Er war auch als Konsultant für einige große Firmen in Europa und Afrika in den Bereichen Bankwesen, Hotellerie, Elektronik und Nahrungsmittellieferung tätig.

Rückkehr in das politische Leben Bulgariens[Bearbeiten]

1996 kehrte Simeon von Sachsen-Coburg und Gotha, nun unter dem bürgerlichen Namen Sakskoburggotski, erstmals nach fast 50-jährigem Exil nach Bulgarien zurück. 2001 gründete er die Nationale Bewegung Simeon II. (NDSW, seit 2007 Nationale Bewegung für Stabilität und Fortschritt), die zur Parlamentswahl am 17. Juni 2001 antrat. Nach einem hohen Sieg koalierte er mit der türkischen Minderheitspartei DPS und wurde am 24. Juli 2001 zum Premierminister gewählt. Er ist damit der bisher einzige abgesetzte europäische Monarch der Geschichte, der in einer demokratischen Wahl die politische Macht wiedererlangte.

Als Premierminister führte Simeon den konservativen Kurs der Vorgängerregierung weiter und sorgte durch wirtschaftspolitische Maßnahmen für einen weiteren Aufschwung, der aber nur in den Stadtgebieten zu spüren war. Jedoch konnte er sein Wahlversprechen von 2001, das Land in 800 Tagen spürbar zu verändern, nicht einhalten. Bei den Parlamentswahlen 2005 konnte seine Partei den Erfolg nicht wiederholen und wurde, unter dem Druck des ehemaligen Koalitionspartner DPS, Juniorpartner einer großen Koalition, geführt von den ehemaligen Kommunisten, der Bulgarischen Sozialistischen Partei. So kam es zu einer Regierung, in der sich die ehemaligen Kommunisten, die für Simeons Absetzung als Monarchen 1945 und für die Rebulgarisierungskampagne in den 1980ern gegen die bulgarischen Moslems verantwortlich waren, mit den Moslems, die Ende der 1980er gegen kommunistische Repressionen gekämpft hatten, und nicht zuletzt Simeon selbst sich wiederfanden.

Nachdem die NDSW 2009 sogar an der Sperrklausel von vier Prozent scheiterte, was an den Korruptionsvorwürfen gegen die Dreierkoalition lag, trat Simeon vom Parteivorsitz zurück.

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten]

1962 heiratete Simeon die spanische Adlige Doña Margarita Gómez-Acebo y Cejuela (* 1935). Das Paar hat fünf Kinder: vier Söhne und eine Tochter. Sein Sohn Kiril war Wirtschaftsberater des bulgarischen Präsidenten Petar Stojanow (1997–2002).

  • Kardam (* 1962) ∞ Miriam de Ungria (* 1963)
    • Boris (* 1997)
    • Beltran (* 1999)
  • Kiril (* 1964) ∞ Rosario Nadal de Puigdorfila (* 1968)
    • Mafalda (* 1994)
    • Olympia (* 1995)
    • Tassilo (* 2002)
  • Kubrat (* 1965) ∞ Carla Royo-Villanova (* 1969)
    • Mirko (* 1995)
    • Lukas (* 1997)
    • Tirso (* 2002)
  • Konstantin-Assen (* 1967) ∞ Maria Gracia de la Rasilla (* 1970)
    • Umberto (* 1999)
    • Sofia (* 1999)
  • Kalina (* 1972) ∞ Antonio „Kitín“ Muñoz Valcárcel (* 1958)
    • Simeon Hassan Muñoz (* 2007)

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten]

Nach dem Erlass des Präsidenten der Republik Bulgarien vom 15. Juli 2007 wurde Simeon in Anerkennung seiner Verdienste um den Staat die höchste staatliche Auszeichnung, das Großkreuz des Ordens „Stara Planina“, verliehen. Er ist zudem Inhaber von über dreißig weitere internationale Orden, darunter:

Film[Bearbeiten]

Der 2011 produzierte deutsch-bulgarische Dokumentarfilm Der Junge, der König war von Andrey Paounov beschreibt das Leben von Simeon II./Simeon Sakskoburggotski und dessen Einfluss auf die heutige bulgarische Gesellschaft.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Simeon Sakskoburggotski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Knodt: Ferdinand der Bulgare, Bielefeld 1947, S. 43
  2. [1]
  3. [2]
  4. Der Junge, der König war. Auf: Bayerischer Rundfunk, 22. Juni 2012