Der faule Heinz

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Der faule Heinz ist ein Schwank (ATU 1430). Er steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 3. Auflage von 1837 an Stelle 164 (KHM 164), wurde von Wilhelm Grimm zuerst 1836 im Pfennig-Magazin für Kinder veröffentlicht und geht auf Eucharius Eyerings Sammlung Proverbiorum Copia (Bd. 1, 1601) zurück.

Inhalt[Bearbeiten]

Der faule Heinz heiratet die dicke Trine, damit sie seine und ihre Ziege zusammen austreibt und er faulenzen kann. Sie hat die Idee, die Ziegen beim Nachbarn gegen einen Bienenstock einzutauschen, den man nicht zu hüten braucht. Heinz erntet im Herbst den Honig, und da beide gerne bis Mittag im Bett liegen, nimmt Trine einen Haselnussstock, um vom Bett aus Mäuse davon verjagen zu können. Eines Morgens schlägt Heinz vor, eine Gans und ein Gänschen von dem Honig zu kaufen, bevor Trine ihn allein isst. Sie will aber erst ein Kind, das die Gänse hüten soll. Auf seine Bedenken, das Kind könnte nicht gehorchen, fuchtelt sie mit dem Stock und zerschlägt den Honigkrug. Heinz ist froh darüber, dass ihm der Krug nicht auf den Kopf gefallen ist, die beiden finden noch etwas in einer Scherbe zum Naschen und ruhen sich dann vom Schreck aus.

Herkunft[Bearbeiten]

Grimms Anmerkung verweist neben weiteren Herkunfts- und Vergleichsstellen auf ein orientalisches Märchen von einem Einsiedler, der vom Honig Ziegen und eine schöne Frau kaufen und dann seinen Sohn mit dem Stock strafen will.

Der faule Heinz enthält eine Anspielung auf KHM 162 Der kluge Knecht und erhält umgekehrt Anspielung in KHM 168 Die hagere Liese.

Trines Schlussbemerkung mit der Schnecke (ab 6. Aufl.) stammt aus einem Brief der Elisabeth von Orleans (1843, 268). Der Schlusssatz „Eilen tut nicht gut“ geht auf Suetons De vita Caesarum (Octavianus 25,4: Festina lente) zurück (vgl. KHM 184 Der Nagel).

Parodie, Deutung[Bearbeiten]

Bei Janosch sparen sich Hans und Trine durch Heirat einen Zaun zwischen ihren Höfen, liegen zusammen auf dem Kanapee und faulenzen.[1] Der Homöopath Martin Bomhardt vergleicht das Märchen mit den Arzneimittelbildern von Graphit und Sulfur.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gebrüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Vollständige Ausgabe. Mit 184 Illustrationen zeitgenössischer Künstler und einem Nachwort von Heinz Rölleke. Seite 692–694. 19. Auflage, Artemis & Winkler Verlag, Patmos Verlag, Düsseldorf und Zürich 1999, ISBN 3-538-06943-3.
  • Gebrüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. Seite 256 und Seite 505. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Reclam-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1.
  • Rölleke, Heinz (Hrsg.): Grimms Märchen und ihre Quellen. Die literarischen Vorlagen der Grimmschen Märchen synoptisch vorgestellt und kommentiert. 2., verb. Auflage, Trier 2004. S. 304-311, 571-572. (Wissenschaftlicher Verlag Trier; Schriftenreihe Literaturwissenschaft Bd. 35; ISBN 3-88476-717-8)
  • Uther, Hans-Jörg: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Berlin 2008. S. 340-342. (de Gruyter; ISBN 978-3-11-019441-8)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janosch: Der faule Heinz. In: Janosch erzählt Grimm's Märchen. Fünfzig ausgewählte Märchen, neu erzählt für Kinder von heute. Mit Zeichnungen von Janosch. 8. Auflage. Beltz und Gelberg, Weinheim und Basel 1983, ISBN 3-407-80213-7, S. 192-194.
  2. Martin Bomhardt: Symbolische Materia medica. 3. Auflage. Verlag Homöopathie + Symbol, Berlin 1999, ISBN 3-9804662-3-X, S. 585, 1315.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Der faule Heinz – Quellen und Volltexte