Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften

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ZBW – Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
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Bestand 4,3 Millionen
Bibliothekstyp Spezialbibliothek
Ort Hamburg und Kiel
Bibliothekssigel H Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, Hamburg
Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, KielVorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
Website http://www.zbw.eu/
Außenansicht der ZBW an der Kieler Förde
Die ZBW am Neuen Jungfernstieg in Hamburg

Die ZBW – Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ist die weltweit größte Spezialbibliothek für wirtschaftswissenschaftliche Literatur. Sie hat zwei Standorte in Kiel und Hamburg, ist ein angegliedertes Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Mitglied in der Leibniz-Gemeinschaft (WGL). Sie wird durch den Bund und die Länder finanziert. Die Entscheidung über die Förderung trifft die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) in regelmäßigen Abständen immer wieder neu. Geleitet wird die ZBW von Klaus Tochtermann.

Sammelauftrag[Bearbeiten]

Die ZBW ist die Zentrale Fachbibliothek für Wirtschaftswissenschaften. Ihr Sammelauftrag lautet, Literatur und Fachinformationen aus den Bereichen Volkswirtschaftslehre (VWL), Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Wirtschaftspraxis zu beschaffen, zu erschließen, zu archivieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Bibliotheksbestand[Bearbeiten]

Der Bestand der ZBW umfasst circa 4,3 Millionen Medieneinheiten (Monographien, Zeitschriften, Jahrbücher) (Stand 2012).[1] Die ZBW abonniert nahezu 31.500 Zeitschriften. Über den Online-Katalog ECONIS hat man kostenlos Zugriff auf nahezu 132.000 Internetdokumente im Volltext. Auf dem Publikationsserver EconStor sind über 45.000 Arbeits- und Diskussionspapiere aus deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten und Universitäten gespeichert und kostenlos online verfügbar. Das Urheberrecht erlaubt es der ZBW nicht, alle ihre Bestände im Volltext online anzubieten, doch vor Ort bietet sie Zugang zu elektronischen Zeitschriften und 130 Datenbanken.

Katalog und Recherche[Bearbeiten]

Die ZBW legt großen Wert darauf, Literatur leicht auffindbar zu machen. Deshalb werden nicht nur Bücher, sondern auch Aufsätze, Working Paper und elektronische Quellen inhaltlich erschlossen, d.h. mit Schlagworten (Deskriptoren) versehen. Wilhelm Gülich entwickelte dafür ein spezielles System zur Katalogisierung, das u.a. auch die Bibliothek des Deutschen Bundestages übernommen hat. Heute dient der Standard-Thesaurus Wirtschaft als Grundlage für die inhaltliche Erschließung.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Die ZBW ist für jedermann zugänglich. Die Formaldaten für ihre gesamten Bestände können im Online-Katalog ECONIS, im Portal EconBiz oder über den Verbundkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) recherchiert werden. Sie können vor Ort in Kiel oder Hamburg genutzt oder über das Fernleihsystem der deutschen Bibliotheken bzw. einen Dokumentenlieferdienst wie subito bestellt werden.

Die ZBW betreibt außerdem das Portal EconBiz, eine virtuelle Fachbibliothek für Wirtschaftswissenschaften. Hier findet man nicht nur Literatur, sondern auch Internetquellen und Veranstaltungskalender für die Wirtschaftswissenschaften. Die ZBW bietet einen Online-Auskunftsdienst (EconDesk), der Hilfestellung bei der Literaturrecherche gibt und Fragen zur Faktenrecherche in den Wirtschaftswissenschaften beantwortet.

Die ZBW ist aktiv in der Open-Access-Bewegung, die sich den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zum Ziel setzt. So ist sie u.a. Verhandlungsführer für die Erwerbung von Nationallizenzen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Der Publikationsserver EconStor dient der freien Veröffentlichung wissenschaftlicher Publikationen aus den Wirtschaftswissenschaften.

Die ZBW gibt die beiden Zeitschriften „Wirtschaftsdienst“ und „Intereconomics“ heraus und stellt den technischen Support für das E-Journal „Economics“ des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bereit.

