Sergei Stanischew

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Sergei Stanischew (2009)

Sergei Dmitrijewitsch Stanischew (bulgarisch Сергей Дмитриевич Станишев; * 5. Mai 1966 in Cherson, Ukraine) ist ein bulgarischer Politiker. Er ist Abgeordneter im Bulgarischen Parlament und Vorsitzender der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP) sowie der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Vom 16. August 2005 bis zum 26. Juli 2009 war er bulgarischer Ministerpräsident.

Sein Vater Dimitar Stanischew war Sekretär des Zentralkomitees der Bulgarischen Kommunistischen Partei, seine Mutter Professorin für Slavistik.[1] Er selbst studierte an der Moskauer Lomonossow-Universität und machte dort einen 1989 Bachelor-Abschluss. Er arbeitete als freier Journalist zu außenpolitischen Themen, promovierte 1994 in Geschichte und spezialisierte sich anschließend auf Politologie.[2]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Ab 1995 war Stanischew in der BSP offiziell mit Außenpolitik und Internationalen Angelegenheiten befasst und von 1996 bis 2001 Vorsitzender des dafür zuständigen Parteigremiums. Im Juni 2001 wurde er ins Bulgarische Parlament gewählt und im Dezember 2001 zum Parteivorsitzenden der BSP.[3]

Bei der Wahl am 25. Juni 2005 errang er einen Sieg über die bisherige Regierung und löste damit Simeon Sakskoburggotski als Ministerpräsident ab. Die von Stanischew geführten Sozialisten bildeten daraufhin eine Große Koalition mit der NDSW von Sakskoburggotski und der türkischen Minderheitspartei, der Korruption in großem Ausmaß vorgeworfen wird.

Stanischew zog Kritik von Menschenrechtlern auf sich, als er im Juni 2008 im Vorfeld des ersten Christopher Street Days Bulgariens äußerte, er „akzeptiere Menschen anderer sexueller Orientierung, befürworte aber nicht die Zurschaustellung dieser Orientierung“.[4]

Das Ende seiner Regierungszeit wurde durch den Stopp der EU-Finanzhilfen überschattet. Der Regierung wurde weiter Scheitern der EU-Politik sowie Korruption, eine unzureichende Bekämpfung der Mafia und das Fehlen einer angemessenen Jugendpolitik vorgeworfen.[5] Seit der Demokratisierung des Landes war sie die bulgarische Regierung mit dem geringsten Vertrauen in der Bevölkerung am Ende ihrer Regierungszeit. Anfang 2009 schenkten ihr nur noch 15 % der Bulgaren Vertrauen, während 76 % gegen sie waren.[6]

Bei den Parlamentswahlen von 2009 verloren alle Parteien der von Stanischew angeführten Koalition. Für die Sozialisten, die danach mit nur 40 Abgeordneten im Parlament vertreten sind, war es das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte. Dennoch konnte sich Stanischew innerhalb der Partei behaupten und behielt den Posten als Parteichef.

Im November 2011 wurde er als Nachfolger von Poul Nyrup Rasmussen zum Präsidenten der Sozialdemokratischen Partei Europas gewählt[7] und beim Parteitag der SPE im September 2012 für eine zweieinhalbjährige Amtsperiode wiedergewählt.[8]

Privatleben[Bearbeiten]

Stanischew lebt mit der PR-Agentin Monika Janowa zusammen. Sie brachte am 1. Mai 2011 seine Tochter Daria zur Welt.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1], 2009
  2. [2], 2009
  3. [3], 2009
  4. Gay Pride Parades Highlight Discrimination Against Homosexuals, www.dw-world.de. 28. Juni 2008. 
  5. sueddeutsche.de, 29. Januar 2009
  6. www.mediapool.bg, 27. Januar 2009
  7. EurActiv, 25. November 2011: New PES leader opposes a ‘Europe of different speeds’.
  8. Sergei Stanishev elected President of the PES, 29. September 2012
  9. Bulgarian Socialist Leader Begets First Child on Labor Day. novinite.com, May 1, 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sergei Stanischew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien