Liselotte von der Pfalz

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Dieser Artikel beschreibt die Herzogin von Orléans, Elisabeth Charlotte. Zu weiteren Bedeutungen siehe Liselotte von der Pfalz (Begriffsklärung)
Liselotte von der Pfalz, frühes Porträt
Elle d. Ältere, 1673: Liselotte von der Pfalz im Jagdkostüm, Deutsches Historisches Museum Berlin
Liselotte von der Pfalz
Gemälde von Hyacinthe Rigaud, ca. 1719

Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz, genannt Liselotte von der Pfalz (* 27. Mai 1652 in Heidelberg; † 8. Dezember 1722 in Saint-Cloud bei Paris), war Herzogin von Orléans und Schwägerin von König Ludwig XIV. von Frankreich. Literarische und historische Bedeutung erlangte sie u. a. durch ihren Briefwechsel, der durch seine teils sehr unverblümten Schilderungen des französischen Hoflebens von besonderem kulturgeschichtlichen Wert ist.

Leben[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Elisabeth Charlotte wurde am 27. Mai 1652 in Heidelberg geboren. Sie wurde nur „Liselotte“ genannt. Ihre Eltern waren Kurfürst Karl I. Ludwig von der Pfalz (der Sohn des „Winterkönigs“) und Charlotte von Hessen-Kassel. Liselotte war bei ihrer Geburt ein schmächtiges Kind, das per Nottaufe die Namen ihrer Großmutter Elisabeth Stuart und ihrer Mutter Charlotte erhalten hatte. Sie wurde im protestantischen Glauben erzogen, trat später aber aus dynastischen Gründen vor der Heirat zum katholischen Glauben über. Gleichwohl blieb sie dem Protestantismus zeit ihres Lebens emotional, wenn auch kritisch, verbunden.

1658 trennte sich Kurfürst Karl Ludwig von seiner Ehefrau Charlotte, um deren ehemalige Hofdame Freiin Marie Luise von Degenfeld zur linken Hand zu ehelichen. Luise wurde damit Liselottes Stiefmutter. Liselotte verstand sich nicht mit Luise, liebte aber ihre Halbgeschwister, 13 Raugräfinnen und Raugrafen, dafür umso mehr. Mit zweien ihrer Geschwister, den Raugräfinnen Luise zu Pfalz (1661–1733) und Amalie Elisabeth, genannt Amelise (1663–1709), hielt sie zeitlebens regen Briefkontakt.

Um der Mutter die Tochter zu entziehen, schickte der Kurfürst Liselotte im Alter von sieben Jahren an den Hof von Hannover, wo seine Schwester Sophie als Ehefrau des Herzogs Ernst August, des späteren ersten Kurfürsten von Hannover, lebte. Die beiden wurden für vier Jahre ihre „Pflegeeltern“. Liselotte lernte auch ihre Großmutter Elisabeth Stuart kennen, die ehemalige „Winterkönigin“ von Böhmen, die im Exil in Den Haag lebte.

1663 gewährte der Kurfürst Liselottes Mutter Charlotte eine angemessene Entschädigung, die daraufhin die Heidelberger Residenz verließ. Gleich darauf holte der Kurfürst seine Tochter zurück nach Heidelberg an den Hof. Hier erhielt sie eine damals für Fürstenhäuser übliche höfische Mädchenerziehung.[1]

Frankreich[Bearbeiten]

Liselotte wurde 1671 aus politischen Gründen mit dem Bruder Ludwigs XIV., Herzog Philipp I. von Orléans, verheiratet. Am französischen Hofe war sie bald nach ihrer Hochzeit recht isoliert. Grund dafür war die offene Homosexualität ihres Mannes[2][3], der mit ihr – wie mit seiner ersten Frau Henrietta Anne Stuart – zwar mehrere Nachkommen zeugte, ansonsten aber ein weitgehend eigenständiges, von seinen Günstlingen beeinflusstes Leben im Palais Royal führte.

Liselotte erkannte allerdings die gesellschaftliche Stellung der Madame Maintenon, der letzten bedeutenden Mätresse und letztlich heimlichen Ehefrau Ludwig XIV., nicht an, was dazu führte, dass die Maintenon die einstmals guten Kontakte Liselottes zum König unterband.

Als die Wittelsbacher Linie Pfalz-Simmern 1685 mit dem Tode von Liselottes Bruder, des Kurfürsten Karl von der Pfalz, erlosch, erhob Liselottes Schwager Ludwig XIV. entgegen dem Erbschaftsvertrag Anspruch auf die Kurpfalz und begann den Pfälzischen Erbfolgekrieg, bei dem u. a. zweimal das Heidelberger Schloss zerstört wurde. Liselotte litt sehr unter den Verwüstungen ihrer Heimat. Ihr Mann Philipp verteilte die auf ihn entfallene Kriegsbeute großzügig an seine Günstlinge.

Nach dem Tod von Ludwig XIV. wurde ihr Sohn Philipp II. von Orléans – ihr Mann starb 1701 vor Ludwig – für den noch unmündigen König Ludwig XV. Regent von Frankreich. Damit war Liselotte wieder die erste Dame des Staates. Dies war sie schon einmal seit dem Tod der Maria Anna von Bayern am 20. April 1690, der Frau des Großen Dauphin Ludwig, bis zur Hochzeit des Dauphin Ludwig (Herzog von Burgund) mit Maria Adelaide von Savoyen am 7. Dezember 1697 gewesen.

Auf die Kinder Liselottes mit Philipp geht in männlicher Linie das Haus Orléans zurück, das mit Louis Philippe, dem so genannten „Bürgerkönig“, im Jahre 1830 auf den französischen Thron kam.

Briefe und Zitate[Bearbeiten]

Eine besondere Bedeutung für die deutsche Literatur haben Liselottes zahlreiche Briefe. Insgesamt soll sie geschätzte 60.000 Briefe, davon 2/3 in Deutsch und 1/3 in Französisch, verfasst haben, von denen etwa 5000 erhalten sind [4]. Die Briefe enthalten plastische Schilderungen des Hoflebens und faszinieren durch ihre sprachliche Frische. Die meisten der erhaltenen Schreiben sind an ihre Tante Sophie von Hannover, und ihre Halbschwester, die Raugräfin Luise, gerichtet; auch Briefe an Gottfried Wilhelm Leibniz sind erhalten, und oft erwähnt sie darin ihre Erzieherin, Maria Ursula Kolb von Wartenberg.

Wo der Teufel nicht hingelangt, schickt er eine alte Frau.

Liselotte in einem ihrer Briefe über Madame Maintenon, ein altes Sprichwort zitierend

Sie ist nur eine alte Zott, eine Hexe und eine Rompompel.

Liselotte in einem ihrer Briefe über Madame Maintenon

[...] das macht mir das hertz blutten, undt man nimbt mir es noch hoch vor übel daß ich trawerig drüber bin, [...]

Liselotte in dem Brief vom 10. November 1688 an ihre Tante Sophie von Hannover über die Zerstörung von Mannheim durch die französische Armee[5]

Weihnacht ist ein großes Fest, das der Teufel feiern lässt.

Liselotte in einem ihrer Briefe

Madame sein ist ein ellendes Handwerck.

Liselotte in einem ihrer Briefe

Familie[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Nachkommen[Bearbeiten]

Namensgeberin[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. Liselotte von der Pfalz – Eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs. Aus dem Französischen von Inge Leipold. 7. Auflage. Piper, München 2001, ISBN 3-492-22141-6
  • Peter Fuchs: Elisabeth Charlotte. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 448–451 (Digitalisat).
  • Annedore Haberl (Hrsg.): Liselotte von der Pfalz. Briefe. Carl Hanser Verlag, 1996
  • Hannelore Helfer (Hrsg.): Liselotte von der Pfalz in ihren Harling-Briefen. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2007
  • Heinz Herz (Hrsg.): Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an ihre Geschwister, Leipzig 1972.
  • Helmuth Kiesel (Hrsg.): Briefe der Liselotte von der Pfalz. Insel-Taschenbuch 428, Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1995. ISBN 3-458-32128-4
  • Bernhard Kugler: Elisabeth Charlotte (Pfalzgräfin bei Rhein). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 28–34.
  • Carl Künzel (Hrsg.): Die Briefe der Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orleans. Verlag Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München 1912
  • Arlette Lebigre: Liselotte von der Pfalz - Eine Wittelsbacherin am Hofe Ludwigs XIV. Claassen-Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-453-04623-4 (Nachdruck Heyne, München 1991)
  • Hans Pleschinski (Hrsg.): Liselotte von der Pfalz. Ihre Briefe. Gelesen von Christa Berndt. Kunstmann-Verlag, München 2004. ISBN 3-88897-371-6
  • Liselotte von der Pfalz: Madame am Hofe des Sonnenkönigs [Ausstellung der Stadt Heidelberg zur 800-Jahr-Feier, 21. September 1996 bis 26. Januar 1997 im Heidelberger Schloss] / hrsg. von Sigrun Paas.

Schauspiel und Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lieselotte von der Pfalz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck.
  2. Van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. S. 153 ff.
  3. Die Memoiren des Herzogs von Saint-Simon. Ullstein, Frankfurt-M. 1977, ISBN 3-550-07360-7, Bd. 1, S. 285
  4. Helmuth Kiesel (Hrsg.): Briefe der Liselotte von der Pfalz, S. 10
  5. Eduard Bodemann (Hrsg.): Aus den Briefen der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover. Hannover 1891. Seite 101