Projekte[Bearbeiten]

Die ZBW engagiert sich in nationalen und internationalen Projekten zur Entwicklung neuer Dienstleistungen für ihre Kundinnen und Kunden.

  • EDaWaX (European Data Watch Extended)[2]

Empirische Forschung in den Wirtschaftswissenschaften wird immer wichtiger. Bislang gibt es jedoch keine effiziente Möglichkeit, die von den Forschenden erhobenen oder verwendeten Daten sinnvoll mit den Publikationen zu verknüpfen, die aus dieser Forschung hervorgehen. Das Projekt EDaWaX setzt sich zum Ziel, ein Datenarchiv für Fachzeitschriften zu entwickeln am Beispiel der Zeitschrift „Schmollers Jahrbuch/Journal of Applied Social Science Studies.“ Das Projekt wird von der DFG gefördert.

  • Digitale Reichsstatistik[3]

Historische Statistiken sind bislang nur in Ausnahmefällen online verfügbar. In diesem Pilotprojekt werden die Bände der Deutschen Reichsstatistik digitalisiert und dann so aufbereitet, dass die darin enthaltenen Daten von Forscherinnen und Forschern ohne großen Aufwand heruntergeladen und in Tabellenkalkulationsprogrammen weiterverarbeitet werden können. Auch dieses Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

  • EconStor-Vernetzung[4]

Die Publikationen deutscher Wirtschaftsforscherinnen und -forscher sollen nicht nur in Deutschland, sondern auch international eine möglichst weite Verbreitung finden. Dazu soll das Projekt EconStor-Vernetzung beitragen, in dem Schnittstellen für eine automatische Datenlieferung aus EconStor zu den weltweit wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Datenbanken, RePEc und SSRN, entwickelt werden. Des Weiteren dient das Projekt dazu, Forscherinnen und Forschern die Veröffentlichung ihrer Arbeit so einfach wie möglich zu machen, z.B. durch automatische Lieferung an die Deutsche Nationalbibliothek oder die Übernahme von Metadaten aus gängigen Literaturverwaltungssystemen.

  • Langzeitarchivierung[5]

Die rasante technische Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass viele Informationen nur noch elektronisch existieren, aber auch dazu, dass die Hard- und Software zum Lesen dieser Informationen immer schneller veraltet. Die digitale Langzeitarchivierung soll sicherstellen, dass auch künftige Generationen diese Informationen nutzen können. Zu diesem Zweck kooperiert die ZBW mit den beiden anderen Zentralen Fachbibliotheken, der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED), im Rahmen von Goportis in einem Pilotprojekt, das Strategien und Methoden für die Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen entwickelt.

  • Linked Open Data

Linked Open Data bezeichnet die Bereitstellung von frei nutzbaren Daten (Open Data) als vernetzte Daten (Linked Data). Die ZBW arbeitet intensiv daran, ihre eigenen Daten mit externen Daten zu verknüpfen, um neue Anwendungen und Nutzungsmöglichkeiten zu finden. Als erstes hat sie ihren Standard-Thesaurus Wirtschaft in dieser Form zur Verfügung gestellt. In den ZBW Labs stellt sie aktuelle Prototypen vor.

  • da|ra – Die Registrierungsagentur für Sozial- und Wirtschaftsdaten[6]

Zusammen mit GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften baut die ZBW eine Registrierungsagentur auf, bei der Forscherinnen und Forscher aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ihre im Forschungsprozess gewonnenen Primärdaten registrieren können. Diese Registrierung dient dazu, die Daten zugänglich, eindeutig identifizierbar und damit auch wiederholbar zu machen, so dass der Forschungsprozess insgesamt transparenter und effizienter wird. Sowohl die ZBW als auch GESIS sind Mitglied im Verbund DataCite, der sich das Ziel setzt, international einheitliche Regeln für die Registrierung von Forschungsdaten zu erstellen.

Kooperationen[Bearbeiten]

Um die zahlreichen Herausforderungen zu bewältigen, die mit den technologischen Veränderungen in der Informationsvermittlung verbunden sind, baut die ZBW ein globales Netzwerk auf. Sie hat dafür Kooperationsverträge mit internationalen Forschungseinrichtungen abgeschlossen, darunter MIMOS, GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Joanneum Research und das Know-Center Graz. Auch in der Bibliotheks-Community ist die ZBW aktiv in verschiedenen Kooperationsvorhaben, so wie Goportis, NEREUS oder Academic LinkShare.

Geschichte[Bearbeiten]

1919 wurde die ZBW als eigene Abteilung des Instituts für Weltwirtschaft gegründet, das damals noch Königliches Institut für Seeverkehr und Weltwirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hieß. Seit 1924 wurde diese Spezialbibliothek unter ihrem Leiter Wilhelm Gülich zur wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsbibliothek ausgebaut. Von 1961 bis 1992 wurde die Bibliothek von Erwin Heidemann geleitet. In dieser Zeit entwickelte sich aus der Institutsbibliothek eine überregionale Fachbibliothek. 1966 wurde sie Mitglied in der Leibniz-Gemeinschaft und zur Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften bestimmt. Von 1992 bis 2010 war Horst Thomsen Direktor der ZBW. In seine Amtszeit fällt die organisatorische Trennung vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Seit 2010 ist Klaus Tochtermann Direktor der ZBW.

Struktur[Bearbeiten]

Zum 1. Januar 2007 wurde die ZBW eine eigenständige Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Schleswig-Holstein. Zum gleichen Zeitpunkt integrierte die ZBW die Bibliothek des ehemaligen Hamburgischen Weltwirtschafts-Archivs in Hamburg. Sie ist eine angegliederte Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, aber nicht Bestandteil der Universität.

Gemäß Satzung[7] wird sie von einem Direktor geleitet, der gleichzeitig einen Lehrstuhl an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hält. Sie untersteht der Aufsicht des jeweils für die Hochschulen zuständigen Ministeriums des Landes Schleswig-Holstein. Die Organe der Stiftung sind die Direktorin bzw. der Direktor als Leitung und der Stiftungsrat als Beratungs- und Entscheidungsgremium für grundsätzliche und finanzielle Fragen. Im Stiftungsrat sitzen neben dem Vertreter des Landes Schleswig-Holstein als Vorsitzendem ein Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg, zwei Vertreter des Bundes, von denen einer stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates ist, der Vorsitzende des Beirates, zwei Vertreter der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und drei externe Wissenschaftler, von denen einer einem führenden Wirtschaftsforschungsinstitut angehört und zwei die Informationswissenschaften im universitären und außeruniversitären Bereich vertreten. Daneben besteht laut Satzung ein Beirat, der die Organe der Stiftung in Fragen der Serviceaufgaben und in Belangen der Kundschaft berät.

Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird die ZBW in regelmäßigen Abständen evaluiert. Vom Ergebnis dieser Evaluierung hängt es ab, ob sie weiter finanziell gefördert wird. Die letzte Evaluierung fand 2010 statt und fiel überaus positiv aus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Weltweit größte Zentralbibliothek jetzt noch größer. Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften integriert die Bibliothek des Hamburgischen-Welt-Wirtschafts-Archivs, in: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, 54 Jg., 2007, H.3, S.143.

Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW): Jahresbericht 2011, Kiel 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.zbw.eu/ueber_uns/bibliotheksprofil/zahlen_fakten.htm
  2. http://www.zbw.eu/ueber_uns/projekte/edawax.htm
  3. http://www.zbw.eu/ueber_uns/projekte/reichsstatistik.htm
  4. http://www.zbw.eu/ueber_uns/projekte/econstor_vernetzung.htm
  5. http://www.zbw.eu/ueber_uns/projekte/langzeitarchivierung.htm
  6. http://www.gesis.org/dara
  7. http://www.zbw.eu/ueber_uns/bibliotheksprofil/satzung.htm

54.33833333333310.156111111111Koordinaten: 54° 20′ 18″ N, 10° 9′ 22″ O